Wie Sprache unser Verständnis von Schulden und Krediten prägt

Warum greifen Menschen in finanziell belastenden Situationen zu Krediten? Und wie beeinflusst Sprache diese Entscheidungen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der „WU matters. WU talks.“Diskussion am 21. Januar 2026 mit Ursula Lutzky (WU), Bettina Fuhrmann (WU), Stefan Angel (WIFO) und Julia Jakob (OeNB), moderiert von Mathew Gillings (WU).

Wenn Schulden harmlos klingen: Die Sprache der sogenannten „Payday Loans“

Payday Loans – kurzfristige Kredite mit sehr hohen Zinsen – mögen wie ein Randphänomen wirken, offenbaren jedoch viel darüber, wie Menschen finanzielle Entscheidungen treffen. Professorin Ursula Lutzky erläuterte, wie die anhaltende Lebenskostenkrise im Vereinigten Königreich die Finanzentscheidungen vieler Haushalte grundlegend beeinflusst hat, insbesondere angesichts der stark gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise.

Ihre Forschung basiert auf Methoden der Korpuslinguistik und untersucht digitale Texte, die sowohl von Finanzinstituten als auch von Payday‑Loan-Anbietern stammen. Der Unterschied ist bemerkenswert: Obwohl Regulierungen wie Leistbarkeitsprüfungen verschärft wurden, werben Payday‑Lenders weiterhin mit „einfachen, schnellen“ Lösungen – „quick cash“ – und spielen dabei die Risiken herunter. Parallel dazu steigt die finanzielle Verwundbarkeit der Bevölkerung. Besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen greifen zunehmend zu solchen kurzfristigen Krediten. Lutzkys Fazit:

„Wir müssen die Bevölkerung befähigen, die Feinheiten dieses werblichen Diskurses zu verstehen, damit sie nicht durch die verwendete Sprache manipuliert wird.“

Finanzbildung, so Lutzky, sei daher ein zentrales Instrument.

Österreichs junge Kreditnehmer*innen: Ein wachsender Trend

Die zunehmende Verbreitung kurzfristiger Kredite ist keineswegs ein ausschließlich britisches Phänomen, betonte Bettina Fuhrmann. Auch in Österreich wird das Schuldenmachen unter jungen Menschen immer üblicher. Laut Fuhrmann hätten „ein Drittel der 14‑Jährigen bereits Geld geborgt“, häufig über Buy‑Now‑Pay‑Later‑Angebote, welche das Schuldenmachen besonders niedrigschwellig erscheinen lassen. Über Geld zu sprechen, bleibe für Jugendliche jedoch schwierig. Viele junge Menschen fühlten sich unsicher, wenn es um finanzielle Probleme gehe, was Verzögerungen und Fehlentscheidungen begünstige. Fuhrmann fasste es so zusammen:

„Wenn man in einer schwierigen Situation ist, ist nicht um Hilfe zu bitten die nächste schlechte Entscheidung.“

Stefan Angel (WIFO) ergänzte, dass Daten aus der Schuldenberatung zeigen: Unzureichendes Geldmanagement und fehlende Finanzbildung zählen zu den häufigsten Ursachen für Überschuldung – verstärkt durch die breite Verfügbarkeit von Konsumkrediten. Um Haushalte widerstandsfähiger zu machen, brauche es gezielte Maßnahmen wie Sparanreize, etwa nach dem Vorbild der britischen „Savings Lottery“.

Stigma, Social Media und finanzielle Resilienz

Julia Jakob (OeNB) hob hervor, dass Scham viele Menschen davon abhält, rechtzeitig Hilfe zu suchen. „Stigmatisierung abzubauen ist absolut entscheidend“, betonte sie. Während manche Schulden aus Armut oder grundlegenden Versorgungsdefiziten entstehen – Probleme, welche reine Finanzbildung nicht lösen kann – sind andere stärker mit Konsumverhalten und mangelndem Finanzwissen verbunden, wo Bildungsmaßnahmen durchaus wirken könnten. Da finanzielle Gespräche zu Hause oft vermieden werden, wenden sich viele an soziale Medien, wodurch sogenannte „Finfluencer“ zunehmend an Einfluss gewinnen. Jakob erinnerte das Publikum an eine einfache Faustregel:

„Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch.“

Die ganze Diskussion zum Nachschauen:

Du willst mitdiskutieren?

In den regelmäßig stattfindenden „WU matters. WU talks.“-Podiumsgesprächen, Diskussionsveranstaltungen und Vorträgen bringen Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus der unternehmerischen und institutionellen Praxis ihre Expertise ein und diskutieren gemeinsam mit der interessierten Öffentlichkeit aktuelle Themen. Melde dich hier für den Newsletter an, um keine aktuellen Themen mehr zu verpassen!