Fachkräftemangel und doch keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

„Arbeit neu denken“ war der Titel des „WU matters. WU talks.“ Events am 6. Mai 2026, in dem Expertinnen zusammenkamen, um über die Arbeitswelt von morgen zu diskutieren. Ursula Axmann, Geschäftsführung WU ZBP Career Center, Isabella Grabner, Professorin am WU Institut für Unternehmensführung, Dr. Christine Juen, Leiterin der Kommunikation AMS Österreich und Rita Niedermayr, Partnerin für People Consulting bei EY Österreich, diskutierten darüber, welche Skills in der Arbeitswelt zählen, wie KI da reinspielt und was ein Studium dazu beitragen kann und was eben nicht. 

„Fachkräftemangel“ hört man von allen Seiten.. und gleichzeitig sehen wir einen angespannten Jobmarkt. Wer gerade studiert bzw. einen Job sucht, kennt das sicher gut. Überall heißt es, Unternehmen würden Talente suchen und gleichzeitig berichten Studierende von längeren Bewerbungsprozessen, gestrichenen Stellen und ständiger Unsicherheit. Genau dieses Spannungsfeld stand im Mittelpunkt des vergangenen WU matters. WU talks. 

Masterabschluss ist Eintrittsticket, keine Versicherung 

„Der Master ist definitiv eine gute Idee […] aber keine Versicherung, um lebenslang eine erfolgreiche Karriere zu haben.“ (Ursula Axmann, WU ZBP Career Center)

Alle Expertinnen waren sich in einem einig: Ein Masterabschluss öffnet Türen, durchgehen muss man jedoch selbst Die Zahlen zeigen: Die Arbeitslosenquote unter Akademiker*innen liegt laut AMS stabil bei rund 3% – ein riesiger Unterschied im Vergleich zu 22bei Pflichtschulabschluss. Dennoch muss man sich heute als Absolvent*in von der Masse abheben. Denn wo früher ein Hochschulabschluss ein Alleinstellungsmerkmal war, ist er heute eher Grundvoraussetzung. Die Zahlen zeigen ganz klarIn den 90ern gab es in Österreich rund 13.500 Studienabschlüsse pro Jahr; 2022/23 waren es fast 60.000.  

Wer übernimmt die Einstiegsjobs: Mensch oder KI? 

Wenn KI zunehmend Routine-, Analyse- und Rechercheaufgaben übernimmt, was bleibt dann noch für Berufseinsteiger*innen übrig? Eine Firmenbefragung des WU Career Centers zeigt: 25% der Unternehmen gaben an, KI habe bereits Einfluss auf ihr Recruiting-Verhalten – doch die große Mehrheit nennt die schlechte Wirtschaftslage als Hauptgrund. „Das ist nicht nur ein österreichisches Phänomen“, so Axmann, „das zieht sich durch ganz Europa bis in die USA.“ Gleichzeitig beobachtet Rita Niedermayrs ganz klar: Die (Einsteiger*innen-) Jobs werden anspruchsvoller. Man müsse viel rascher produktiv werden, früher Qualität liefern und schnell eine steile Lernkurve durchlaufen.  

„Wir wollen keine Copy-Paste-Antworten, wir wollen natürliche, selbstbewusste junge Leute“ (Christine Juen)

Was wenn fünf Bewerber*innen die gleiche Antwort geben? 

Bei einer Bewerbungsrunde in Christine Juen’s Abteilung hatten fünf von acht Bewerber*innen auf eine Frage wortgleich geantwortet (offensichtlich KI-generiert). Was das Podium feststellteNur wer fähig ist, authentisch und selbstbewusst aufzutreten und zeigen kann, dass er oder sie darüber nachgedacht hatder hebt sich ab„Wir wollen keine Copy-Paste-Antworten, wir wollen natürliche, selbstbewusste junge Leute“, so Juen. 

Welche Tipps kannst du mitnehmen? 

  1. Lebenslanges Lernen
    Wie der Name bereits sagt, hört das (lebenslange) Lernen nicht nach dem Studium auf. Wer bis 65 oder 70 arbeitet, braucht zwischendurch immer wieder Erneuerungsphasen, in denen man sich neu erfindet. Dabei geht es nicht um Compliance-Trainings, die man abhakt. Die WU Executive Academy begleitet genau diesen Weg auch nach dem Studium.
  2.  Ownership übernehmen
    Wie positioniere ich mich am Arbeitsmarkt? Wie erfinde ich mich neu? Das ZBP Career Center der WU bietet kostenlose Beratung Counselling-Termine an, um den eigenen USP herauszuarbeiten und so den Berufseinstieg zu gestalten. Das WU Center of Excellence und die WU Impact Community zeigen: Studierende, die im ersten Jahr Ownership übernehmen, sind drei Jahre später diejenigen, die Paneldiskussionen, wie diese leiten.
  3. Leben genießen
    Die Möglichkeiten sind auch ohne großes Budget da – da hilft das International OfficeEngage.EU zum Beispiel ermöglicht 14 Tage mit Studierenden aus neun Ländern (mit Stipendium). Und wer sich das Auslandssemester nicht leisten kann: Es gibt EURES, EU-Praktika und noch viele weitere Optionen.
  4. Auf’s Bauchgefühl hören
    Von WU Professorin Isabella Grabner gab’s einen persönlichen Tipp: weniger planen und mehr auf das Bauchgefühl hören. Studierende sollten aufhören Dinge zu machen, weil sie gut im CV aussehen, sondern eher, weil sie zu einem passen.  

Neugierig? Die ganze Diskussion zum Nachschauen:

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In den regelmäßig stattfindenden „WU matters. WU talks.“-Podiumsgesprächen, Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen bringen Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus der unternehmerischen und institutionellen Praxis ihre Expertise ein und diskutieren gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Themen. Melde dich hier für den Newsletter an, um keine aktuellen Themen mehr zu verpassen! 


Im nächsten WU matters. WU talks.Und wie viel verdienst du? 

Gender-Pay-Gap ist immer noch ein Thema – obwohl Entgeltdiskriminierung seit Jahrzehnten verboten ist. So stellt sich die Frage: Ist das Thema Gehalt Tabuthema oder sollte jede Person im Team wissen, was andere verdienen? Und wie kann diese Transparenz dann helfen, in Richtung Fairness zu gehen? 

  • 13. Mai
  • 18 Uhr
  • LC Festsaal 1 & Livestream 

Diskussion: 

Susanne Auer-Mayer, Univ.-Prof., Vorständin des Instituts für Österreichisches und Europäisches Arbeitsrecht und Sozialrecht, WU Wien
Sieglinde Gahleitner, Hon.-Prof., Mitglied des VfGH, Rechtsanwältin, VfGH/Kanzlei Gahleitner
Rolf Gleißner, Leiter Abteilung Sozial- und Gesundheitspolitik, WKO
Martin Gruber-Risak, Sektionsleiter, ao. Univ.-Prof., BMASGPK
Silvia Hruška-Frank, Direktorin, AK Wien 

Moderation: 

Christoph Kietaibl, Univ.-Prof., stv. Vorstand des Instituts für Österreichisches und Europäisches Arbeitsrecht und Sozialrecht, WU Wien  

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