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„Es macht keinen Sinn, die CO2 Produktion und nicht den Konsum zu reduzieren“

Den Maßnahmen zur aktuellen Klimapolitik (Direktförderung Erneuerbarer Energien wie Wind- und Sonnenenergie) steht Klaus Gugler, Leiter des WU-Instituts für Regulierungsökonomie, kritisch gegenüber. Denn trotz Milliardenausgaben zeigt sich bis dato keine Besserung der Werte – ganz im Gegenteil. Wir haben den Researcher of the month 12/17 zu seinen Ideen für eine wirkungsvolle Klimapolitik befragt.

Name: Klaus Gugler

Jahrgang: 1971

Geburtsort (aufgewachsen in): Steyr (Seitenstetten)

Als Kind wollte ich werden: Bauer

Darum bin ich Wissenschaftler geworden: Interesse an ökonomischen Zusammenhängen

Das fasziniert mich an meinem Fachbereich:  Generelle Anwendbarkeit auf alle relevanten Themen

Mein persönliches berufliches Wunschziel: Gut publizieren


WU Blog: Sie haben in Ihrer Forschung festgestellt, dass die staatliche Förderung von Erneuerbaren Energie durch Wettbewerbseffekte, erst recht nicht dazu führt, dass unser globaler CO2-Ausstoß sinkt. Welche politischen Maßnahmen wären Ihrer Meinung nach nötig, um den CO2 Ausstoß zu regulieren?

Klaus Gugler: Generell müsste CO2 (bzw. alle anderen Treibhausgase bzw. Umweltgifte) etwas bzw. mehr als bisher „kosten“, damit die richtigen Anreize gesetzt werden. Dies sollte mit einem Bündel an Maßnahmen geschehen. In manchen Fällen (z.B. Industrien, bei denen eine Produktionssteuer nicht zu einer großen Abwanderung führt, z.B. Energieproduzenten) kann dies über das Emissionshandelssystem geschehen. Natürlich müsste dieses reformiert werden, sodass das Überangebot an Zertifikaten eliminiert wird. In anderen Fällen ist eine CO2 Steuer auf fossile Brennstoffe sinnvoller (z.B. bei der Heizung oder im privaten Individualverkehr).

„Die Höhe der CO2 Besteuerung sollte vom CO2 Gehalt des Produkts abhängen und über die Zeit zunehmen“

Die Höhe der Bepreisung/Besteuerung sollte vom CO2 Gehalt des Produkts abhängen und über die Zeit graduell zunehmen. Dies sollte in einem konsistenten regulatorischem Rahmen erfolgen, d.h. die Wirtschaftssubjekte (Firmen und Haushalte) sollten langfristige Erwartungen bilden können, und der CO2 Preis bzw. die CO2 Steuer sollte zu einer ungefähr gleich hohen Belastung einer Tonne CO2 führen egal, wo sie bzw. bei wem sie anfällt (z.B. im Verkehr oder der Stromerzeugung). Die gegenwärtige Subventionierung bestimmter Technologien erreicht diese Ziele nicht. Mit den Steuereinnahmen würde ich die Forschung in neue Klima-Technologien finanzieren bzw. zur Senkung anderer Steuern bzw. Abgaben verwenden (z.B. Lohnnebenkosten).

WU Blog: Sie sprechen von einer Besteuerung auf CO2 Konsum, wie würde das in der Praxis aussehen – welche Produktgruppen würden dadurch eher teurer werden?

Gugler: Ideal wäre eine Besteuerung des Konsums von CO2, d.h. des CO2 Gehalts in den Produkten, die wir konsumieren (z.B. Autos, Handys, Flugreisen, etc.). Dies würde das „leakage“ Problem bei Produktionssteuern (d.h. das Problem der Abwanderung der CO2 Produktion in andere Länder, die geringere Steuern/Preise auf CO2 haben, verhindern). Es macht keinen Sinn, dass wir die heimische „Produktion“ von CO2 reduzieren, wenn wir den heimischen „Konsum“ von CO2 nicht reduzieren, denn der Klimawandel hängt vom weltweiten CO2 Bestand ab! Bei eher national produzierten und konsumierten Gütern (z.B. privater Verkehr, Heizung) ist dies ohne größere Probleme möglich. Bei international produzierten und gehandelten Produkten ist eine konkrete Ausgestaltung naturgemäß schwierig, denn man müsste produktweise den CO2 Gehalt über internationale Supply Chains eruieren. Nichtsdestotrotz gibt es Ansätze in diese Richtung (z.B. OECD).

„Das Wichtigste ist, Bewusstsein zu schaffen!“

WU Blog: Wie lange braucht man, um so ein komplexes Themenfeld zu untersuchen? Welche Indikatoren zieht man dabei heran?

Gugler: Natürlich ist eine eher lange Einarbeitungszeit in die Materie nötig, denn die Probleme sind naturgemäß komplex. Indikatoren sind Strompreise, CO2 Preise, Einspeisung der Erneuerbaren, Produktion durch Gas/Kohle etc., aber immer auch das wirtschaftswissenschaftliche, theoretische Konzept.

WU Blog: Was kann der einzelne dazu beitragen, um weniger CO2 zu produzieren?

Gugler: Man könnte beim Konsum darauf achten und z.B. nicht jeden Weg mit dem Auto fahren, sondern öffentlich oder mit dem Rad. Die Wahl der Heizung ist ebenfalls wichtig. Natürlich leben wir in einer Konsumwelt und es ist sehr schwierig, quasi „schadstofffrei“ durchs Leben zu kommen. Vor allem, wenn man nicht genau weiß und auch nicht informiert wird, welche Produkte schadstoffarm und welche nicht schadstoffarm sind/produziert werden. Das Wichtigste ist wahrscheinlich, Bewusstsein zu schaffen auch und vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern, die Anreizsysteme so zu ändern, dass der Klimawandel aufgehalten, aber auch generell Schadstoffe reduziert werden. Das Paradoxe ist ja, dass – wenn erst einmal richtige Anreize geschaffen worden sind, die Kosten gar nicht so hoch wären, weil sich sämtliche Produktionsprozesse umstellen würden und neue Technologien/Innovationen auf den Markt kämen. Die Verhaltensänderungen seitens der Konsumenten wären dann gar nicht so radikal, wie man meinen könnte.

WU Blog: Was tun Sie persönlich für den Klimaschutz?

Gugler: Ich bin auch kein Heiliger, aber ich fahre in der Stadt entweder mit dem Rad oder öffentlich. Am Land braucht man natürlich das Auto. Generell bin ich eher kein Konsummensch, aber wie gesagt, auch kein Heiliger…

#ROM #Researcherofthemonth #Forschung #CO2Konsum

1 Diskussion über “„Es macht keinen Sinn, die CO2 Produktion und nicht den Konsum zu reduzieren“”
  • Würden auch Lebensmittel mit einer CO2-Steuer belegt werden?
    Die OECD hat in einer Studie belegen können das der Hauptverursacher für den Klimawandel die Massentierhaltung ist.
    CO2-Steuer ist gut aber was ist mit Methan.

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