Lieber Leserinnen und Leser,
ich würde Sie gerne auf einen Beitrag “Gute Ideen haben wir selber” in der Tageszeitung “Die Presse” hinweisen.
Gemeinsam mit der Rektorin Sonja Hammerschmid sowie den Rektoren Heinz Engl, Gerald Bast und Wolfgang Schütz habe ich an einer Gesprächsrunde zu aktuellen Themen der Bildungspolitik teilgenommen und über die Zusammenarbeit mit der Stadt Wien, gemeinsamen Kooperationen zwischen den Unis bzw. mit der Wirtschaft und über die kommenden Leistungsvereinbarungsverhandlungen diskutiert.
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Im österreichischen Bildungssystem gibt es wohl dringlichere Aufgaben als die Diskussion um Studiengebühren, wie sie derzeit wieder aktuell ist. Das Vorgehen der Regierungsparteien, die andauernden Diskussionen der Parteien darüber und vor allem das gegenseitige Blockieren sind aber ein gutes Beispiel dafür, welchen Stellenwert Hochschulpolitik, Universitäten und auch Studierende in Österreich haben.
Die Politik treibt die Universitäten (die auf die Gebühren nicht verzichten können) aufgrund ihres Nicht-Handelns in die Situation, Gebühren ohne Rechtssicherheit einheben zu müssen. Anstatt an einer Lösung zu arbeiten, legen die Regierungsparteien Gutachten vor, die sich gegenseitig widersprechen und geben den Universitäten Tipps, wie sie mit der Situation umgehen sollten.
Die Universitäten befinden sich damit in der undankbaren Situation, ein Risiko einzugehen, dass die Regierung nicht eingehen will. Das bedeutet auch, dass das eingenommene Geld nicht nachhaltig in die Verbesserung der Lehre investiert werden kann, sondern für eventuelle Rückforderungen bereitgehalten werden muss. Mit dieser “Lösung” ist weder den Studierenden, noch den Universitäten geholfen.
Der WU entgehen durch den Wegfall der Studiengebühren im Sommersemester € 1,5 Millionen. Es steht fest, dass wir auf das Geld nicht verzichten können. Und wenn der Staat nicht für eine ausreichende Finanzierung sorgt, werden wir wohl selbst jene Gebühren einheben müssen, die bisher gesetzlich vorgeschrieben waren.
Auch bei der Debatte um Studiengebühren wird wieder einmal ersichtlich, dass das ewige Ping Pong Spiel der Regierungspartner die Probleme der Universitäten nicht löst.
Foto:Tatyana Perevozova
Ich habe für die montägige Bildungsbeilage in der Tageszeitung “Die Presse” einen Gastkommentar über die schwierige Rolle der Universitäten verfasst, den ich Ihnen gerne auch auf diesem Wege näher bringen möchte. Universitäten müssen sowohl ihre Leistungen als auch ihre Probleme kommunzieren – ein schwieriger Spagat.
Die Beziehung zwischen „den“ Medien und den Universitäten ist durch ein hohes Maß an Ambivalenz gekennzeichnet. Im traditionellen akademischen Leben spielte die Verbreitung des durch Forschung gewonnenen Wissens an ein breites Publikum nicht immer eine große Rolle. So gibt es immer wieder Wissenschaftler/innen, die ausgesprochen medienscheu sind, sei es, weil sie Öffentlichkeitsarbeit nicht als ihre Aufgabe ansehen, sei es, weil sie Klage darüber führen, sie würden von „den Medien“ missinterpretiert oder ausgenutzt. Dazu haben Wissenschaftler/innen oft gar nicht die Fähigkeit, sich außerhalb der Fachwelt verständlich auszudrücken – und sehen eine solche Fähigkeit auch gar nicht als erstrebenswert an.
Beziehung Uni zu Medien
Dennoch hat sich in den letzten zwanzig Jahren die Beziehung der Unis zu den Medien deutlich gebessert. Die Unis sind heute viel mehr in den Medien präsent als früher – sowohl mit ihren Problemen als auch mit ihren Leistungen. So gibt es immer mehr Angehörige von Unis, denen es Spaß macht, sich auch dem Diskurs mit einer breiteren Öffentlichkeit zu stellen. Diese Tendenz geht mit der stärkeren Betonung der gesellschaftlichen Verantwortung einher, an die die Unis von der Politik, aber auch von den Medien selbst, erinnert werden.
Regelmäßige Information über Leistungen an die Öffentlichkeit
Heute ist es zumindest bei den Universitätsleitungen fester Bestandteil der Alltagsarbeit, Leistungen „ihrer“ Uni in die Öffentlichkeit zu tragen – ein Effekt, der mit der wachsenden Autonomie der Unis deutlich verstärkt wurde. Jede Uni hat heutzutage irgendeine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit oder zumindest eine/n Pressesprecher/in, viele Unis bringen durch Beilagen zu Zeitungen oder Sondernummern und auch durch Jahresberichte oder Wissensbilanzen regelmäßig Infos über ihre Arbeit an eine breitere Öffentlichkeit. Und das ist gut so. Aber ist das auch genug?
Stellenwert der Unis noch zu gering
Analysiert man den Stellenwert der Unis in der Öffentlichkeit, wird rasch klar, dass die Präsenz der Unis in den Köpfen des viel zitierten „Manns von der Straße“ noch viel zu gering ist. Offensichtlich haben sich die Unis im Alltagsleben noch nicht ausreichend positioniert, um als unverzichtbar oder als wirkliche Quelle des geistigen Lebens und des materiellen Wohlstands einer Gesellschaft aufgefasst zu werden. Wie sonst wäre es möglich, dass die Themen der Uni-Politik, insbesondere die ausreichende Finanzierung, nur in Sonntagsreden der PolitikerInnen vorkommen, nicht aber in den tatsächlichen Handlungen der Politik, die Montag bis Freitag stattfinden? Weder Lehrende noch Studierende haben auch nur in Ansätzen jene Macht als Pressure Group erworben, die andere Gesellschaftsmitglieder mit großer Selbstverständlichkeit haben – von den PensionistInnenverbänden bis zur BeamtInnengewerkschaft.
Probleme der Unis beherrschen Innenpolitikseiten der Medien
Hinter dieser „Machtlosigkeit“ steht ein Dilemma: Die Mehrzahl der Pressemeldungen zu Universitäten beschäftigt sich mit ihren Problemen. Unterfinanzierung, Überfüllung, schlechte Ratingergebnisse, Streit um die Effizienz des Hochschulsystems, etc. beherrschen die Zeitungen auf den Innenpolitikseiten. Rektor/inn/en versuchen so, in den Medien ihre politischen Anliegen zu transportieren. Diese Strategie ist sicherlich erfolgreich, denkt man an die umfangreiche Präsenz der Uni-Politik vor allem in den Qualitätsmedien. Aber die Vertreter/innen der Unis wollen auch auf die ausgezeichneten Leistungen ihrer Institutionen hinweisen.
Schlechte Nachrichten über sich selbst verbreiten?
Und das ist eine schwierige Doppelbotschaft. Kein privates Unternehmen würde freiwillig schlechte Nachrichten über sich selbst verbreiten. Die Unis müssen das manchmal tun, weil sie nur auf diesem Weg Appelle an ihren „Eigentümer“ (der durch die Politik vertreten wird) richten können. Schade, dass dieser „Eigentümer“ viel zu selten positiv über seine Unis spricht. Die Medien würden solche Botschaften sicher gern aufnehmen.
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