Die Sprache ist der Schlüssel

Seit 2015 werden an der WU Deutschkurse für geflüchtete Menschen angeboten, die aus dem Heimatland bereits eine hohe Qualifikation mitbringen und ein Studium in Österreich anstreben. Die Kurse werden von Volunteering@WU – Lernen macht Schule organisiert und als Teil des MORE-Programmes der WU angeboten. Ziel ist es, geflüchtete Menschen auf ihrem Bildungsweg und bei ihrer Integration in Österreich zu unterstützen.

Eine aktuelle Teilnehmerin ist Hodoon Owdeh. Sie besucht zurzeit den C1-Kurs und plant, bald ein reguläres Studium in Wirtschaftsrecht an der WU zu beginnen.

Volunteering@WU: Du lebst jetzt seit 3 Jahren in Österreich. Welchen Herausforderungen bist Du bisher begegnet?

Hodoon: Die größte Herausforderung für mich war, schnell die deutsche Sprache zu lernen, damit ich mit allem anfangen kann, was ich liebe und was ich möchte, denn Sprache ist der Schlüssel zu allem. Das Erlernen der Sprache war am Anfang jedoch sehr schwierig, da kein direkter Kontakt zu den Österreicher/innen bestand und das Lernen nur auf Videos beschränkt war. Aber Schritt für Schritt konnte ich viele Österreicher/innen kennenlernen und stehe in ständigem Kontakt mit ihnen.

Volunteering@WU: Wieso hast Du Dich für eine Teilnahme am MORE-Programm der WU beworben?

Hodoon: Für mich ist das MORE-Programm ein großartiges Angebot, mit dem ich meine Sprache auf eine Weise verbessern kann, die dem Universitätsniveau entspricht. Dieses Programm ist für Personen mit hohen Abschlüssen und mit Motivation, an einer Universität zu studieren. Das hat mich sehr ermutigt, mich zu bewerben, um mit ihnen gemeinsam zu lernen.

Volunteering@WU: Wie hast Du die Umstellung der Deutschkurse auf Fernlehre in diesem Semester erlebt? Was ist Dir leichtgefallen, was waren Herausforderungen für Dich?

Hodoon: Leider kommen manchmal bestimmte Situationen, die alles ändern, was man geplant hatte! In diesem Semester war es der Fernunterricht. Für mich persönlich ist dies die größte Herausforderung, vor der ich stehe. In Damaskus habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht, als mein Leben im Krieg begonnen hat und ich mein Jurastudium auch von zu Hause gemacht habe. Nicht wegen Corona, sondern wegen des Krieges. Ich entdeckte, dass Krieg viele Gesichter und Formen hat. Deshalb bevorzuge ich Fernunterricht nicht, weil er schlechte psychologische Erinnerungen für mich hervorruft.

Aber ich finde es eine gute Methode in dieser schwierigen Krise, die wir durchmachen, um sicherzustellen, dass die Student/innen keine Zeit verlieren und weiter studieren können.
Die Herausforderung für mich bestand darin, mich mit Liebe und Transparenz an die neue Situation anzupassen, nicht mit Angst.

Volunteering@WU: Welche Unterschiede erlebst Du an der WU im Vergleich zu Deiner Universität in Syrien?

Hodoon: Die Uni in Damaskus war eine der besten internationalen Universitäten, obwohl die Vorlesungen nur auf Arabisch gehalten wurden. Es war ein Traum für jede/n syrische/n Studierende/n, an dieser Uni in Damaskus zu studieren. Alle Colleges erforderten eine Aufnahmeprüfung und diese Prüfung erforderte besonders viel Vorbereitung und viel Verständnis und Intelligenz. Aufgrund der aktuellen Bedingungen dort ist ihr Niveau jedoch stark gesunken. Daher kann ich meine Universität nicht mehr mit der Wirtschaftsuniversität vergleichen.

Volunteering@WU: Welchen Rat würdest Du anderen geflüchteten Menschen geben, die sich auch für ein Studium in Österreich interessieren?

Hodoon: Leider wurde mein Abschlusszeugnis der Rechtswissenschaften in Österreich nicht anerkannt und ich weiß, dass es für eine Person sehr schwierig ist, wieder von vorne zu beginnen, insbesondere, wenn wir uns in einem neuen Land befinden mit einer Sprache, die sich von unserer völlig unterscheidet. Aber Hoffnung und Ehrgeiz sind es, die Schwierigkeiten lindern und uns vorantreiben, damit wir unsere Träume erfüllen können. Das braucht nur ein wenig Geduld!

Deswegen rate ich allen Flüchtlingen, die an einer Universität studieren möchten, immer motiviert zu sein. Ja, das Lernen in einer Fremdsprache ist schwierig. Aber wenn man einer/eine von jenen mit Qualifikationen und höheren Studien in einem anderen Land als seinem eigenen ist, hat man etwas Wunderbares getan und es ist wie eine Medaille auf der Brust zu tragen.

Deutschkurs für Geflüchtete

Weitere Informationen rund um das MORE-Programm und die Deutschkurse findet ihr hier. Für Möglichkeiten zum freiwilligen Engagement oder einer Kooperation im Rahmen der Kurse wendet Euch gerne an katrin.tamara.diem@wu.ac.at.