Frauen im Fokus: Zukunftstrends im Visier

Wirtschaft war schon seit ihrer Jugend das Steckenpferd von Isabell Claus. Für viele Frauen ist die Teilnehmerin des „Wise Women of WU“-Programms ein Vorbild, wie man durch Mut und Neugier im Unternehmertum Meilensteine setzen kann.

Isabell Claus wuchs in der ostdeutschen Stadt Chemnitz auf. Als Tochter einer Unternehmerin kam sie bereits früh mit Wirtschafts- und Finanzthemen in Berührung und so wurde schon im Teenageralter ihr Interesse für Wertpapiere geweckt. Mit zwölf Jahren investierte sie das erste Mal in Aktien. „Meine Eltern haben mein Finanzinteresse gefördert und ermöglichten mir, neben der Schule Kurse zu besuchen, in denen ich meine Finanzbildung vertiefen konnte“, erinnert sich Claus an ihre Jugend. Nach dem Abitur zog sie zunächst nach München. Ihr beruflicher Werdegang führte sie später nach New York, wo sie bei Merck Finck erste Joberfahrungen sammelte. Bald war für sie klar, dass sie im Ausland studieren möchte, wollte aber ihrer Heimat nicht zu fern sein und so fiel die Wahl auf Wien. „Mich begeisterte das vielseitige Studienangebot der WU“, erklärt Claus. Sie entschied sich für Internationale BWL sowie Wirtschaftsrecht. „Ich war eine fleißige Studentin und habe nebenher gearbeitet und viele Dinge ausprobiert.“

Neugier als Motor

Während des Studiums zog es sie für Forschungsarbeiten an die Harvard University, London School of Economics, Singapore Management University und an das Dubai University College. „Neugierig war ich schon immer. Es hat mich stets interessiert, was erfolgreiche Menschen ausmacht und ich habe herausgefunden, warum manche Unternehmen top sind und andere nicht.“ Ihre Schlussfolgerung: „Erfolgreiche Menschen und Unternehmen sind sehr kompetitiv und stehen in einem permanenten Wettbewerb.“ Da gehört es auch dazu, Rückschläge in Kauf zu nehmen. Claus: „Man muss lernen, mit dem Scheitern umzugehen. Am wichtigsten ist es, Niederlagen als Motivation zu sehen und nicht persönlich zu nehmen.“ Sie beobachtet, dass sich Frauen mit beruflichen Rückschlägen häufig schwerer tun als männliche Kollegen.

„Am wichtigsten ist es, Niederlagen als Motivation zu sehen und nicht persönlich zu nehmen.“

Aus ihrer Sicht eine der Ursachen, warum es weniger Gründerinnen gibt. „Weil sie frühzeitig mit großen Hürden konfrontiert sind, über die sie nicht hinwegkommen und Rückschläge
persönlich nehmen.“ Claus hält sich dagegen an das Motto: „Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen.“ Mit Rückschlägen richtig umzugehen sei ihrer Meinung nach erlernbar und deshalb agiere sie auch gern als Mentorin, um ihre Geschichte zu erzählen. Wenn man hört, dass auch andere Menschen scheitern und danach trotzdem Erfolg haben, dann ändert sich die Einstellung zu Niederlagen. „Aus jedem Rückschlag kann man einiges mitnehmen und sich weiterentwickeln. Der einzige wirkliche Fehler ist aufzugeben.“

Unternehmerin des Jahres

Ihre Wissbegier brachte sie mit interessanten Menschen zusammen. Stolz ist sie darauf, bei der Gründung des Unternehmens RadarServices Smart IT-Security mitgewirkt zu haben. „Ein Unternehmen von null aufzubauen, schnell zu wachsen und es dann erfolgreich zu verkaufen, finde ich reizvoll.“ Nicht umsonst wurde Isabell Claus zur Unternehmerin des Jahres 2020 in Österreich gekürt. Gegenwärtig ist künstliche Intelligenz ein großes Thema und Claus nimmt mit ihrem neuen Unternehmen thinkers.ai erneut eine Vorreiterrolle in einer Schlüsseltechno-
logie ein. Thinkers.ai ist spezialisiert auf den Einsatz von KI für die Analyse von Webdaten. Für die Entwicklung der ersten technologisch unabhängigen Suchmaschine Europas erhielt sie vom Bundeskanzleramt den Europa-Staatspreis für Innovation und Digitalisierung. Claus: „Es ist wichtig, dass Europa Schlüsseltechnologien nicht nur nutzt, sondern dass wir auch die Wertschöpfung, das Know-how und das Ökosystem dieser Schlüsseltechnologien in Europa haben. Nur so können wir den Wohlstand auch für die nachkommende Generation sicherstellen.“

Zur Person

  •  Isabell Claus wurde am 18. April 1981 in Chemnitz geboren
  • Sie studierte an der WU und hatte Forschungsaufenthalte an der Harvard University, London School of Economics, Singapore Management University, Dubai University College
  • 2012 wurde sie Mitglied im Management- und Gründer*innenteam von RadarServices Smart IT-Security
  • 2019 gründete sie gemeinsam mit Wolfgang Ecker-Lala thinkers.ai und agiert seither als Geschäftsführerin