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Wirtschaft trifft Technologie: Wozu braucht es Supraleiter?

An der Wirtschaftsuniversität Wien arbeiten hoch motivierte Studierende an innovativen Projekten, die neue Lösungsansätze zur Bewältigung von gesellschaftlichen Herausforderungen bieten sollen. Diese als „Third Mission“ bezeichnete Verantwortung ist Teil der Strategie der WU Wien. Eines dieser Projekte, das im Rahmen des E&I Touchdowns vorgestellt wurde, ist die „Superconductivity Challenge – Die Suche nach neuen Anwendungsgebieten für Supraleiter“, welches von den WU Studierenden Jakob Kofler, Mathias Kindl, Jakob Spiess, Dominik Aschauer, Eva Drahoss und Christoph von Aufschnaiter durchgeführt wird.

Im Rahmen des Projektkurses „New Business Development“ in der Spezialisierung Entrepreneurship & Innovation habe ich vergangenes Semester an einem sehr innovativen Projekt mitwirken dürfen. In Zusammenarbeit mit unserem Projektpartner CERN (das weltgrößte Zentrum zur Erforschung der Materie) haben wir uns auf die Suche nach neuen Anwendungsgebieten für Supraleiter begeben, eine Technologie welche im Moment vor allem in der Medizin für bildgebende Verfahren oder für Teilchenbeschleuniger und Kernfusionsversuchsanlagen verwendet wird.

An dem Projekt hat mich vor allem die Möglichkeit interessiert, eine so hoch-komplexe Technologie genauer kennenzulernen und für diese neue und vielversprechende Anwendungsfelder, die in Zukunft auch dem Ottonormalverbraucher nützlich sein können, zu suchen. Ein weiterer Punkt der besonders hervorzuheben ist, ist die Möglichkeit intensiv mit sehr talentierten Personen innerhalb und außerhalb des Projektteams zusammen zu arbeiten. Das trägt dazu bei, dass man ständig miteinander im Austausch ist, sich gegenseitig motiviert, viel Spaß hat und neuen Herausforderungen offen gegenübersteht.

Die Herausforderung

Die größte Herausforderung in diesem Projekt war es, für eine Technologie, die bis jetzt hochspezialisiert für den Teilchenbeschleuniger in CERN eingesetzt wurde, neue Anwendungsgebiete zu identifizieren. Supraleiter gibt es zwar schon seit über 100 Jahren, jedoch haben sie noch nicht den Weg in unseren Alltag gefunden.

Um die Technologie besser zu verstehen haben wir anfangs zahlreiche Interviews mit Supraleiter-Experten geführt und die sogenannten „Use Benefits“ der Technologie herausgearbeitet. Mit diesen Benefits und ersten Hinweisen auf potenzielle Problemlösungen durch Supraleiter haben wir insgesamt über 130 Interviews mit potentiellen Nutzern der Technologie geführt und insgesamt 30 Anwendungsgebiete für Supraleiter identifiziert. Diese reichten von der gezielten Behandlung von Krebszellen bis hin zu Quantencomputern, welche die Leistung von herkömmlichen Computern um ein vielfaches steigern könnten.

Nach einer Zwischenpräsentation mit unserem Projektpartner und allen beteiligten Kooperationspartnern haben wir uns auf drei Anwendungsgebiete geeinigt, welche wir weiter verfolgt haben und für die wir anschließend eine detaillierte Marktanalyse durchgeführt haben.

Unterbrechungsfreie Stromversorgung in Datacentern (USV)

USV-Systeme sind Technologien, welche in Datacentern im Falle einer Über- oder Unterversorgung von Strom eingesetzt werden und je nach Bedarf Strom speichern oder freigeben können. Mit USV-Systemen auf supraleitender Basis, könnte der Wirkungsgrad signifikant gesteigert werden und die Betriebskosten im Vergleich zu etablierten Lösungen gesenkt werden. Alleine in Europa sprechen wir dabei von einem Marktgröße von rund 900 Mio. €.

Sortiermaschinen für Früchte

Sortiermaschinen werden von Obstproduzenten dafür verwendet die einzelnen Früchte nach ihrer Größe und Qualität zu sortieren, welche schlussendlich den Preis bestimmt. Supraleiter für Fruchtsortiermaschinen könnten zu einer Evolution in der Industrie führen, da dadurch zusätzlich zu inneren Qualitätsmerkmalen auch der Reifegrad und die Haltbarkeit der Früchte bestimmt werden kann. Ein Beispiel um die Bedeutsamkeit dieses Parameters zu veranschaulichen: 30% aller aus Mexiko nach Europa versandten Avocados müssen verworfen werden, weil ihr Reifegrad unzureichend eingeschätzt wurde und sie nicht mehr für den Verkauf geeignet sind.

Festival Sound Systeme

Ich glaube jedem sind die enormen Sound Systeme auf Festivals oder anderen großen Veranstaltungen bekannt. Supraleitende Materialien können in Lautsprechersysteme eingebaut werden um die Klangqualität zu erhöhen und die Anlagen wesentlich kompakter zu realisieren, was auch die Transport- und Herstellungskosten der Systeme senken würde. Die Hersteller sind bereits auf der Suche nach dem nächsten großen Schritt in Lautsprecher-Innovationen, um bestehende Lösungen zu ersetzen, das Interesse an supraleitenden Technologien war beträchtlich.

Unsere Teamkonstellation war für den Erfolg des Projektes entscheidend. Wir waren sehr interdisziplinär und konnten unsere Kernkompetenzen somit gegenseitig ergänzen. Da der Kurs in Phasen unterteilt war, gab es nach jedem erreichten Meilenstein ein umfangreiches Feedback von Philipp Topic, unserem Projektleiter. Wöchentliche detaillierte Updates von uns über durchgeführte Aktivitäten und Ziele informierten CERN und Philipp über den aktuellen Stand der Dinge. Als Abschluss des Kurses haben wir nun im September zusammen mit CERN und den Kooperationspartnern die wir im Projekt akquiriert haben, in einem Hackathon in Genf an den ersten Entwürfen der Problemlösungen getüftelt.

Wir haben nicht nur gelernt ein Auge für das Finden und Evaluieren von neuen Business Opportunities zu erlangen und diese Fähigkeiten auf analoge Bereiche zu übertragen, sondern auch wie man mit externen Stakeholdern professionell interagiert und effizient im Team arbeitet. Für die interne Kommunikation haben wir zum Beispiel das Tool Slack verwendet, welches uns ermöglicht hat schnell und effektiv auf neue Situationen zu reagieren, unsere gemeinsamen Momente und Erinnerungen festzuhalten und welches generell die Kommunikation innerhalb des Projektes enorm vereinfacht hat.

Jedem der sich für ähnliche innovative Projekte interessiert empfehle ich unbedingt  bei den E&I Touchdown-Veranstaltungen, welche am Ende jedes Semesters stattfinden, teilzunehmen. Dort werden alle Projekte des Semesters von den Studierenden kurz vorgestellt und man bekommt einen guten Überblick über die Vielfalt der Inhalte. Die praktische Erfahrung ist für mich eine sehr wertvolle Ergänzung zum Studium, in der ich viele für den Beruf hoch-relevante Fähigkeiten und Erfahrungen dazu gewonnen habe.


Save the date!

Der nächste E&I Touchdown – das Event für Praktiker, Studierende und alle anderen Innovationsinteressierten – findet am

Mittwoch, 24. Jänner 2018

ab 17:00 statt.

Weitere Infos hier sowie in Kürze im Event-Kalender.

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