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Wenn das Leben zum Film wird

Nach dem Doppelstudium Handelswissenschaften und Dolmetsch verschlug es Gerlinde Seitner in die Welt des Films. Eine Leidenschaft noch aus Jugendtagen für die in Frankreich aufgewachsene heutige Geschäftsführerin des Filmfonds Wien.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der WU entschieden?
Andere Studien erschienen mir zu einseitig beziehungsweise mit wenig Jobaussicht verbunden zu sein. Ich fand es attraktiv, an einer großen Uni zu studieren. Das WU-Studium hat außerdem eine Vielfalt an Materien angeboten, von denen man sich auch Rosinen rauspicken konnte.

Wo lagen Ihre Schwerpunkte, in welcher Form hat Sie die Zeit an der WU geprägt?
Ich habe mich für den Zweig Handelswissenschaften entschieden. Prägend war vor allem das dazumal im Aufbau befindliche CEMS-Studium, das mich an die HEC Paris führte. Die Freundschaften von damals sind mir übrigens bis heute größtenteils erhalten geblieben. Ein wunderbarer Auslandsaufenthalt, an den ich mich gern zurückerinnere. Meinen gedanklichen Horizont hat die Volkswirtschaftslehre, vor allem Makroökonomik, erweitert. Als langfristig nützlich hat sich ebenfalls die Leseliste der BWL-Prüfung im zweiten Abschnitt erwiesen.

Verfolgen Sie, wie sich die WU weiterentwickelt?
Ja, vor allem alles rund um den neuen Campus finde ich sehr interessant. Dass es gelungen ist, den Bau in time und on budget fertigzustellen – was ja bei Bauvorhaben dieser Größe nicht oft der Fall ist –, zeigt, dass die WU offensichtlich etwas vom „Wirtschaften“ versteht. Es freut mich auch, dass der neue Campus zu einem begehrten und stark gefragten Drehort geworden ist.

Sie haben gleichzeitig Dolmetsch studiert. Doppelbelastung oder doppelte Freude?
Keinesfalls eine Doppelbelastung. Das Dolmetsch-Institut war ja in der Uralt-WU (Ex-Welthandel) untergebracht, sprich zehn Gehminuten von der damals neuen WU in der Augasse. Ich habe es als eine Herausforderung betrachtet, die diversen Vorlesungen und Proseminare zeitlich zu koordinieren. Das hat für Abwechslung gesorgt. Da die Sprachkenntnisse durch meine Auslandsaufenthalte ausreichend vorhanden waren, hat sich diese Kombination eigentlich aufgedrängt. Meine Anwesenheit bei manchen WU-Vorlesungen hat darunter etwas gelitten. Aber schlussendlich ist sich alles ausgegangen.

Wie ist Ihnen der Umstieg vom Studenten- ins Berufsleben geglückt?
1997 war ein mit der EU-Kommission verbundener Job im Österreichischen Filminstitut (ÖFI) ausgeschrieben. Die Position verlangte wirtschaftlich-rechtliches Grund-Know-how und Französischkenntnisse. Das war sozusagen meine Eintrittskarte. Ich habe danach lange für das EU-Programm Media gearbeitet. Davor war ich noch als freiberufliche Übersetzerin und Konferenzdolmetscherin sowie für Pepsi Cola im HR-Bereich im Rahmen eines großen internationalen Recruiting-Projekts tätig.

Woher kommt das Interesse am Film?
Wenn man in Frankreich aufwächst, kann man sich diesem Medium nicht entziehen. Film hat in Frankreich einen hohen Stellenwert, nicht nur in der Freizeitgestaltung, auch in der Schule. Ich habe Kindheitserinnerungen an die Plakate der damaligen Cannes-Gewinner wie „Yol“ oder „Papa ist auf Dienstreise“. Das Festival in Cannes verfügte über eine ganz besondere Strahlkraft. Und ich erinnere mich gerne an das Max-Ophüls-Festival im benachbarten Saarbrücken.

Heute sind Sie Geschäftsführerin des Filmfonds Wien. Was sind Ihre Aufgabengebiete, und welche Ziele verfolgen Sie konkret?
Auf der einen Seite gibt es die klassischen Geschäftsführungsaufgaben, etwa in der Verwaltung und im Budgetvollzug, auf der anderen Seite stehen durch Jury-Vorsitze inhaltliche Entscheidungen zu Projekten und Förderungen an. Ein konkretes Ziel für die nächsten Jahre ist es, den Anteil weiblicher Filmschaffender vor allem in der TV-Förderschiene zu verbessern. Zudem möchte ich den Filmstandort Wien auf einem wirtschaftlich-technischen und natürlich künstlerischen Standard halten, der uns für Koproduktionen weiterhin attraktiv macht. Ein weiteres Ziel: Für Nachwuchstalente – und die sind in Wien vielversprechend – gute Arbeitsbedingungen ermöglichen. Also kein Brain-Drain nach Deutschland. Gefragt ist systematische und kontinuierliche Aufbauarbeit, um mittelfristig preisgekrönte, international verwertbare Filme herstellen zu können. Ohne strukturelles Umfeld in allen Bereichen, von der Ausstattung bis zur Postproduktion, kann sich ein kreativer Filmstandort auf Dauer nicht halten, geschweige denn entwickeln.

  • Geboren 1969, aufgewachsen in Frankreich.
  • Studium der Handelswissenschaften an der WU sowie Französisch und Englisch als Dolmetschstudium an der Universität Wien.
  • Ab 1997 im Österreichischen Filminstitut beschäftigt, seit 2004 als Stellvertreterin des Direktors.
  • Von 2005 bis 2011 Mitglied im Beirat des Fernsehfonds Austria bei der RTR.
  • Seit November 2011 Geschäftsführerin des Filmfonds Wien und seit Mai 2013 im Vorstand von Cine-Regio, dem Netzwerk der regionalen EU-Filmförderstellen.

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Photo By: Mirjam Reither

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