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Einmal Sustainability Challenge und zurück. Oder: Warum sich Herausforderungen auszahlen

Auch im kommenden Semester wird auf der WU wieder die Sustainability Challenge angeboten, eine interuniversitäre Lehrveranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit und Smart Cities. Ich habe die Challenge letztes Jahr mitgemacht und möchte beschreiben, warum sich Abwechslung im Studium auszahlt.

Wie alles begann…

Mein letztes Sommersemester startete wie immer: wehmütige Gedanken an den viel zu langsam herankriechenden Frühling, verstärkte Anzeichen einer tiefen Wintermelancholie und ein dazu endlos langes, unübersichtliches Vorlesungsverzeichnis.

Irgendwo zwischen “Neokolonialen Konflikten in Lateinamerika” und den “Governance- und Steuerungsmechanismen der EU”, stieß ich auf einen überraschenden Titel: “Sustainability Challenge” stand da, in fröhlichem gelb und bunter Aufmachung strahlte mich diese Lehrveranstaltung an. Ich kann nicht behaupten, dass ich nicht skeptisch gewesen wäre: diese Farben (mitten im Winter, wie unpassend!), eine interuniversitäre Lehrveranstaltung und dazu das Thema: Smart City!? War das nicht dieses Konzept, das seit einiger Zeit Stadtregierungen in aller Welt als die Lösung auf all ihre Probleme verkauft wird? Ich dachte unwillkürlich an multinationale Konzerne und an Hightech-Geisterstädte wie das koreanische Songdo. Mir schauerte bei dem Gedanken und: ich war neugierig!

Ganz kurz zu den Hard Facts: Die Sustainability Challenge ist eine Lehrveranstaltung, die von den vier größten Wiener Universitäten abgehalten wird: der BoKu, der Technischen Universität, der Uni Wien sowie der WU. Organisiert wird sie vom RCE Vienna, einer an der WU angesiedelten Forschungsplattform, die sich mit Nachhaltigkeit, Bildung und Wissenstransfer befasst. Jedes Jahr gibt es ein neues Thema für die Challenge, welches dann aus der Expertise der jeweiligen Universität beleuchtet wird. Zusätzlich gibt es interdisziplinäre Blöcke, zu denen vor allem Vortragende aus der Praxis eingeladen werden. Parallel, und das ist wohl das größte Alleinstellungsmerkmal der Sustainability Challenge, wird den Studierenden ein innovatives Lehrformat geboten. Was etwas kryptisch als “Service Learning” bezeichnet wird, bedeutet, dass man praxisorientiert, und in direkter Zusammenarbeit mit externen PartnerInnen das erlernte Wissen anwenden und umsetzen kann. In unserem Semester kamen die PartnerInnen vorrangig aus der Privatwirtschaft, aber auch öffentliche Initiativen, NGO’s und ein Ministerium waren mit dabei. Ab kommendem Semester, so hört man, gibt es alternativ auch eine Start-Up Schiene, in der man die eigene Idee im Bereich der Nachhaltigkeit mit KollegInnen und vor allem mit ExpertInnen aus der Start-Up Szene entwickeln kann.

Aber zurück zu meiner Geschichte! Schlussendlich entschied ich mich also, mich für die Challenge zu bewerben. Ausschlaggebend dafür war nicht zuletzt, dass die Lehrveranstaltung ein von der UNESCO anerkanntes Projekt ist. Außerdem war ich nach 4 Studienjahren bereit für mehr als Frontalvorträge und langweilige Referate! Nach meiner Aufnahme stellte sich bald heraus, dass ich zu Unrecht skeptisch war, ob das Thema Smart City gut aufgearbeitet würde. Die Vortragenden hatten sehr reflektierte Positionen und näherten sich dem Thema sachlich, aber kritisch. Besonders spannend war natürlich zu sehen wie unterschiedlich ein und dasselbe Thema aus den unterschiedlichen Disziplinen verstanden und behandelt wird.

1-2-3 – wir machen ein Projekt

Interessanter Input hin oder her: Die Sustainability Challenge wäre nicht, was sie ist, ohne ihre Service Learning Projekte. Diese Projekte sind es, die einen Mehrwert schaffen, nicht nur innerhalb des Studiums, sondern auch darüber hinaus. In meinem Fall hatte ich das Glück mit einer super Gruppe und einer sehr offenen und kollaborationsfreudigen Partnerin zusammenzuarbeiten, der in Niederösterreich ansässigen Initiative „Tut Gut!”. Schon zu Beginn des Semesters organisierten wir regelmäßig Treffen mit unserer Service Learning Partnerin, um einander kennenzulernen und herauszufinden, was vonseiten der Partnerin angestrebt wird und wie wir dabei behilflich sein können. Das Gute an Service Learning Projekten ist: Man kann sich einerseits ausprobieren, ins Berufsleben reinschnuppern und eigenverantwortlich Projekte entwickeln. Gleichzeitig kann man sich jederzeit Unterstützung vonseiten der Lehrenden holen, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Unsere Gruppe entwickelte im Laufe des Semesters ein “Infogame” für unsere Service- Learning Partnerin, das dem Zweck dienen sollte, eine geplante Initiative zum Thema Klima & Gesundheit zu pushen. Wir wollten uns allerdings nicht damit begnügen, ein Konzept auszuarbeiten und abzugeben. Wir wollten es auch testen, ausprobieren und als Projekt realisieren. Zum Glück hat das RCE Vienna gute Verbindungen zur Gebietsbetreuung im zweiten Bezirk, sodass wir unser Spiel am Vorgartenmarktfest in unmittelbarer Nähe zum WU-Campus in die erste Testphase schicken konnten. So wurde unsere Arbeit, die wir während des Semesters geleistet hatten, handfest und wir konnten unser Projekt vom Papier in die Wirklichkeit holen. Es war für uns alle ein zentraler Erfolg unsere Idee von der Theorie in die Praxis zu bringen. Auch nach dem Semester waren wir noch einige Zeit mit unserer Service- Learning Partnerin in Kontakt und konnten uns die Zusammenarbeit auch als Praktikum “vergüten” lassen. Am Ende des Semesters hatte ich also nicht nur ein paar ECTS-Punkte gesammelt und wusste besser über Smart Cities Bescheid: Ich hatte auch ein Projekt entwickelt und umgesetzt, Arbeitserfahrung gesammelt und meinen Lebenslauf aufgepäppelt.

Die Sustainability Challenge ist eine Challenge, keine Frage. Wer sein oder ihr Studium im Pacman-Stil durchziehen möchte, Punkte jagt ohne nach links und rechts zu schauen, dieser Person ist die Challenge nicht unbedingt zu empfehlen. Denn sie ist thematisch anspruchsvoll und nimmt auch ein wenig mehr Zeit in Anspruch als die landesüblichen Lehrveranstaltungen. Aber für Studierende, die sich auf vielfältige Weise mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen wollen, die Lust haben, was Neues auszuprobieren und auch mal ein Projekt umzusetzen, ist die Sustainability Challenge eine gute Möglichkeit dazu. Aus meiner persönlichen Erfahrung damit kann ich sagen: Die Sustainability Challenge hat ihren Namen verdient, aber wie in den meisten Fällen zahlt es sich aus, die Herausforderung anzunehmen!


Die Bewerbung für die aktuelle Sustainability Challenge läuft noch bis 24. Jänner 2016.

#Sustainability #Challenge #Nachhaltigkeit #Herausforderung #Rückblick

1 Diskussion über “Einmal Sustainability Challenge und zurück. Oder: Warum sich Herausforderungen auszahlen”
  • Die Bewerbungsphase für die Sustainability Challenge wurde auf den 3. Februar erweitert: http://www.rce-vienna.at/sustainabilitychallenge/

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