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Grüzi Ösi!

Wenn man sich an der WU umhört, scheint es als würde nicht der Studienabschluss sondern das Absolvieren eines Auslandssemesters das oberste Ziel des gesamten Studiums zu sein. In diesem Punkt haben es WIRE-Studierende eigentlich recht schwer. Was willst du mit österreichischem Recht im Ausland? – Die erste Frage die man sich bei solch einem Wunsch denkt. Aber genau darauf hab ich es eben ankommen lassen.

Zürich ist ja weltbekannt als Wirtschafts- und Finanzstandort. Wäre ein Wirtschaftsjurist denn hier so fehl am Platz? Mit dieser Motivation habe ich mich bei einigen Anwaltskanzleien mit Wirtschaftsschwerpunkt in Zürich für ein einmonatiges Praktikum beworben und das bevor ich überhaupt die ersten Veranstaltungen des Hauptstudiums absolviert hatte. Glücklicherweise konnte ich einige Veranstaltungen bis zu einer Fixierung des Kurzpraktikumsplatzes absolvieren um selbst einen – wenn auch theoretischen – Einblick in die Fachgebiete zu nehmen. Schlussendlich stand im Jänner dieses Jahres fest, dass ich im Juli 2016 für 4 Wochen ein Praktikum bei der Steuerrechtskanzlei Lindemann Rechtsanwälte absolvieren dürfte.

Wohnhaft bei Bekannten in der Stadt trat ich meinen ersten Arbeitstag an und wurde gleich mit einer Vernehmlassungsvorlage (Gesetzesentwurf) über ein Gesetz anvertraut welches Anfang 2017 in der Schweiz in Kraft treten soll. Schwerpunkt dieses Gesetzes war die internationale Amtshilfe in Steuerrechtssachen. Ein wesentlicher Teil des Praktikums machte somit die Recherche und einhergehende Begutachtung von Gesetzeskommentaren für eine Artikelabfassung zu diesem Gesetz aus. Ich merkte bald, dass es gar nicht so schlimm ist wie ich dachte – natürlich das Schweizer und Österreichische Recht unterscheiden sich, keine Frage, aber das System und die Methoden wie man mit den Gesetzen arbeitet ist sehr ähnlich.

Ich durfte mich im Rahmen dieser Recherche mit einer Studentin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich austauschen, welche gerade zu diesem Gesetz ihre Doktorarbeit verfasste. Steuerhinterziehung und dessen Unterbindung, Sanktionsrecht der EU und Schweiz gegen die Russische Föderation machten das Praktikum überaus spannend. Ich durfte lernen wie mit KlientInnen korrespondiert wird und, dass Partner in diesem Bereich ein äußerst wichtiges Gut sind. Holt man sich als Anwalt in Bereichen Partner ins Boot, die auf einem anderen, mir nicht so sehr liegenden Bereich, spezialisiert sind, so baut man für die eigene Kundschaft zusätzlich Vertrauen auf und gewinnt zeitgleich KollegInnen die einen selbst bei deren KlientInnen weiterempfehlen.

Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Monat so viel lernen und sehen konnte. Keine PI an der WU hätte einem das Vermitteln können was man durch erste Berufserfahrung sammelt. Natürlich bin ich vom Wirtschaftsanwalt noch weit entfernt, aber darum geht es gar nicht. Ich habe in den Vorlesungen theoretisches Recht vorgelöste Fälle vermittelt bekommen und habe gemerkt, dass diese sogenannte Rechtswissenschaft irgendwie „mein Ding“ ist – und nun mit dem Praktikum konnte ich mir sicher sein, dass ich genau in diesem Bereich arbeiten möchte.

Ich habe in Zürich auch eine wunderschöne Stadt und in deren Umland eine kurze aber abenteuerliche Zeit erlebt und was besonders interessant war,  ist der Vergleich des Rechtssystems Österreichs mit seinem einhergehenden Europarecht und der Rechtsgrundlagen der Schweiz mit seinen vielen bilateralen Verträgen.

#Praktikum #Kanzlei #Ausland

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