Wie sicher sind unsere Pensionen?
Expert*innen diskutierten im Rahmen der Diskussionsreihe „WU matters. WU talks“ über die Sicherheit unserer Pensionen.
Im Rahmen von „WU matters. WU talks.“ thematisierten Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates, Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Markus Knell, Ökonom an der Österreichischen Nationalbank, Christine Mayrhuber, Mitglied der Alterssicherungskommission und Andrea Weber, Arbeitsmarktökonomin und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Central European University, wie tragfähig das österreichische Pensionssystem in Zukunft noch ist.
„Die Demographie ist nicht auf unserer Seite.“
Mit dieser Feststellung eröffnete die Moderatorin Marina Delcheva die Diskussion. Die Debatte um Pensionen konzentriert sich häufig auf finanzielle Tragfähigkeit, Altersgrenzen und Pensionshöhe. Berufskarrieren verlaufen heute vielfältiger, sind häufiger unterbrochen und oft kürzer – und werden zudem stark vom Geschlecht geprägt.
„Die Beitragseinnahmen reichen nicht aus“
Christine Mayrhuber verwies darauf, dass die Beitragseinnahmen in Österreich nicht ausreichen, um die Pensionsaufwendungen zu decken. Gleichzeitig gehört Österreich zu den Ländern mit hohen Pensionsversprechen – diese Versprechen sind jedoch non-funded, werden also über Steuern und zukünftige Budgets finanziert.
Zudem stellt die sinkende Erwerbsbeteiligung bei unter 25-Jährigen eine zusätzliche Herausforderung dar. Für jüngere Generationen könnte daher ein höheres Pensionsantrittsalter relevant werden.
„Man sollte das Pensionsantrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln“
Das Pensionsantrittsalter müsse an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden, betonte Markus Knell. Einerseits eine bekannte Forderung und versicherungsmathematisch auch fair, jedoch stellt sich die Frage wie das implementiert werden kann. Denn Unterschiede bei Einkommen und Lebenserwartung bleiben bestehen. Zudem werden nie alle Ungerechtigkeiten beseitigt werden können.
In diesem Zusammenhang wird auch relevant, ob unterschiedliche Berufsgruppen unterschiedlich behandelt werden sollten. Sollte ein Bauarbeiter so zum Beispiel früher in Pension gehen als ein Universitätsprofessor?
Pension Gap höher als Gender Pay Gap
Frauen in Österreich bekommen im Schnitt 35% weniger Pension als Männer. Gründe dafür sind unter anderem hohe Teilzeitquoten (ca. 50%) und Unterbrechungen im Erwerbsverlauf. Vor allem alleinstehende Pensionistinnen sind hier am stärksten von Armut betroffen. „Diese Problem lässt sich nicht nur mit einem höheren Pensionsantrittsalter lösen“, so Andrea Weber. Zudem wird oft vergessen, dass unbezahlte Arbeit, wie z.B. im Haushalt oder in der Kinderbetreuung, nicht im Pensionssystem berücksichtig wird.

„Studierende sollten den Politikern einen kräftigen Tritt […] geben“
„Es müssen Reformen her“, betonte Christoph Badelt. Andernfalls drohen wachsende soziale Probleme, und das nicht nur im Pensionswesen, sondern auch im Gesundheitswesen, in der Pflege etc. immer wachsende soziale Probleme auf uns zukommen. „Es geht um Ausbildung“, so Christine Mayrhuber. Zusammen mit der Entscheidung für einen Bereich, welcher ein hohes Einkommen bietet, bildet das die Grundlage für eine stabile Vorsorge.
Eine klare Empfehlung: Die jungen Leute müssen sich zunehmend Gedanken um die Pensionsvorsorge machen, so Andrea Weber. Das fängt schon bei der Wahl der Erwerbstätigkeit an, denn eine gute Karriere korreliert automatisch mit einer guten Pension. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle dieselben Voraussetzungen dafür haben. So stehen auch hier Frauen in einem starken Nachteil.
Die ganze Diskussion zum Nachschauen:
Du willst auch bei aktuellen Themen mitreden?
In den regelmäßig stattfindenden „WU matters. WU talks.“-Podiumsgesprächen, Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen bringen Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus der unternehmerischen und institutionellen Praxis ihre Expertise ein und diskutieren gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Themen. Melde dich hier für den Newsletter an, um keine aktuellen Themen mehr zu verpassen!
Im nächsten WU matters. WU talks.: Karriere-Ende – und was dann?
Was passiert, wenn ein wichtiger Teil des Lebens plötzlich wegfällt?
Im nächsten WU matters. WU talks. sprechen ehemalige Spitzensportler*innen und Familienunternehmer*innen über ihre Erfahrungen vom Loslassen und vom Neuanfangen.
- 15. April
- 18 Uhr
- LC Festsaal 1