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Bewegung in Österreichs Bildungspolitik

Es ist erfreulich, dass es endlich Bewegung in Österreichs Hochschulpolitik gibt. Anfang November hat die österr. Bundesregierung im Rahmen ihrer Klausur zwei Beschlüsse gefasst, die für einige Universitäten, darunter auch die WU, von großer Bedeutung sind.

Die Regierung hat sich unter anderem drauf geeinigt, die Gesetzeslage zur Einhebung von Studiengebühren zu reparieren. Im Wesentlich ist darin vorgesehen, die bis Februar 2012 in Kraft gewesene und seitens Verfassungsgerichtshof gekippte Regelung in leicht adaptierter Form wieder einzuführen.

Gebühren ab Sommersemester 2013 – davor: Satzung der Unis rückwirkend als Gesetz

Ab Sommersemester 2013 sollen an allen österreichischen Universitäten per Gesetz wieder Studienbeiträge in der Höhe von 363,36 Euro pro Semester von „Langzeitstudierenden“ (zwei Semester über der vorgegebenen Studienzeit) sowie, und das ist neu, Beiträge in der Höhe von 726,72 Euro pro Semester von Drittstaatsangehörigen (Ausnahmenliste siehe: http://www.wu.ac.at/programs/for/students/org/tuition/residence) eingehoben werden.

Rückwirkend sollen die Satzungsbestimmungen jener Universitäten, die sich entschieden haben, in diesem Wintersemester autonom Studiengebühren einzuheben, bis zum Inkrafttreten der neuen Regelung mit 1. Juni 2013 als Gesetz beschlossen werden. Ob diese rückwirkende Regelung verfassungskonform ist, wird sich zeigen, nach Beschluss des Gesetzes durch den Nationalrat ist es jedenfalls von der WU anzuwenden.

Studienplatzfinanzierung und Zugangsregeln

Von der Bundesregierung wurde außerdem der Testlauf zur Studienplatzfinanzierung bekannt gegeben. In Hinblick darauf soll ab Wintersemester 2013/14 in fünf Studienfeldern – Informatik, Biologie und Biochemie, Architektur und Städteplanung, Wirtschaftswissenschaften (alles Bachelorstudien) und dem Diplomstudium Pharmazie – bei Überschreitung einer gesetzlich festgelegten Mindestzahl an Plätzen, die Möglichkeit der Regelung des Zugangs vorgesehen werden.

Anders als in den bisher geplanten Entwürfen zur Studienplatzfinanzierung ist derzeit allerdings kein Fixbetrag pro Studienplatz in bestimmten Fächergruppen vorgesehen. Und das ist sehr bedauerlich, weil damit die Regelung massiv entwertet wird. Um das Betreuungsverhältnis in den fünf Studienfeldern zu verbessern, sollen zusätzlich österreichweit 95 zusätzliche Professor/inn/enstellen geschaffen werden. Wobei es sich hier nicht um Vollprofessuren oder unbefristete Stellen handeln soll. Wie die Umsetzung erfolgen soll, ist derzeit noch offen.

An der WU ist von einer Regelung des Zugangs nur das Bachelorstudium „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ betroffen. In Verhandlungen mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung soll die Mindestzahl an Studienplätzen in diesem Programm festgelegt werden.

Leider gibt es ein paar Probleme beim derzeitigen Entwurf dieser Regelung.

Problem 1: Zahl an Studienplätzen weit über WU-Kapazitäten

Die bisher kolportierte Zahl der Studienplätze von rund 3.000 Anfänger/inne/n liegt nach wie vor deutlich über unseren Kapazitäten. Nach derzeitiger Lage sähe es so aus, dass wir ein Auswahlverfahren machen müssten, nur um im Anschluss daran mittels Studieneingangs- und Orientierungsphase weiter selektieren zu müssen, um auf eine Studierendenzahl zu kommen, die wir erfolgreich bis zu einem positiven Studienabschluss betreuen könnten und die unseren tatsächlichen Kapazitäten entspräche. Das sind abermals unzumutbare Zustände für Studierende, die nach einem bestandenen Auswahlverfahren nach wie vor keinen fixen Studienplatz hätten, sondern ein zweites Mal durch eine Selektionsphase müssten.

Problem 2: Wirtschaftsrecht ohne Regelung

Der Entwurf sieht lediglich eine Regelung des Zugangs für unser Bachelorstudium „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“, nicht aber für „Wirtschaftsrecht“ vor. Wir müssen daher mit massiven Verdrängungseffekten rechnen, da die Studieneingangs- und Orientierungsphase der beiden Bachelorprogramme an der WU nahezu gleich ist.

Problem 3: Masterprogramme ausgespart

Die allgemeine Regelung des Zugangs ist außerdem lediglich auf Bachelorprogramme beschränkt und sieht keine Lösung für Masterprogramme vor. Für uns ein inakzeptabler Zustand, denn gerade unsere deutschsprachigen Master sind dramatisch überlaufen und die Rechtslage erlaubt es uns gegenwärtig nicht, rechtzeitig vor Studienbeginn eine Entscheidung zu treffen, wer wirklich einen Studienplatz hat. Die unhaltbare Situation, dass eine solche Entscheidung bei den deutschsprachigen Programmen dann erst im November getroffen werden kann, bleibt daher bestehen, obwohl ich immer wieder auf das Problem aufmerksam gemacht habe.

Wie die konkrete Umsetzung dieser Universitätsgesetz-Novelle aussehen wird, ist noch klärungsbedürftig. In den nächsten Wochen sollten diese Unklarheiten aber ausgeräumt werden.

Über die weiteren Entwicklungen werden wir Sie informieren.

9 Diskussionen über
“Bewegung in Österreichs Bildungspolitik”
  • Ich verstehe es wirklich nicht wieso die Studiengebühren für die Drittländer erhöht worden sind?
    Weis die WU was sie damit für uns Drittländer eigentlich anstellt? Uns, denen der Zugriff zum Europäischen Arbeitsmarkt verwiesen ist, wird auf einmal die Gebühr erhöht. Uns die keine andere Einnahmequelle haben als unsere Eltern,die sich eine so große Erhöhung nicht leisten können. Die Mehrheit der Drittländer auf der WU kommen aus den Ländern des alten Jugoslawiens. Ich und viele meiner Freunde aus den vorhin erwähnten Ländern werden einfach gezwungen auf unser Studium zu verzichten…
    Warum? Weil wir dass finanziell nicht aushalten können. Reguläre Studien Gebühren pro Semester: 726,72 Euro + der übliche Betrag den wir für die Bücher und Skripten ausgeben (pro semester): 150 Euro + durchschnittliche monatliche Miete in Wien: 250 Euro (mal 5 Monate pro semester)+
    die durchschnittliche ausgaben für das Essen: 200 Euro (mal 5 Monate für Semester)= 3216,72 REINER FIXKOSTEN !
    Von dieser riesen Zahl bekommen ja die Eltern mit dem Lohn eines fortgeschrittenen Landes, wie Österreich oder Deutschland, die Gänsehaut. Was sollen den meine Eltern sagen, die gemeinsam ein monatliches einkommen von 1000 Euro einbringen?
    Als wäre die Studiengebühr im Ausmaß von 363,36 Euro nicht schlimm genug gewesen… Es ist ja ein Faktum dass Studierende mit nicht deutscher Muttersprache auf der WU, deutlich länger brauchen um ihr Studium zu ende zu bringen, als die Inländer. Ich werde sicherlich noch weitere 3-4 Semester auf der WU verbringen müssen. Aber wie, mit einer so hohen Studiengebühr ?
    Ich bin GEZWUNGEN mit meinem Studium aufzuhören, wobei ich halbwegs durch bin. Und was haben mir die letzten 2 Jahre hier in Österreich und auf der WU gebracht? Nur verschwendetes Geld, verschwendete Konzentration, verschwendete 2 Jahre meines Lebens die ich nie nachholen kann, weil im Falle dass ich auf eine heimische Uni. hingehe, werde ich GANZ VON ANFANG AN beginnen müssen weil mir nur ZWEI Prüfungen von der WU angerechnet werden können.
    Ich bin verzweifelt…

    • Lieber Ratibor,

      die Ankündigung, die Regelung der Studiengebühren zu reparieren bzw. den Beitrag für Angehörige von Drittstaaten zu erhöhen, war nicht die Entscheidung der WU, sondern der österreichischen Bundesregierung. Die endgültige Entscheidung wird im Parlament getroffen. Die Regelungen werden danach an allen österreichischen Universitäten in Kraft treten, nicht nur an der WU.

      Informieren Sie sich bitte bei unserer Studienabteilung. Es gibt umfassende Erlassgründe von den Studiengebühren, von denen auch Drittstaatenangehörige, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen (siehe auch: http://www.wu.ac.at/programs/for/students/org/tuition/residence), profitieren.

    • Lieber Ratibor,

      als Drittstaatenangehöriger verstehe ich deine Sorgen. Als ein Wirtschaftsstudent solltest du aber wissen, dass die absolute Mehrheit deiner Ausbildungskosten (ueber 90%) oesterreichische Steuerzahler tragen. Ein Bildungssystem zum Nulltarif und ohne Zugangsrregeln/Studienplatzfinanzierung fuer Studenten aus der ganzen Welt waere eine Utopie, denkst du nicht?

      • Lieber There ain’t no such thing as a free lunch,

        nicht solch ein Fall ist vorhanden, wo ich den österreichischen Steuerzahler völlig ausnutze, ohne dass ich dem österreichischen Staat und der österreichischen bzw. europäischen Wirtschaft etwas beitrage. Es stimmt dass ich als ein Drittländer und Student nie rechtlich verbunden war bestimmte steuern zu zahlen, dass ein Einkommen mit sich bringt (was auch der Fall bei jeden anderen Student in Österreich der Fall ist). Ich, als Student bin zur Zeit in der Phase des intensivsten Verbrauches. Alles was ich zur Zeit tue, ist verbrauchen. Um etwas zu schaffen bin ich nicht berechtigt (einen Lohn von einer Arbeit einzunehmen). Dennoch habe ich in den letzen 2 Jahren, wie jeder andere Privater, die Umsatzsteuer für jeden meinen verbrauch gezahlt, was direkt in das österreichische Budget eingeht. In den letzten 2 Jahren habe ich auch jedes einzelne Mal,wo etwas in Euro gezahlt werden musste, den serbischen Dinar ins Euro umgetauscht. Das fördert auch der Stabilität des Euros bei. Ich habe bis jetzt der österreichischen Wirtschaft nur etwas beigetragen und nichts entnommen. Es ist ja nicht so dass ich das Sozialsystem Österreichs ausnutze wie manche Zuwanderer, die Arbeitslosengeld, Sozialhilfe,Familienbeihilfe etc. einheben und nichts der wirtschaft beitragen. Ich weis das die Beträge, die ich geleistet habe als ein Einzelner, minimal im vergleich mit der ganzen Budget-summe sind, dennoch habe ich der österreichischen Wirtschaft nichts entnommen, was alle andere EU Studenten auch nicht gemacht haben (für den Stromverbrauch derWU ,als banales Beispiel, der für alle Studierenden dargestellt ist, kann ich nicht als einziger verantwortlich gehalten werden). Also, ich förderte die Wirtschaft für 2 Jahre, nicht nur ich sondern auch viele andere Drittländer, wobei wir nichts von der Selben als Gegenleistung bekommen haben (weil uns der Zutritt zum Arbeitsmarkt verboten ist) und werden jetzt einfach von der WU indirekt ausgeworfen. Wir haben viel zu viel verloren. Das ist nicht fair …

      • Das stimmt alles…aber der Grund warum zB. die „Jugos“ die Studiengebühren auf der Hauptuni nicht zahlen müssen und nur die Hälfte des vollen WU-Tarifs zahlen (364€) ist, dass Österreich seine Kriegsschulden (der Erste Weltkrieg) an die Jugoländer nie bezahlt hat, welche Millionen Euro betragen, sogar Milliarden wenn man es umrechnen würde und die Zinsen einrechnen würde, aber dafür dürfen die Jugos quazi kostenlos studieren, weil Österreich angeblich kein Geld hatte, bzw. das Geld brauchte um sich nach dem Krieg wieder zu entwickeln…da ist die Rede nur über den Ersten Weltkrieg weil vom Zweiten Weltkrieg keiner die Kriegentschädigungen außer Britten und Franzosen erhalten hat…
        Also, ich probiere es zusammenzufassen…Ich betreibe ein Hotel und schulde Max Mustermann zB. ein paar Millionen €, und, da ich mein Hotel nicht verkaufen will und Kosenquenzen meines schlechten Umgehens mit Geld tragen will, mach ich einen Deal, und zwar dürfen die Kinder von Max Mustermann und Kinder ihrer Kinder für nächste hundert Jahre ermäßigt im Hotel essen, aber für alles andere den vollen Preis zahlen…
        Und noch eine Anmerkung…Das österreichische Sozialsystem und der Lebensstandard sind ohne Zufluss von billigerer Arbeitkraft und Geldern aus anderen Ländern, vor allem von Geldern die von ausländischen Studenten in die Österreiche Wirtschaft fließt, unhaltbar.

  • Ich würde gerne eine Erklärung lesen, warum ausländische Studierende doppelt so viel zahlen müssen, als die „Langzeitstudierende“. Wie ist das gerecht?

    Das es eine Entscheidung der Regierung ist, verstehe ich. Es wäre aber zumindest ein kleiner Trost, dass sich die WU dazu äußert, dass es unfair ist.

  • Man muss sowohl der Bundesregierung wie auch den Rektoren applaus zollen. Die Sargnägel der vormals wirklich guten österreichischen Universitätslandschaft verbringen die Zeit damit, sich möglichst zu überlegen, wie man möglichst vielen jungen Menschen die Zukunft konstruktiv verbauen kann.

    Weder gibt es mehr Geld, noch eine sinnvolle und transparente und vor allem nachvollziehbare (Ö ist das 6.reichste Land der Welt, hier gibt es keine Möglichkeit mehr Geld und Ressourcen für die Unis zu ermöglichen? Mir kommen echt die Tränen, hinsichtlich soviel Borniertheit) Regelung…

    Naja. Totengräber.

  • warum gleich 726 euro? könnte man nicht bei 363 euro lassen. z.B. in Salzburg dürfen die Studenten aus Nicht EU Länder nur bis 370 verdienen.Für uns wird es sehr hart. In Deutschland zahlen alle gleich ob EU Land oder Drittstaat.

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