WU Blog

Herzlich willkommen auf dem WU-Blog! Hier findet ihr eine Reihe an Blogbeiträgen von Studierenden, ForscherInnen, Lehrenden, Alumni und MitarbeiterInnen – mach mit!

Wer kämpft wofür?

In der Ausgabe der ÖH Zeitschrift „WU aktuell“ vom 16. April meint der ÖH-Vorsitzende Herr Tafart, „das WU-Management“ habe sich von den steigenden Studierendenzahlen in den Masterprogrammen „einfach überraschen“ lassen. Ich möchte Ihnen meine Replik, die in der aktuellen Ausgabe des „WU aktuell“ veröffentlicht wird, auch auf unserem Blog näher bringen.

Herr Tafart irrt, wenn er meint, das „WU-Management“ habe sich von der steigenden Studierendenzahl überraschen lassen. Vielmehr haben wir seit mehreren Jahren konsequent auf eine Lösung des Problems hingearbeitet, haben aber leider bisher bei den politischen Entscheidungsträger/inne/n noch kein Gehör gefunden.

Konsequenter Einsatz rechtlicher Mittel

Die WU hat bereits im Jahr 2009, nämlich  in der derzeitigen Leistungsvereinbarung für die Jahre 2010-2012, die Kapazitätsgrenzen für die Masterstudien definiert und dabei das Versprechen erhalten, dass bei darüber hinausgehenden Studierendenzahlen unverzüglich eine Lösung herbeigeführt wird. In den ersten Semestern dieser Leistungsvereinbarungsperiode wurden allerdings nur für die Bachelorprogramme Zusatzkapazitäten genehmigt, weil damals die Zahl der Masterstudierenden noch nicht groß genug war. Dies war auch eine an sich richtige Entscheidung, denn niemand (wohl auch nicht die ÖH) hätte es im Jahr 2010 verstanden, wenn wir damals z.B. keine zusätzlichen SBWL Plätze geschaffen hätten, um Kapazitäten für spätere Probleme bei den Masterstudien gleichsam freizuhalten.

Schlichtungsverfahren aufgrund prekärer Situation

Aufgrund der insgesamt prekären finanziellen Situation hat die WU dann 2011 das Schlichtungsverfahren gestartet. Während dieses Verfahrens (also im Wintersemester 2011) stieg die Zahl der Masterbeginner/innen erstmals über die Kapazitätsgrenze. Deshalb haben wir schon  im Zuge dieses Verfahrens zusätzliche Mittel zur Lösung der Kapazitätsprobleme in den Masterstudien gefordert, was allerdings von der Schlichtungskommission aus juristischen Gründen abgelehnt wurde. Vielmehr wurden wir mit diesem Anliegen wieder an das Ministerium verwiesen.

Forderung nach mehr Geld für Ausbau von Masterkapazitäten

Das Rektorat hat natürlich nicht locker gelassen. Sofort nach Abschluss des Schlichtungsverfahrens ist die WU wieder beim Ministerium vorstellig geworden und hat mehr Geld für den Ausbau der Masterkapazitäten verlangt.  Das Ministerium erklärte, dass nunmehr alle Geldreserven erschöpft seien und hat uns nahegelegt, Anträge auf Zugangsregeln nach § 124 b(6) UG für die deutschsprachigen  Masterstudien zu stellen. Wir arbeiten zwar daran, wissen aber, dass solche Regeln unbedingt mit einem Ausbau der Master-Studienplätze insgesamt einhergehen müssten, um den Studierenden eine Verbesserung zu bringen.

Masterkapazitäten sind Kernforderung

Deshalb ist der Ausbau der Masterkapazitäten auch eine unserer Kernforderungen im neuen Leistungsvereinbarungsentwurf für 2013-2015, der dem Ministerium Ende April vorgelegt wurde.  Darin fordern wir 330 zusätzliche Plätze in den deutschsprachigen Masterprogrammen. Wir werden sehen, wie das Ministerium darauf reagiert.  Sollte keine Lösung zustande kommen, werden wir wieder rechtliche Schritte einleiten – denn die Situation ist auch aus unserer Sicht unhaltbar. Die Studierenden sind die Opfer einer nur mehr als zynisch zu bezeichnenden Unipolitik – es gibt weder Zugangsregeln noch genügend Geld für die Ausweitung der Kapazitäten. Dies gilt für die Bachelor-, die Master- und die Doktoratsprogramme!  Das Problem wird einfach ignoriert und die Studierenden bleiben auf der Strecke.

Verbesserungen aus eigener Kraft

Davon abgesehen möchte ich darauf hinweisen, dass wir nicht nur alle Hebel politischen Lobbyings, der Öffentlichkeitsarbeit und der gesetzlichen Möglichkeiten nutzen, um an einer Verbesserung zu arbeiten, sondern auch im Rahmen der beschränkten Möglichkeiten an der WU einen Beitrag leisten. Wie bieten ab Herbst 2012 bereits 140 Master-Studienplätze mehr an, als in den gültigen Leistungsvereinbarungen vorgesehen. Aus eigener Kraft und dank der Tatsache, dass unsere Lehrenden mehr lehren als sie eigentlich  müssten.

Setzen wir uns gemeinsam für unsere WU-Studierenden ein

Wir brauchen eine Bündelung unserer Kräfte, um für eine Verbesserung der Studienbedingungen und für eine Lösung der Kapazitätsprobleme zu kämpfen. Wechselseitige Anschuldigungen, wer was vernachlässigt hätte, bringen gar nichts. Im Namen des Rektorats lade ich daher die ÖH zum gemeinsamen Einsatz für einen Ausbau der Kapazitäten ein.

2 Diskussionen über
“Wer kämpft wofür?”
  • Hier findet ihr die Stellungnahme vom Vorsitzenden der ÖH WU, Christian Tafart, zur Stellungnahme des Rektors:
    http://www.oeh-wu.at/aktuelles/1173-vor-der-eigenen-haustuere-kehren.html

  • Liebe LeserInnen, lieber Herr Tafart,

    mit Interesse habe ich Ihre Replik auf meine Antwort zur Masterthematik an der WU gelesen. Es ist uns bewusst, dass dieses Thema vielen WU-Studierenden ein großes Anliegen ist. Immer wieder habe ich drauf hingewiesen, dass Bachelor- und Masterprogramme verbundene Gefäße sind und es daher zu großen Problemen bei den Masterplätzen kommen wird, sollte es nicht endlich zu einer prinzipiellen bildungspolitischen Lösung des WU-Dilemmas kommen. Das war auch schon in dem vom Rektorat angestrengten Schlichtungsverfahren ein wichtiges Thema.

    An dieser Stelle möchte ich noch einmal festhalten, dass ich eine Aufstockung der finanziellen Mittel und damit verbunden eine Ausweitung der Masterplätze als erste Priorität ansehe und weiterhin dafür kämpfen werde – nunmehr in den Verhandlungen zu den neuen Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium. Selbstverständlich ziehe ich diese Lösung der Einführung von Zugangsregeln mittels §124b vor. Das ändert aber nichts daran, dass in einer Situation, wo wir nicht genug Kapazitäten haben, es immer noch besser ist, durch Zugangsregeln eine faire und transparente Zuteilung von knappen Plätzen auf die Bewerber/inn/en vorzunehmen als alle Bewerber/inn/en zuerst aufzunehmen und dann wieder eine de facto Studieneingangsphase in den Masterstudien zu etablieren.

    Ich möchte auf die drei Eckpunkte der ÖH näher eingehen.

    1. Inoffizielle WU-AbsolventInnen-Quote von höchstens 40% und Intransparenz in einem selektiven System

    Es gibt an der WU keine Vorgabe, höchstens 40% an WU-Absolvent/inn/en in unsere Masterprogramme aufzunehmen, weder offiziell noch inoffiziell. Ich kann nicht nachvollziehen, woher die von Ihnen behaupteten Gerüchte kommen. Natürlich hat sich die WU stets um ihren internationalen Ruf bemüht – das dient unseren Studierenden und Lehrenden ganz allgemein. Die Qualität einer Universität wird international auch daran gemessen, wie attraktiv diese für ausländische Studierende ist. Der Gedanke, der dem Bologna-System zu Grunde liegt, ist unter anderem, den Masterabschluss an einer anderen Universität als den Bachelorabschluss zu machen, noch mehr aber, überhaupt für das Masterstudium in ein anderes Land zu gehen. Es steht WU-Studierenden offen, ihren weiteren Abschluss an einer Universität ihrer Wahl zu absolvieren – genauso wie es im Gegenzug und auch im Sinne der Internationalität ausländischen Studierenden frei steht, für ihren Master an die WU zu kommen. Bitte bedenken Sie: Im europäischen Zusammenhang entsteht für jeden „Incoming“ Studierenden eine neue Gelegenheit für eine/n Österreicher/in, ins Ausland zu gehen.

    Das Auswahlverfahren bei den englischsprachigen Masterprogrammen setzt sich aus quantitativen und qualitativen Methoden, hier vor allem Interviews, zusammen. Es wird Wert darauf gelegt, dass mehrere Personen an der Auswahl für die jeweiligen Programme beteiligt sind. Wie alle Verfahren haben auch qualitative Vor- und Nachteile, wobei ich davon überzeugt bin, dass die Vorteile bei den qualitativen Verfahren, wie persönlichen Interviews, klar überwiegen. Wir sind aber gerne bereit, sowohl mit den Lehrenden, als auch den Studierenden eine Diskussion über die Art der Aufnahmeverfahren für die Zukunft zu führen und nehmen alternative Vorschläge gerne auf.

    2. Faire Notengebung

    Dass der Notendurchschnitt an der WU im Vergleich zu anderen Universitäten schlechter ausfällt, ist uns natürlich bewusst. Leider ist auch dieser eine Folge fehlender Zugangsregeln, dem hochgradig selektiven Charakter der Studieneingangsphase und den zu schlechten Betreuungsverhältnissen. Hier ist eine klare Forderung an die Politik zu richten, auch seitens der ÖH. Wir sind aber gerne bereit, auch intern zu überprüfen, wie Verbesserungen im Notendurchschnitt herbeigeführt werden können (z.B. mit Hilfe einer besseren Betreuung im Common Body of Knowledge, nachdem wir jetzt die neue STEOP haben).

    Außerdem haben wir mit der Einführung der „Rector´s List“ bewusst eine Maßnahme gesetzt, um die Nachteile, die die WU-Absolvent/inn/en bei Bewerbungen aufgrund ihrer schlechteren Noten haben, zu kompensieren – und wir wissen aus zahlreichen Rückmeldungen, dass dieses System auch wirkt.

    3. Unterstützung im Bewerbungsprozess um Masterplätze

    Wir nehmen auch diesen Vorschlag der ÖH zur Kenntnis und werden intern prüfen, wo und wie die WU Sie hier unterstützen könnte. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, „Trainings für Bewerbungsgespräche“, eventuell mit Hilfe der In-house Expertise des ZBP Career Centers, gemeinsam mit der ÖH anzubieten bzw. auszuweiten.

    An der WU findet übrigens zweimal im Jahr ein Masterday satt, an dem neben dem Angebot der WU auch Partneruniversitäten aus dem Ausland ihr Portfolio vorstellen. Bitte nutzen Sie auch diese Gelegenheit, um die Vertreter/innen der Universitäten nach Informationen und Tipps, auch zum Thema Bewerbung, zu fragen.

    Ich freue mich über die Anregungen der ÖH WU und auch darüber, dass wir diesen Austausch öffentlich führen können.

Kommentar verfassen

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.