WU Blog

Herzlich willkommen auf dem WU-Blog! Hier findet ihr eine Reihe an Blogbeiträgen von Studierenden, ForscherInnen, Lehrenden, Alumni und MitarbeiterInnen – mach mit!

Regierung verkennt die Tragweite Ihrer Handlungen für die Universitäten

Wir freuen uns sehr, dass wir den Präsidenten der Österreichischen Universitätenkonferenz, TU-Graz Rektor Hans Sünkel, für einen Gastkommentar auf unserem Blog gewinnen konnten. Er schildert in seinem Beitrag die dringende Notwendigkeit, dass sich in Österreichs Bildungspolitik endlich etwas bewegen muss.

Die jüngsten widersprüchlichen Aussagen innerhalb der Bundesregierung zum Thema Hochschulzugang haben in der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) große Besorgnis ausgelöst: Die Rektorin und die Rektoren an Österreichs Universitäten gewinnen immer mehr den Eindruck, die verantwortlichen Politiker/innen der Koalition seien sich nicht der vollen Tragweite ihrer Handlungen für das weitere Schicksal der Universitäten bewusst. Dieser Verdacht wird durch den vorliegenden Entwurf zur Novelle des Universitätsgesetzes (UG) 2002 mit den „ergänzenden Bestimmungen für die kapazitätsorientierte Zulassung bei außergewöhnlich erhöhter Nachfrage“ (§124c) leider erhärtet. In ihrer jüngsten Sitzung hat sich daher das Plenum der uniko ausführlich mit dem Gesetzestext befasst und in einem einstimmigen Beschluss eine Reihe von Änderungen gefordert.

Demnach müssen sich nach Ansicht der uniko die Zugangsregelungen in überlasteten Studienrichtungen (sogenannten „Massenfächern“) an den tatsächlich vorhandenen Kapazitäten orientieren. Diffuse Vorgaben betreffend „gesamtgesellschaftliche Vertretbarkeit“ sind für eine Entscheidungsfindung weder plausibel noch hilfreich. Zudem hält die uniko fest, dass es nicht das Bestreben der Rektorin und der Rektoren ist, die Gesamtzahl der Studienplätze im Universitätssystem zu reduzieren.

Besonders alarmierend sind für die uniko allerdings die jüngsten Indizien, wonach eine Beschlussfassung der neuen Uni-Zugangsregeln im Ministerrat und in der Folge der UG-Novelle im Parlament weiter hinausgezögert wird. Die Universitäten müssen angesichts des Fristenlaufs bis spätestens Ende Jänner 2011 Klarheit über die neuen Regelungen haben und pochen auf eine rasche und dauerhafte Lösung der Zugangsfrage. Ein weiteres Lavieren der Bundesregierung erscheint angesichts des bevorstehenden neuerlichen Andrangs Studierender aus dem größten Nachbarland als Folge der doppelten Abiturjahrgänge und des Aussetzens der Wehrpflicht in Deutschland im Wintersemester 2011/12 geradezu unverantwortlich.

Das Echo in den Donnerstagausgaben der Printmedien auf die jüngste Pressekonferenz der uniko, aber auch die Kommentare beweisen, dass in der veröffentlichten wie auch der öffentlichen Meinung die Argumente der Rektoren sehr wohl auf Verständnis stoßen. Ob dies bei den zuständigen Mitgliedern der Bundesregierung Eindruck machen wird, lässt angesichts bisheriger Erfahrungen eher Skepsis aufkommen. Aber wer weiß, vielleicht ereignet sich rund um die Weihnachtsfeiertage ein kleines Wunder und löst nach dem Jahreswechsel die Dauerblockaden in der Koalition. Wenn schon rationale Argumente nicht greifen, müsste für Rot und Schwarz zumindest der Selbsterhaltungstrieb zur Einsicht führen, dass mit dieser Art von Hochschul- und Bildungspolitik niemandem gedient ist – nicht den Wählerinnen und Wählern, auch nicht dem Personal der Universitäten und schon gar nicht unseren Studierenden.

1 Diskussion über “Regierung verkennt die Tragweite Ihrer Handlungen für die Universitäten”
  • Sehr geehrte Hr. Rektoren,

    sie schreiben, dass
    „Zudem hält die uniko fest, dass es nicht das Bestreben der Rektorin und der Rektoren ist, die Gesamtzahl der Studienplätze im Universitätssystem zu reduzieren.“

    Nun, die Politik gibt kein Geld aus, weil sie offenbar zu verbohrt ist. Zugangsbeschränkungen sollen aber kommen, aus ihrer Sicht auf ein erträgliches Maß an Studenten.

    Wie stellen Sie sich dann bitte vor, dass die Gesamtzahl der Studierenden nicht sinken soll?

    Unterbesetzte Studien wie Maschinenbau gibt es nicht viele…

Kommentar verfassen


This blog is kept spam free by WP-SpamFree.