Wie viel verdienst du eigentlich?
Diese Frage stellte sich beim vergangenen „WU matters. WU talks.“ Event, in dem Expert*innen diskutierten, ob Gehaltstransparenz der Schlüssel zu mehr Lohngerechtigkeit ist oder ob sie neue Konflikte schafft. Susanne Auer-Mayer, Professorin für Arbeits- und Sozialrecht an der WU Wien, Sieglinde Gahleitner, Rechtsanwältin und Honorarprofessorin, Rolf Gleißner von der WKO und Romana Wochner von der AK Wien diskutierten. Achtung: Auch das Publikum konnte bei diesem Thema nicht still sein.
Verboten ist es seit Jahrzehnten und trotzdem passiert es. Frauen verdienen in Österreich im Schnitt 17,6 Prozent weniger als Männer. Und doch kommen nur Fragen über Fragen: Was steckt hinter diesem Gap? Ist er vielleicht sogar behebbar?
Was bringt die Entgelttransparenzrichtlinie?
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie muss eigentlich bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt sein werden – was Österreich, wie fast alle EU-Mitgliedsstaaten, noch nicht geschafft hat. Die Richtlinie bringt Transparenzpflichten (Verschwiegenheitsverbote, Auskunft über Durchschnittsgehalt der Vergleichsgruppe etc.) und stärkere Rechtsdurchsetzung.
„Ich fürchte, dass die Hoffnungen in die Richtlinie einfach zu groß sind…“
Susanne Auer-Mayer, Professorin für Arbeits- und Sozialrecht, WU Wien
Doch wer gehört überhaupt in dieselbe Vergleichsgruppe? Sind alle Professorinnen und Professoren einer Universität vergleichbar? Das entscheidet im Endeffekt darüber, ob ein Gehaltsunterschied diskriminierend ist oder nicht.
83% wollen Transparenz. 51% wollen nicht, dass Kolleg*innen ihr Gehalt kennen.
Instagram-Follower des offiziellen WU-Accounts wurden live befragt: 83% finden, dass Gehaltstransparenz zur Lohngleichheit beitragen kann. Aber auf die Frage „Möchtest du, dass deine Kolleg*innen dein Gehalt kennen?“ antworteten 51% mit Nein. Das spiegelt nochmal das ganze Dilemma dieses doch komplizierten Themas wider.
„Es ist ein Tanz um den heißen Brei.“
Sieglinde Gahleitner, Rechtsanwältin und Honorarprofessorin, WU Wien
Sieglinde Gahleitner, die als Rechtsanwältin selbst Gleichbehandlungsverfahren führt, sagte die Richtlinie sei ein „Tanz um den heißen Brei“. Statt echter Offenlegung gibt es Berichte mit Durchschnittswerten nach Gruppen; und die sind im Einzelfall kaum verwertbar. Aus ihrer Erfahrung in der Prozessführung: Wenn es ernst wird, muss der Arbeitgeber ohnehin offenlegen, was die Vergleichspersonen verdienen. Die sogenannten „weißen Elefanten“, also Mitarbeiter, die irgendwann in wenig relevante Positionen verschoben wurden, ihr hohes Gehalt aber behielten – das werde es in Zukunft nicht mehr geben, weil es in Vergleichsgruppen sofort auffällt und gerechtfertigt werden muss.
Das Publikum mischt mit
Rolf Gleißner von der WKO machte kein Geheimnis daraus, dass die Wirtschaft mit der Richtlinie nicht glücklich ist. „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ – das stellt Rolf Gleißner nicht in Frage. Die Umsetzung aber sei enorm aufwendig.
„Das kann man nicht einfach so stehen lassen!“
Auf Gleißners Aussagen folgte scharfe Kritik aus dem Publikum: „Es geht nicht nur um den bereinigten Gender Pay Gap, sondern auch um den unbereinigten. Und der ist einer der höchsten im EU-Vergleich.“ Warum dominieren Frauen schlecht bezahlte Branchen? Warum sind Spitzenpositionen immer noch von Männern besetzt? Das könne man nicht wegdiskutieren.
Auch eine Zuhörerin, die sich seit über drei Jahren hauptberuflich mit der Richtlinie befasst ist, meldete sich zu Wort: Unzählige Unternehmen arbeiten proaktiv daran, die Richtlinie richtig umzusetzen, stecken Ressourcen hinein und werden doch im Dunkeln gelassen. „Diese Verzögerungstaktik im Namen der Wirtschaft schadet genau diesen Unternehmen.“
Neugierig? Die ganze Diskussion zum Nachschauen:
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Im nächsten WU matters. WU talks.: KI kontrovers!
KI schreibt Texte, beantwortet Fragen und übernimmt Denkaufgaben. Wofür brauchen wir dann eigentlich noch Bildung? Darüber diskutieren Expert*innen bei der nächsten Ausgabe von „WU matters. WU talks.“.
- 20. Mai
- 18:30 Uhr
- LC Festsaal 1 & Livestream
Diskussion:
Christoph Wiederkehr, Bundesminister für Bildung
Anita Eichinger, Direktorin der Wienbibliothek
Marie-Christine Kainz, Studierende und stv. Vorsitzende der ÖH WU
Alexander Mädche, Professor für Wirtschaftsinformatik, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Moderation:
Thomas Grisold, WU Wien, Professor


