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Hall of Femmes: Johanna Rachinger

„Jede Veränderung hat mich beruflich einen Schritt vorwärts gebracht.“

Bitte geben Sie ein paar biographische Eckdaten bekannt: welche Ausbildung haben Sie absolviert, was sind die wichtigsten Eckdaten ihrer beruflichen Entwicklung und welche Position(en) haben Sie jetzt inne?

Nach dem Abschluss einer Handelsakademie studierte ich Theaterwissenschaften und Germanistik an der Universität Wien und schloss mit der Promotion ab. Berufliche Erfahrungen sammelte ich zunächst beim Wiener Frauenverlag und dann als Leiterin der Buchberatungsstelle des Österreichischen Bibliothekswerks. Den Ueberreuter Verlag, bei dem ich als Programmleiterin begann, leitete ich als Geschäftsführerin von 1995 bis 2001. Seit 2001 bin ich Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek.

2012 wurde ich zur WU-Managerin des Jahres gewählt und 2013 als Kommunikatorin des Jahres ausgezeichnet.

Worum geht es in Ihrer Arbeit? Was sind Ihre Arbeitsschwerpunkte?

Meine erste Aufgabe war, die Österreichische Nationalbibliothek in die Vollrechtsfähigkeit zu führen und sie für die Zukunft fit zu machen. Heute können wir mit einiger Berechtigung von einem dienstleistungsorientierten Informations- und Forschungszentrum sprechen. Als Geschäftsführerin mit über 370 Mitarbeiter/inne/n bin ich mit den klassischen Managementaufgaben eines großen Unternehmens betraut. Als wesentliche Meilensteine sehe ich die Verbesserung der Benützer/innenservices von der Generalsanierung aller Lesesäle bis zur deutlichen Erweiterung der Öffnungszeiten, den Aufbau einer digitalen Bibliothek und das Public-Private-Partnership mit Google zur Digitalisierung unseres urheberrechtsfreien Buchbestands. Auch die Stärkung der wissenschaftlichen Forschung und die Etablierung eines vielfältigen Veranstaltungsprogramms sind essentiell. Für mich persönlich ist von großer Bedeutung, dass die NS-Vergangenheit unseres Hauses vollständig aufgearbeitet wurde und die Restitution von Raubgut, das zwischen 1938 und 1945 in unsere Bestände aufgenommen wurde, abgeschlossen ist. Wir haben eine „Vision 2025“ erarbeitet, die den sich veränderten dynamischen technischen Entwicklungen Rechnung trägt und die Anforderungen an eine Wissensinstitution von morgen schon heute definiert.

Wenn Sie Ihren beruflichen Werdegang betrachten – was sind bzw. waren Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren?

Ich stehe Veränderungen generell sehr positiv gegenüber, denn jede Veränderung hat mich beruflich einen Schritt vorwärts gebracht. Und ich habe Herausforderungen, die sich mir angeboten haben, stets angenommen. Es gehört durchaus Mut dazu, ins kalte Wasser zu springen, aber ich hatte stets Selbstvertrauen genug um zu wissen, dass ich gut schwimmen kann.

Was motiviert Sie besonders in Ihrer Arbeit?

Mich fasziniert, etwas bewegen zu können und einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag im Bereich Bildung und Wissenschaft leisten zu können.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht arbeiten?

Als sportlichen Ausgleich gehe ich gerne wandern und schwimmen. Das Wochenende widme ich meiner Familie und meinen Freunden, und am Samstag gehört ein genussvolles Frühstück mit einer umfassenden Zeitungslektüre zu meinem Wohlbefinden dazu.

Auf welche Barrieren sind Sie im Verlauf Ihres Berufslebens gestoßen?

Ich hatte das Glück, stets auf Vorgesetzte zu treffen, die mich persönlich motiviert und gefordert haben. Auf Barrieren bin ich selbst nicht gestoßen, aber ich sehe sehr wohl, dass es die Gläserne Decke nach wie vor für Frauen gibt. In der Österreichischen Nationalbibliothek setze ich mich daher dezidiert für Frauenförderung ein.

Was tun Sie in Ihrem Arbeitsumfeld, um die Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu erhöhen?

Mir ist sehr wichtig, bei gleicher Qualifikation Frauen in Führungspositionen zu besetzen und mittlerweile haben wir an der Österreichischen Nationalbibliothek fast 50 % Frauen in Führungspositionen.

Als erste wissenschaftliche Institution ist unser Haus zudem mit dem staatlichen Gütezeichen für familienbewusste Personalpolitik, dem Audit berufundfamilie, ausgezeichnet. Wir haben uns damit freiwillig verpflichtet, Maßnahmen für eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie umzusetzen. So unterstützen wir beispielsweise Mitarbeiter/innen mit Betreuungspflichten bei der Pflege von Angehörigen, und wir können auch feststellen, dass vermehrt Väter in Karenz gehen.

Da wir unsere gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen, haben wir auch im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Für eine wissensbasierte Institution wie die unsere hat nicht zuletzt die Fortbildung der Mitarbeiter/innen oberste Priorität. Unter dem Titel „Brain-Pool“ wird ein umfassendes Seminarprogramm angeboten, das Mitarbeiter/innen während der Arbeitszeit kostenlos besuchen können. Das wird auch sehr gut genützt.

Welche Empfehlungen möchten Sie an junge Frauen, die am Beginn ihres Berufslebens stehen, weitergeben?

Ja zu Herausforderungen sagen und Chancen selbstbewusst ergreifen.

#HallofFemmes #Gleichstellung #WU #Interview


Mit dem Projekt „Hall of Femmes“ soll die Sichtbarkeit von Frauen an der WU und mit Bezug zur WU erhöht und andere Frauen gestärkt werden, indem es Vorbilder schafft. In kurzen Interviews schildern die befragten Frauen ihre Karrierewege, berichten über entscheidende Erfolgsfaktoren für ihre berufliche Entwicklung und geben persönliche Karriereempfehlungen. Die ersten Interviews werden in einer mehrwöchigen Reihe im WU-Blog veröffentlicht.

Photo By: Hauswirth/ÖNB

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