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Universität = Freiheit

Die Jahre auf der Universität sind eigenartig. Man wird nie wieder im Leben so frei sein und gleichzeitig so viel Energie haben. Wie viele andere Studierenden habe auch ich mein Studium auf der WU (nach einem katastrophalen Versuch an der TU) mit so einer positiven Einstellung angefangen. Es war mir natürlich von Anfang an klar, dass auch die WU nicht einfach ist, aber ich habe gehofft, dass es mir gefallen wird.

Man kann gar nicht behaupten, dass die WU nicht frei ist. Man muss gar nicht in die Vorlesung! Alle Vorlesungen sind ja LVPs ohne Anwesenheitspflicht. So eine Freiheit hat ein junger Erwachsener sehr gerne, da man ja endlich von den Regeln anderer Personen (Eltern, LehrerInnen etc. …) frei werden will. Ehrlich gesagt habe ich (leider) diese Freiheit unter anderem dafür benutzt länger zu schlafen und in der Nacht länger wach zu bleiben. Ich stelle nun immer öfter die Frage, ob so eine Freiheit mir etwas gebracht hat? Vielleicht. Langsam lerne ich wie man sich seine eigentlich unbegrenzte Zeit selbstständig einteilt, was meiner Meinung nach eine sehr wichtige Fähigkeit ist, besonders wenn die Motivation nicht unbedingt groß ist. Trotzdem denke ich, dass dieses Maß an Selbstständigkeit nicht dazu geführt hat, dass ich substantiell mehr gelernt habe. Schließlich ist nicht jeder von jedem Stoff begeistert und ein autodidaktisches Lernen führt daher nicht unbedingt zum besten Ergebnis bzw. Wissen. Glücklicherweise habe ich während meines Praktikums keine Motivationsprobleme gehabt und konnte deshalb mein absolutes Maximum geben. Die Praxis ist ganz anders als die Universität und man benötigt teilweise andere Fähigkeiten, die nicht wirklich gelehrt werden, um erfolgreich zu sein. Ich muss aber auch sagen, dass – im Gegensatz zu vielen guten (oder sogar besser bewerteten) ausländischen Universitäten – wir an der WU echt viel Stoff durchnehmen. Ich hatte Wissen in solchen Themengebieten, die für andere erst im Rahmen des Masters vorgetragen werden.

Die schlechtesten Erfahrungen habe ich immer dann erlebt, wenn wegen der sehr hohen Anzahl der Studierenden die Uni brutal wurde. Ich verstehe z.B. nicht, wieso nicht mehr AMC 3 Kurse angeboten werden, obwohl die ProfessorInnen selbst wissen, dass die Anzahl der Plätze zu wenig ist. Noch weniger erklärt sich aber, warum ein/e ProfessorIn sagen kann, dass ein bestimmter Teil des Stoffes zum Heimstudium bestimmt ist. Meiner Meinung nach sollte alles was prüfungsrelevant ist in der Vorlesung vorgetragen werden. Wenn es nicht möglich ist innerhalb der dafür vorgesehenen Zeit den Stoff vorzutragen, dann sollte es vom prüfungsrelevanten Stoff gestrichen werden. Die Länge der Vorlesung bestimmt ja den ECTS-Wert einer Prüfung! So wird aber mehr Material abgefragt. Ich habe während meines Erasmus-Auslandssemesters (in Groningen, Holland) andauernd das Gefühl gehabt, dass unsere normalen 4 ECTS Prüfungen im Ausland mindestens 6 ECTS wert sein würden. (Wenn man nachrechnet ergibt sich, dass 180 ECTS eigentlich 270 ECTS wert Stoff sind, was ja fast ein BSc+MSc ECTS Anzahl wäre.)

Übrigens, in Holland muss der bzw. die Vortragende nach 45 Minuten immer eine Pause halten! Die Studierenden unterbrechen sogar den Unterricht, um die Pause zu „fordern“. (Es ist ihnen wichtig, weil man sich sonst nicht konzentrieren kann. Dort lohnt es sich wirklich aufzupassen, da alles was in den Prüfungen abgefragt wird, auch vorgetragen wird). Außerdem gibt es keine Vorlesungen die 8 Stunden lang dauern! Es gibt aber zu jeder Vorlesung eine Übung (mit weniger als 20 TeilnehmerInnen), in der auf Schwierigkeiten eingegangen wird.

Mir fehlen nur noch 29 ECTS bis zum Ende und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob/wann ich den Abschluss schaffen werde. Dieses ständige Gefühl der Unsicherheit und Verlassenheit (da ich weiß, dass niemand außer mir ein Interesse an meinem Abschluss hat) ist nicht immer schön und ist der Nachteil der Freiheit. Es wäre vielleicht besser, wenn am Beginn des Studiums es nicht ausschließlich AudiMax Massenvorlesungen gäbe, sondern ein Paar PIs wo die Vortragenden auch persönlich investiert sind (wie z.B. alle WIKOs). Solange jedoch die WU über 3000 Studierenden jedes Jahr zum Studium zulassen muss, wird das nicht passieren (nicht einmal unser sehr schöner Campus kann so viele Studierenden in kleineren Gruppen beherbergen). So bleibt diese zweischneidige „Freiheit“. Es wird nämlich immer genug Leute geben, die es bis zum Schluss „durchziehen“. Das hat natürlich schlechte Auswirkungen auf die Motivation der Studierenden und dadurch auf die Qualität. Ob diese Situation gut ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Aber zumindest ist es gratis…

Für mich hat es sich eigentlich gelohnt, da ich neben eines Studiums ein Paar gute Freundschaften geknüpft habe und wichtige Lebenserfahrungen gesammelt habe. Wien ist außerdem eine sehr gute Stadt zum Leben und unser Campus ist einer der besten in der Welt. Kann sein, dass ich länger brauche, um mein Studium zu beenden, aber zumindest kann ich so ein bisschen länger meine „Freiheit“ genießen. Die Arbeit wird stressiger, habe ich gehört.

#Freiheit #Universität #Motivation

2 Diskussionen über
“Universität = Freiheit”
  • Fuer leute die mit freiheit und selbststudium nicht so gut umgehen koennen gibt es tolle FHs die da fuersorglicher und auch praxisorientierter sind. Ein unistudium kann niemals nur praxis sein!

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