Profifußballerin und Uni-Abschluss: KADA macht’s möglich

Nadine Seidl ist seit 2023 Studentin an der WU und spielt außerdem als Verteidigerin beim Fußballverein First Vienna FC. Wie bringt man Spitzensport und WU Studium unter einen Hut? Das KADA Studienförderprogramm macht’s möglich. Denn die Ansprüche der jungen Spitzensportlerin sind groß – sowohl was den Erfolg am Fußballplatz, als auch im Studium betrifft. Anlässlich der aktuell stattfinden Herren-Fußball-WM haben wir Nadine Seidl zum Interview gebeten und dabei auch ihre Tipps für die österreichische Herrenmannschaft bei der aktuellen Fußball-WM abgefragt. 

WU Blog: Wie gelingt es dir, die hohen Anforderungen des WU-Studiums mit dem Alltag als Profifußballerin zu vereinbaren – und welche Strategien haben sich für dich besonders bewährt?

Nadine Seidl: Ich würde sagen man braucht eine gute Organisation und sollte dennoch immer flexibel sein, weil es oftmals zu unerwarteten Terminen von beiden Seiten kommen kann. Genauer gesagt sind meine Tage schon sehr strukturiert durchgeplant, weil 6 Trainingseinheiten + 1 Spiel & meistens noch 2-3 Uni Kurse pro Monat oder Semester unter einem Hut zu bekommen, find ich persönlich ohne fixen Plan sehr schwierig. Daher besuche ich die Lehrveranstaltungen meistens an den 3 Tagen, wo ich keine Gym Einheit am Vormittag habe, was eben manchmal besser und manchmal schlechter funktioniert, weil die Trainingstage + Trainingszeiten sich auch oftmals ändern bzw. man auch nicht immer 100% in den Kurs reinkommt, den man gerne hätte.

Dazu kommt aber eben die KADA, die dann versucht, dass ich eben an meinen trainingsfreien Vormittagen einen Kurs besuchen kann.

Eine Strategie, mit der ich in letzter Zeit sehr gut gefahren bin, war, dass ich versucht habe, immer abwechselnd Sport und Uni auszuführen – beispielsweise die 2 Tage mit verpflichtender Gym Einheit, starte ich mit Sport, danach wird die Zeit für lernen, vorbereiten oder nachbereiten der Uni Kurse genutzt. Dazwischen wird meistens noch gekocht und darnach geht es entweder in die Uni, wo ich anschließend dann zum Fußballtraining fahre oder eben gleich zum Training. Das hat sich für mich deswegen gut bewahrheitet, weil der Kopf jeweils von dem anderen abschalten kann und ich somit für beide Faktoren effizient die Energie nutzen kann und eben ganz wichtig, damit ich am Abend für das eigentlich relevante Training noch fit bin.

An den anderen Tagen starte ich meistens eben mit der Uni am Vormittag und habe an sich mehr „Freizeit“, die aber eigentlich sehr oft für die vielen Gruppenarbeiten genutzt wird oder auch mal kurz um den Kopf freizubekommen – sprich Me-Time ist für mich dann schon auch wichtig explizit einzuplanen. Meine Tage enden dann oft mit dem Training am Abend von Montag bis Freitag, wobei meistens ein Tag pro Woche frei ist. Einen ganzen freien Tag habe ich wenn dann nur am Sonntag, wenn kein Spiel ist, denn wenn der Spieltag der Sonntag ist, haben wir am Samstag auch nochmal Training.

Eine weitere Strategie, um den hohen Ansprüchen des Studiums gerecht zu werden ist, dass man sich immer gut vorbereitet aber auch nachbereitet vor/nach einem Kurs, um für die Prüfung bestmöglich vorbereitet zu sein.

Also ich versuche auch immer die Sachen, die im Kurs besprochen wurden, mir danach nochmal in Erinnerung zu holen und zu festigen, um für die Prüfung nicht nochmal alles neu lernen zu müssen. Hierbei kommt eben auch das Fußball spielen ins Spiel, weil ich dadurch den Kopf quasi vom Studium kurz ausschalten kann. Demnach kann ich sagen, dass man eben auch einige Sachen des Studiums für den Fußball nutzen kann aber auch umgekehrt. Beispielweise Leadership ist sowohl im Fußball als auch im Studium und später in der Berufswelt sehr relevant aber auch durch die vielen verschieden Spielerinnen bereitet es mich unter anderem auch gut auf Gruppenarbeiten vor, bei denen man meistens niemanden vorher kennt und auf individuelle Bedürfnisse achten muss.

WU Blog: Welche Bedeutung hat das KADA-Programm für deine sportliche und akademische Laufbahn, und in welchen Momenten hat es dir besonders geholfen?

Nadine Seidl: Ich glaube das KADA-Programm ist für alle Sportlerinnen und Sportler für die akademische Laufbahn ein sehr essenzieller Faktor und für mich besonders. Beispiele hierfür sind wie oben bereits erwähnt, dass die KADA gemeinsam mit mir und der Uni und vor allem mit Fr. Prof. Kaiser versucht und plant, dass ich meine Uni Kurse oft an trainingsfreien Tage auswählen kann, was mir schon sehr viel Erleichterung einbringt. Außerdem kann ich mich immer und jederzeit melden, wenn sich eben dann doch mal etwas überschneiden sollte, was bis jetzt aber nicht der Fall war. Darum schätze ich das KADA-Programm wirklich sehr, weil mir nicht nur jetzt gerade im Studium viel Hilfe angeboten wird, sondern auch danach bzw. nach meiner Karriere als Profifußballerin bestmögliche Unterstützung angeboten wird.

WU Blog: Die österreichischen Männer stehen nach 28 Jahren erstmals wieder bei einer WM – ein Meilenstein für den heimischen Fußball. Welche Erwartungen hast du an das Team, und wer hat Chancen auf den Titel?

Nadine Seidl: Ich glaube für alle Österreicherinnen und Österreicher ist ein Großereignis immer richtig toll und vor allem das Herren Nationalteam hat in den letzten Jahren mit vielen guten Spielen auch eine richtig gute Stimmung ins Land gebracht und das gilt es jetzt auch auf die WM umzumünzen.

Daher traue ich dem österreichischen Nationalteam viel zu und sage, dass sie bis ins Viertelfinale kommen und dadurch die Euphorie auch mit nach Österreich mitnehmen können.

Dadurch wird wieder die Entwicklung des Nachwuchses vorangetrieben und auch die jungen Talente haben wieder mehr Bezug zu den Nationalspielern. Für den Weltmeistertitel sehe ich einige Teams vorne, denke aber das Frankreich das Rennen machen wird, weil die einen sehr guten Kader mit einigen großartigen Einzelspielern haben und gleichzeitig aber auch als Team gut agieren.

WU Blog: Die österreichischen Frauen haben in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im heimischen Frauenfußball steckt. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr – und welchen Einfluss hat die kommende Frauen‑WM auf deine eigene Motivation und Perspektive als Profispielerin?

Nadine Seidl: Ich glaube eben seit der EM 2017 als Österreich bis ins Halbfinale gekommen ist, geht die Entwicklung stetig voran und auch bei der EM 2022 ist das Frauennationalteam bis ins Viertelfinale gekommen und man hat beide Male die Euphorie mitnehmen können. Demnach hat man auch in der Frauen Bundesliga in den letzten Jahren gemerkt, dass sich einiges tut und sich das Niveau der einzelnen Vereine immer wieder verbessert hat und wird. Demzufolge wird die Meisterschaft immer interessanter und so spannend wie diese Saison war es schon lange nicht mehr.

Dennoch muss ich sagen, dass der Frauenfußball in Österreich derzeit bisschen hinten nach ist im Gegensatz zu anderen Ländern, weil nicht nur die Großen ziehen etwas davon, sondern auch die Kleineren entwickeln sich ständig weiter.

Demnach war es suboptimal, dass Österreich die EM 2025 im Nachbarland der Schweiz verpasst hat, weil das schon nochmal einen großen Hype auslösen hätte können. Genau deshalb wäre eine erstmalige Qualifikation als Frauennationalteam im Erwachsenenbereich für eine WM nicht nur für die Spielerinnen eine großartige Erfahrung, sondern auch generell für den Frauenfußball in Österreich ein richtig tolles Erlebnis, was wiederrum eine weitere Entwicklung vorantreiben und man somit noch mehr junge Mädchen für den Fußball begeistern könnte. Natürlich ist das von jeder Fußballerin ein Traum eine WM und dann noch in Brasilien, dem Mutterland des Fußballs, spielen zu können, so auch für mich. Jedoch spielen im Frauennationalteam die besten Spielerinnen, die das Land zurzeit verfügt und in der Spitze wird alles enger, womit man sich nur mit guten Leistungen empfehlen kann und das ist auch das, was ich machen kann. Ich würde mich jedenfalls riesig freuen, wenn sich Österreich für die Frauen Weltmeisterschaft qualifiziert, würde gegebenenfalls auch meine ehemaligen Mitspielerinnen anfeuern und alles andere wird sich zeigen.

Steckbrief Nadine Seidl Aktueller Verein: First Vienna FC Position: Verteidigung Größter sportlicher Erfolg: Vizemeister 2023/2024 (First Vienna FC), 5. Platz U19 Europameisterschaft (EM) & Achtelfinale U20 Weltmeisterschaft (WM)