Was Gleichberechtigung mit Männergesundheit zu tun hat

Männer leben durchschnittlich signifikant kürzer als Frauen. Ursachen für diesen Unterschied sind vor allem risikoreiche und ungesunde Verhaltensweisen. In Ländern mit höherer Geschlechtergleichberechtigung ist diese Diskrepanz bedeutend geringer. Doch wie hängt die Gesundheit von Männern und Geschlechtergleichberechtigung zusammen und wie sehen das die Männer an der WU?

Heute, am 19. November, ist der internationale Männertag, an dem es um die Bewusstseinsbildung rund um die Gesundheit von Buben und Männern geht sowie die Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter. Passend dazu hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im September 2018 einen Bericht zum Thema Männergesundheit veröffentlicht.

Der Bericht zeigt, dass die Lebenserwartung von Männern über die letzten 20 Jahre zwar in allen der untersuchten Staaten angestiegen ist, insgesamt jedoch weiterhin hinter der Lebenserwartung von Frauen liegt. Doch woran liegt das?

Männer gehen seltener zum Arzt

Männer sterben hauptsächlich aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, und Unfällen früher. Das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten und Unfälle wird vor allem durch Verhaltensweisen und Gewohnheiten erhöht. Diese wiederum sind stark durch Genderrollen und -normen geprägt (Gender wird hier als sozial konstruiert verstanden, also als gewisse kulturell und historisch entstandene Eigenschaften, die sich im täglichen Leben widerspiegeln und reproduziert werden). Trotz großer Unterschiede zwischen Männern (z.B. durch Bildung, Migrationsstatus oder sexueller Orientierung), führt Männlichkeit zu gewissen Verhaltensweisen.

„Gesundheit ist auch an der WU stärker ein Frauenthema.“

Männer gehen durchschnittlich seltener und später zum Arzt. Sich einzugestehen, dass es einem schlecht geht und Hilfe zu suchen, wird mit Schwäche verbunden. Schwäche wiederum passt nicht zu stereotyp männlichen Eigenschaften. Ein ähnliches Muster findet sich bei psychischen Krankheiten.

Dass Männer seltener zum Arzt gehen, kann auch Dr. Alois Rathmayr, Betriebsarzt und Arbeitsmediziner der WU, bestätigen, obgleich er einräumt: „Im Vergleich zum österreichischen Durchschnitt sind die Männer an der WU gesundheitsbewusster und gehen öfter zu Vorsorgeuntersuchungen. Trotzdem ist Gesundheit auch an der WU stärker ein Frauenthema: drei Viertel der Personen aus dem allgemeinen Personal die zur Vorsorge kommen sind weiblich. Bei wissenschaftlichen Personal sind immerhin schon ein Drittel Männer. Auch an der WU gilt: jüngere Menschen, vor allem auch Männer, sind bereits gesundheitsbewusster geworden als die Generationen davor.“

Und wie ist das bei den jüngeren Generationen?

WU Student Lukas Heinzelmann nimmt das Thema Männer und Gesundheit in seinem Umfeld widersprüchlich wahr: „Zum einen trinken und rauchen auch in meinem Umfeld Männer mehr als Frauen das tun. Zum anderen beobachte ich aber einen Fitnesstrend unter Männern, in dem gesunde Ernährung und generell ein gesunder Lifestyle zentral ist und nicht als unmännlich gilt.“

„Ich beobachte einen Fitnesstrend unter Männern, in dem gesunde Ernährung und generell ein gesunder Lifestyle zentral ist.“

Männer, die Kinder großziehen, leben länger

Die WHO stellt außerdem fest, dass die traditionelle Rollenverteilung (der Mann als Hauptverdiener) mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und chronische Rückenschmerzen einhergeht. Dieses erhöhte Risiko findet sich in Staaten, in denen ein Dual Career Modell verbreitet ist, nicht mehr. Väter, die gleichberechtigt in das Großziehen ihrer Kinder involviert sind, leben durchschnittlich länger, haben weniger physische und psychische Gesundheitsprobleme und sind produktiver bei der Arbeit. An der WU waren im Jahr 2017 übrigens 20 Väter in Karenz, Tendenz leicht steigend.

Der WHO Bericht und die Statements zeigen also: Gendergleichberechtigung hat nicht nur für Frauen positive Konsequenzen, sondern genauso für Männer, zum Beispiel ein möglicherweise längeres, gesünderes Leben.

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