Uni weiter denken: Wie studiert man in 30 Jahren?

Welche Funktion erfüllt die Alma Mater in Zeiten von MOOCs und adaptiven Lernalgorithmen? Wie können Hochschulen innovativer werden und „entrepreneurial thinking“ vermitteln? Und wie sieht der Universitätsalltag im Jahr 2050 aus? WU Studentin Eva Keiffenheim nahm gemeinsam mit einem internationalen Team am Hackathon der Konferenz teil – und wurde mit ihrer Präsenation als innovativste Idee ausgezeichnet.

Bildung an europäischen Hochschulen innovativer und unternehmerischer zu gestalten war das Ziel von Higher Education Innovation 2018 (HEInnovate), einer zweitägigen Konferenz in Brüssel, die von der Europäischen Kommission und der OECD initiiert wurde. Dabei trafen sich Fachleute aus europäischen Hochschulen, politische EntscheidungsträgerIinnen, ProfessorIinnen und Studierende. Unter dem Motto “Make Innovation Work in Higher Education” fand auch der Hackathon statt, an dem WU-Vertreterin Eva Keiffenheim gemeinsam mit 29 anderen Studierenden aus 19 Ländern teilnahm.

Im Team mit Eva Keiffenheim waren fünf weitere Studierende aus Portugal, Kroatien, Irland, Schottland und Ungarn und machten sich mit Hilfe von Design Thinking Methoden auf die Suche nach Lösungen. Ihre finale Präsentation wurde als innovativste und disruptivste Idee der Konferenz ausgezeichnet und lautet wie folgt:

Die Universität der Zukunft stellt menschliche Interaktion in den Mittelpunkt

Bildschirme oder smart glasses erobern nicht die Aufmerksamkeit der Studierenden. Stattdessen prägen Interaktion und Austausch die Universität der Zukunft. Für eine solche learning community wird sich die Beziehung zwischen ProfessorInnen und Studierenden grundlegend verändern. Lehrende agieren mehr als Mentor*innen und weniger als die einzige Quelle des Wissens. Statt Frontalunterricht, moderieren Lehrende Diskussionen und führen den Austausch zwischen Studierenden. Zum einen wird dadurch der Lernprozess verstärkt, zum andern behalten Präsenzveranstaltungen ihre Existenzberechtigung.

Um in Vorlesungen Zeit für Interkation zu schaffen, wird die traditionelle Lernumgebung umgekehrt. Dank flipped classrooms werden Vorlesungen online bereitgestellt und von Studierenden vorbereitend angesehen. Über eine Online-Plattform kann in individuellem Tempo die Theorie erarbeitet werden. Zusätzlich bietet eine europaweite Plattform die Chance, Vorlesungen bei verschiedenen Professor*innen zu genießen. Diese Online-Inhalte – deren Erstellung bestenfalls von der Europäischen Union unterstützt würden – könnte potenzielle Unterschiede zwischen einzelnen Ländern ausgleichen.

„Entrepreneurial bedeutet nicht, dass jeder Studierende Unternehmer werden soll. Vielmehr bedeutet entrepreneurial, dass Menschen Initiative ergreifen, damit sie sich an die Welt um sie herum anpassen können“

Zusätzlich zu flipped classrooms und einer learning community soll die Universität der Zukunft liquid learning ermöglichen. Diese Idee beruht auf dem Grundsatz, dass kein bestimmter Abschluss auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten kann. Liquid learning baut Brücken über verschiedene Wissensbereiche und realisiert somit cross-learning über Department- und Fakultätsgrenzen hinweg. In Form eines modularen Systems kann sich der Studierende so seinen eigenen Studienplan zusammenstellen. Gleichzeitig sollte die Universitätsbildung nach der Graduierung nicht aufhören, sondern ein lebenslanges Lernen und Weiterbildung unterstützen. „Entrepreneurial bedeutet nicht, dass jeder Studierende Unternehmer werden soll. Vielmehr bedeutet entrepreneurial, dass Menschen Initiative ergreifen, damit sie sich an die Welt um sie herum anpassen können“, meinten die Studierenden bei HEInnovate und sind überzeugt, dass die Universität der Zukunft einen entscheiden Beitrag dazu leisten wird.

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