„Die wichtigste Eigenschaft? Mut!“ – Rewe Chef Frank Hensel im Interview

Als Vorstandsvorsitzender einer der größten Lebensmittelhandel-Konzerne Europas könnte es sich Frank Hensel leisten, auf unbezahltes Engagement keinen Wert zu legen. Doch ganz im Gegenteil: Bereits seit Jahren unterstützt Hensel das „Lernen macht Schule“ Volunteering@WU-Programm der Wirtschaftsuniversität. Zeit, den Manager zum Interview über Wertevermittlung und Respekt zu bitten.

WU Blog: Sie sind von Beginn an ein Unterstützer des „Lernen macht Schule“-Programms. Was waren für Sie die Hauptgründe für diese Kooperation – welche Ideen haben Ihnen besonders daran gefallen?

Frank Hensel: Studierende mit Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen, das ist die besondere Idee hinter der Initiative „Lernen macht Schule“, die wir 2010 gemeinsam mit der Caritas und der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) ins Leben gerufen haben. Bildung ist ein entscheidender Faktor für Chancengleichheit und ein friedliches Zusammenleben. Die Kinder und Jugendlichen erhalten von den Lernbuddys kostenlose Unterstützung beim Lernen. Zudem erleben sie Vorbilder, die mit ihnen Zeit verbringen, beispielsweise Fußball spielen oder Ausstellungen besuchen. So knüpfen sie nachhaltige soziale Beziehungen und gewinnen neue Perspektiven.

„Soziale Kompetenz ist eine wichtige Grundvoraussetzung im Handel“

WU Blog: Auf welche Qualitäten (abgesehen von der beruflichen Qualifikation) würden Sie bei der Einstellung eines Bewerbers besonders achten – und spielt soziales Engagement bei der Auswahl eines Bewerbers tatsächlich eine Rolle?

Frank Hensel: Wir schauen im Bewerbungsprozess neben der fachlichen Qualifikation auch auf soziale Engagements. Gerade im Handel mit täglichen Kundenkontakten ist soziale Kompetenz eine wichtige Grundvoraussetzung. Nebenbei hat die soziale Tätigkeit einen Lerneffekt: Unsere Lernbuddys erhalten zum Beispiel eine dreitägige Ausbildung zu Didaktik, Freizeitpädagogik, psychosozialen Grundlagen und Herausforderungen ehrenamtlicher Arbeit.

 

WU Blog: Wir leben in einer Zeit, in der eher egozentrische Ansätze wie „Geiz ist geil“, das Fotografieren von Selfies oder auch politische Schlagwörter wie „America First“ enormen Zuspruch erfahren; das Wort „Opfer“ wird geradenach als Beleidigung unter Jugendlichen gebraucht. Welche Rolle spielen Empathie und soziales Engagement Ihrer Meinung nach heute überhaupt noch für die Gesellschaft und warum ist das gut/schlecht?

Frank Hensel: An Empathie und sozialem Engagement ist gar nichts schlecht. Wir erleben leider in der Tat eine Verrohung der Sprache, die oftmals  unter dem Deckmantel der Anonymität – die soziale Medien bieten – stattfindet. „Sprache schafft Wirklichkeit“ hat Ludwig Wittgenstein gesagt und diesen Spruch sollten wir alle immer im Hinterkopf haben.

„Wir erleben eine Verrohung der Sprache“

WU Blog: Welche Regeln und Werte sollten Eltern heute ihren Kindern – den zukünftigen Studierenden an der WU oder auch den MitarbeiterInnen in Ihrem Unternehmen – am besten mitgeben?

Frank Hensel: Neben den vielen positiven und guten Eigenschaften, die Eltern Ihren Kindern vermitteln sollten, ist für mich eine Eigenschaft besonders wichtig: Mut.


Wie werde ich Lern- oder Musikbuddy?

Das Freiwilligenprogramm unterstützt junge Menschen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen in ihrem Bildungsweg und fördert dabei gleichzeitig freiwilliges Engagement und soziales Verantwortungsbewusstsein unter Studierenden.

Zur Vorbereitung erhalten alle Studierenden mehrtätige Seminare, begleitend Supervision/ Coachings und können ihr Know-How im Rahmen von Fortbildungsangeboten vertiefen. Ein Zertifikat der WU zeichnet das freiwilliges Engagement der Studierenden aus. Eine Teilnahme kann zudem als freies Wahlfach im WU-Studium anerkannt werden.
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