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Researcher of the Month: Manfred M. Fischer

Name:
Manfred M. Fischer

Jahrgang:
1947

Herkunft:
Nürnberg

Lieblingsorte:
Cascais (Portugal), Geburtsort meiner Söhne, und der Campus der UCSB (Kalifornien), dessen anregende Atmosphäre ich als Gastprofessor im Jahre 1988 schätzen lernen konnte

Hobby:
Wissenschaftliche Fragen und Probleme beschäftigen mich nicht nur während der Arbeits-, sondern auch in der sog. Freizeit. Wissenschaft ich für mich nicht nur ein Beruf, sondern Berufung, Arbeit und liebstes Hobby zugleich. Wissenschaft ist meine Berufung, Sport meine Leidenschaft.

Als Kind wollte ich werden:
Mathematiklehrer – Mathematik und Latein waren die Lieblingsfächer in meiner Schulzeit am Willstätter Gymnasium in Nürnberg.

Um 9:30 …
… im Laufe meiner Karriere habe ich mich zu einem Early Bird entwickelt, so dass ich um 09:30 im Allgemeinen bereits E-Mails beantwortet und Gespräche mit MitarbeiterInnen und KooperationspartnerInnen geführt habe..

Lieblingsgetränke:
Wasser über alles, im Sommer auch ein Glas Vinho Verde und im Winter ein Glas Rotwein (Rioja) oder Traminer…

… konsumiert am liebsten in Gesellschaft von…
… meiner Frau, meinen Söhnen und guten Freunden.

Warum haben Sie eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen?

Geographie hat mich schon immer fasziniert. Bereits während meines Studiums war es mir ein Anliegen, meine beiden Studienfächer Mathematik und Geographie miteinander zu verknüpfen. In Europa hatte ich damals niemanden gefunden, mit dem ich mein Forschungsinteresse an mathematischer Modellbildung teilen konnte. So war ich darauf angewiesen, mir die dafür notwendigen Skills im Selbststudium anzueignen und globale Kommunikations- und Kooperationsnetzwerke aufzubauen. Die Idee, mathematische Modellbildung in der Geographie voranzutreiben, hat mich derart fasziniert, dass ich beschloss, eine Karriere als Forscher anzustreben.

Wie hat Sie Ihr Weg zur Wirtschaftsgeographie geführt?

Zu Beginn meiner wissenschaftlichen Karriere konzentrierten sich meine Forschungsbemühungen auf die Modellierung regionaler Wohnungs-und Arbeitsmärkte. Später befasste ich mich stark mit Methoden und Techniken der Raumanalyse (inkl. einer Methodologie der neuronalen räumlichen Interaktionsmodelle), stets im Zusammenhang mit realweltlichen Fragestellungen, oft im Kontext von Big Data. Seit einigen Jahren ist es mir ein besonderes Anliegen, die Wirtschaftsgeographie stärker mit der allgemeinen ökonomischen Theorie zu verknüpfen. Mit der Einführung des Raumes in die Wirtschaftstheorie sind Entfernungen und Raumüberwindungskosten zu beachten. Gegenüber (nicht-räumlichen) Ein-Punkt-Wirtschaften treten ferner eine Reihe weiterer wirtschaftlich relevanter Gesichtspunkte hinzu (z.B. Agglomerationseffekte und räumliche Spillovereffekte). Wenn in einer Untersuchung alle relevanten Kosten der Raumüberwindung gleich Null sind, gelangt man zum Modell einer Ein-Punkt-Wirtschaft. Insoweit ist die Raumwirtschaft allgemeiner als die allgemeine ökonomische Theorie. Zur Schätzung und Interpretation der Modellgleichungen sind spezifische, räumlich-ökonometrische Verfahren und Techniken notwendig, da Beobachtungen im Raum nicht als statistisch unabhängig behandelt werden können.
Aktuell befasse ich mich mit einer Theorie raumwirtschaftlichen Wachstums. Eine solche Theorie ist schon allein deshalb so viel komplexer als die übliche makroökonomische Theorie, weil man es mit offenen Wirtschaften zu tun hat. Regionen interagieren durch den Austausch von Gütern, Produktionsfaktoren und Ideen.
Die Wirtschaftsgeographie ist eine faszinierende Disziplin, eine Disziplin, die mit ihrer Erweiterung des Blickwinkels von der Ein-Punkt zur Raumwirtschaft den Realitätsgehalt und die Prognosefähigkeit wirtschaftswissenschaftlicher Modelle deutlich verbessert. Fortschritte, die in den letzten Jahren erzielt werden konnten, sind eng mit neuesten Entwicklungen in der formalen Modellierbarkeit nicht-linearer räumlicher bzw. raum-zeitlicher Prozesse einerseits und der räumlichen Ökonometrie andererseits verknüpft. Trotz der erzielten Fortschritte gibt es eine Menge offener Fragen, die im Zentrum meiner zukünftigen Forschungsanstrengungen stehen.

Was waren für Sie besondere berufliche Herausforderungen?

Im Laufe meiner Karriere war ich mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen sicherlich die Wahl zum Vorsitzenden der „IGU (International Geographical Union) – Commission on Mathematical Models“ im Jahre 1988 (ein Amt, das ich bis 1996 innehatte), die Organisation eines internationalen Symposiums 1990 in Shanghai mit Kollegen der East China National University, auch die Leitung des Institutes für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW 1996-1999, die Gründung einer interdisziplinären Zeitschrift (Journal of Geographical Systems, gemeinsam mit Arthur Getis, San Diego State University, 1994), sowie der Springer Buchreihe Advances in Spatial Sciences (gem. mit Folke Snickars, Royal Institute of Technology in Stockholm; Geoffrey Hewings, University of Illionis at Urbana-Champaign und Peter Nijkamp, Free University of Amsterdam, 1994) und die Herausgabe des dreibändigen Handbook of Regional Science mit 1.732 Seiten.
Aus der Perspektive der WU betrachtet war es eine ganz besondere Herausforderung, gemeinsam mit Wolfgang Janko (BW und Informatik), Heinrich Otruba (VW), Herbert Strasser (Statistik), Josef Mazanec (BW und Tourismus), Alfred Taudes (International Information Processing) und Werner Jammernegg (CIM) fachgruppenübergreifend einen vom FWF finanziell unterstützten Spezialforschungsbereich mit dem theoretischen Schwerpunkt „Selbstlernende Modelle in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften“ zu konzipieren und unter Mitwirkung von Kollegen der TU Wien sowie der Universität Wien (Deistler, Dockner, Dorffner, Hornik, Schachermayer und Zechner) zu implementieren. Die Kollegen Dockner, Hornik und Zechner verstärken mittlerweile das Team WU.

Was darf Ihnen am Arbeitsplatz einfach nicht fehlen?

Papier, mein Cross Drehbleistift, meine Pfeifen und bis vor kurzem auch eine Thermoskanne mit brasilianischem Kaffee, und jetzt ein Glas Wasser.

Gibt es etwas, das kaum jemand über Ihren Job weiß?

Während des Semesters verbleibt einem Universitätsprofessor (an einer österreichischen Universität) neben Lehr- und Managementaufgaben sowie der Teilnahme an der akademischen Selbstverwaltung nur wenig, jedenfalls viel zu wenig Zeit, um sich in komplexe Forschungsfragen vertiefen zu können. Will man „Spitzenforschung“ betreiben, international konkurrenzfähig werden bzw. bleiben, wird man mit einer 8-stündigen täglichen Arbeitszeit kaum das Auslangen finden.

#RoM #ForscherdesMonats #ForschungFetzt #Interview

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