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Diskussion um Masterplätze

Das Email einer Studentin der WU darf ich zum Anlass nehmen, die Diskussion um die Master-Plätze, die im WUaktuell begonnen wurde, im Blog fortzusetzen und lade Sie ein, sich daran zu beteiligen.

Sehr geehrter Prof. Badelt,

mir ist bewusst, dass Sie in letzter Zeit auf das Thema Master sicher schon oft angesprochen wurden und dass Sie die Problematik schon kennen. Ich verstehe schon, dass die WU nicht die finanziellen Möglichkeiten hat um die Masterplätze auszuweiten doch ärgere ich mich dass die vorhandenen Masterplätze oftmals unfair vergeben werden. Mir ist schon klar, dass es für die WU wichtig ist, dass englischsprachigen Master Internationalität aufweisen.

Doch kann ich es nicht verstehen, warum die Master extra im Ausland beworben werden, während die eigenen Studenten vor geschlossener Türe stehen. Mir ist schon bewusst, dass internationale Studenten der WU helfen weiter nach vorne in den Rankings zu kommen, aber ich möchte anmerken, dass die WU keine Privatuniversität ist. Sie wird aus den Steuergeldern MEINER Eltern bezahlt.

Ich bin mit meinen Noten unter den besten 10% aller Studenten der WU. Aber meine Chancen sind aussichtlos jemals einen Masterplatz hier bekommen zu können. Und so gut wie all meinen Kollegen geht es ähnlich. Ich bin der Meinung dass, aufgrund der verschärften Situation, die WU im Ausland keine Werbung mehr machen sollte. Weiters sollte österreichische Studenten Vorrang gegenüber Ausländern gegeben werden. Rankings sind natürlich eine Sache, aber sehen wir der Tatsache ins Auge: Die WU ist eine öffentliche Universität. Sie hat primär die Aufgabe jedem das Recht auf ein Studium zu geben.

Eine Studentin

Vorweg: Ich bedauere es sehr, dass wir an der WU eindeutig zu geringe Kapazitäten in den Master-Studien haben. Ich muss aber ablehnen, dafür die Verantwortung zu übernehmen, wie in meiner Stellungnahme im jüngsten WUaktuell näher ausgeführt wird. Ich wüsste wirklich nicht, wo und wie wir noch mehr um die Lösung des Problems hätten kämpfen können – wir kommen immer wieder zum generellen Thema zurück: eine Situation, in der es WEDER genug Geld (für Kapazitäten in der Lehre) NOCH Zugangsregeln gibt (um wenigstens die knappen Plätze fair und transparent zuteilen zu können), ist reiner Zynismus.

Die Unzufriedenheit von Studierenden, wenn sie in einem gewünschten Masterprogramm keinen Platz erhalten, verstehe ich daher sehr gut. Davon abgesehen möchte ich bei dieser Gelegenheit aber auch auf ideelle und faktische Hintergründe im Rahmen der Bologna-Umstellung hinweisen.

Hinter Bologna steckt die Idee, die internationale Mobilität zu fördern und insbesondere der Gedanke, nach einem Bachelor-Abschluss vorerst arbeiten zu gehen und sich für ein Master-Studium dann eine geeignete Spezialisierung mitunter an einer internationalen Universität zu suchen.

Faktisch kommt dazu, dass wir schon in den 4-jährigen Diplomstudien ein Kapazitätsproblem hatten. Es gab für die Bologna-Umstellung keinerlei zusätzliches Budget. Würden nun sämtliche Studierende Bachelor- und Masterprogramme an der WU absolvieren, wäre das eine Ausweitung des Studiums auf 5 Jahre, was weder intendiert noch finanziert ist.

Ein wesentlicher Eckpfeiler der WU-Strategie ist die Internationalisierung, und zwar nicht als Selbstzweck oder für Rankings, sondern im Interesse der Studierenden und Lehrenden der WU. Die Qualität einer Uni wird international unter anderem daran gemessen, wie attraktiv sie für ausländische Studierende und Lehrende ist, und daher ist dieses Interesse aus dem Ausland grundsätzlich zu begrüßen. Die Werbung, die in bescheidenem Ausmaß international für die Programme der WU getätigt wird, ist ein kleiner Teil einer Internationalisierungsstrategie, zu der sich das Rektorat bekennt, und zwar nicht im eigenen, sondern im Interesse aller WU-Angehörigen.

Bitte bedenken Sie: Die Wirtschaft hat sich globalisiert, das Bildungswesen ist globalisiert. Der internationale Ruf Ihrer Universität ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass Ihr WU-Diplom nicht nur in Wien, sondern auch im Ausland angesehen ist. Hier geht es nicht um die Eitelkeit des Rektorats, sondern um unsere Verantwortung für unsere Absolvent/inn/en!

Erfreulicherweise erhalten wir immer wieder Rückmeldungen, dass unsere Bachelor-Absolvent/innen in internationalen Masterprogrammen Europas durchaus gerne aufgenommen werden und dort gute Leistungen erbringen, was uns sehr freut.

Dass wir insgesamt an einer Verbesserung der Situation arbeiten müssen, dessen sind wir uns im Rektorat bewusst und ich darf auf einen weiteren Blog-Beitrag zu den Vorschlägen des ÖH-Vorsitzenden im letzten WUaktuell verweisen, in dem ich auf einige über das Mail der Studierenden hinausgehende Argumente eingehe.

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17 Diskussionen über
“Diskussion um Masterplätze”
  • Ihr Link zum weiteren Blog-Beitrag (http://blog.wu.ac.at/2012/05/2012/05/wer-kaempft-wofuer/#comment-372) funktioniert nicht.

  • Ich kann der Kollegin nur zustimmen. Ich habe mein Bachelorstudium an der WU in Mindestzeit und mit gutem Notenschnitt absolviert (laut Student Ranking gehöre ich zu den besten 5%), dennoch konnte/kann ich an der WU keinen Master machen, sondern musste dafür an die Uni Wien wechseln. Dass ich dort in kurzer Zeit einige Kollegen kennen lernte, die ebenfalls WU-Absolventen sind, zeigt, dass es auch genug anderen Studenten ähnlich geht. In unserem Interesse ist die Internationalisierung der WU daher sicherlich nicht.

  • Ich kann dem Brief der Kollegin nur zustimmen und empfinde die Antwort des Rektorats als sehr schwach, nicht lösungsorientiert und realitätsfremd!
    Auch alle anderen Kritikpunkte, die unter anderem vom ÖH-Vorsitzenden Christian Tafart aufgezählt wurden, kann ich aus meiner Erfahrung (ich schließe im Sommer mein IBW Studium ab) voll und ganz teilen!
    Die Erfahrung zeigt, dass man international belächelt wird, wenn man ein Semester hinter der Mindeststudienzeit liegt. An der WU muss man darüber allerdings froh sein und an vielen Stationen seines Studiums vom Glück verfolgt gewesen sein, um das zu schaffen.
    International wird man belächelt, wenn man einen Notendurchschnitt von über 2 hat. Auf der WU wird einem ein besserer Notendurchschnitt auf vielerlei Wege erschwert.
    Davon, dass es eine Frechheit ist, dass der Studienplan erst nächstes Semester Bachelor-tauglich gemacht wird und alle Studenten der letzten Semester quasi zum Handkuss gekommen sind, fang ich gar nicht an…
    Die Devise lautet: So schnell wie möglich weg von der WU!

  • ich kann mich ebenfalls nur vollinhaltlich dem brief der studentin anschliessen.

    was die wu mit den bachelor absolventen/studierenden anstellt, ist so dermaßen unterm hund, dass man sich ehrlich fragen sollte, ob hier nicht das – übrigens sehr missglückte umgesetzte – bachelor-master-system missbraucht wird, um auf dem track zur elite universität zu bleiben. was wie in dem brief richtig angeführt ist – sicher nicht die aufgabe einer mit steuermitteln österr. steuerzahler öffentlich-finanzierten universität ist. Es drängt sich stark der verdacht auf, dass der kommentar mit der Internationalität ein wenig ein notargument ist. denn während das „fördern“ von mobilität ja gut ist, ist da „erzwingen“ von mobilität wohl definitiv kein ziel des bologna-systems. Oder, lieber Hr. Rektor Badelt, was würden Sie sagen – Sie haben ja offenbar ihren Lebensmittelpunkt in Österreich, Familie, Job, Freunde, div. andere Tätigkeiten (Vereine, …) – wenn sie zur weiteren Ausübung ihres Jobs ins Ausland gezwungen werden würden?

    Man kann über die Dinge, die da passieren nur den Kopf schütteln. Allmählich sollten sich Rektoren und Politik bewusst werden, dass es hier nicht um Schuhschachteln geht, die von A nach B verschoben werden, oder halt eingelagert, billigst verschachert oder ähnlich werden, sondern um junge, bildungswillige Menschen, die an den Rand des erträglichen gedrängt werden…

  • Ich hingegen schließe mich Hr. Dr. Badelt an und kann einigen Ideen der Kollegen nur wenig abgewinnen.

    Ich verstehe eure Bedenken und euren Ärger, vor allem jeder Einzelfall ist ärgerlich an sich, wenn man sich in den Frühlingsmonaten für einen Master bewirbt, nicht aufgenommen wird und dann spontan ein Jahr überbrücken muss um sich nochmals bewerben zu können. Die Nachfrage nach Masterstudienplätzen übersteigt ganz klar das vorhandene Angebot. An Geld fehlt es definitiv an jedem Ende der Republik und eine derart signifikante Budgetaufstockung, die allen Studenten den Zugang zu Masterstudien OHNE Studiengebühren und OHNE Zugangsbeschränkungen ermöglicht wird es in naher Zukunft auch sicherlich nicht geben. Nun muss mit dieser Situation auf die eine oder andere Art und Weise umgegangen werden. Deshalb sind Zugangsbeschränkungen zu diesem Zeitpunkt die wohl beste derzeit verfügbare Alternative um ein gewisses Qualitätsniveau der Lehre im Angesicht beschränkter Kapazitäten aufrecht zu erhalten. Ich persönlich halte Zugangsbeschränkungen (wo sie Sinn machen) für den einzig sozial fairen Garanten um die Qualität in den vorhandenen Studien zu garantieren wo Kapazitäten endlich sind (und das sind sie meist). Studiengebühren alleine sind es nicht, denn hier kann argumentiert werden, dass sich das Studium einfach nicht jeder leisten kann. In Kombination mit Zugangsbeschränkungen allerdings (unter einem Ausbau des Stipendiensystems) können Zugangsbeschränkungen sicherstellen, dass die vorhandenen Plätze möglichst fair zugewiesen werden können. Soweit war dies ja aber auch nicht der Streitpunkt.

    Eure Bedenken und Vorschläge allerdings, Programme nicht mehr international anzuwerben und Österreicher bei der Bewerbung zu bevorzugen richtig sich in letzter Konsequenz völlig gegen die Studenten. Wie schon gesagt wurde, ein international guter Ruf und Internationalität im Programm stellt sicher, dass der Abschluss auch jenseits des Bodensees anerkannt wird und wir dafür gute Jobangebote bekommen und die Möglichkeit haben, im Ausland zu arbeiten. Seht euch den WU Alumni Club und seine Hubs im Ausland an. Viele WU Alumnis wählen den Weg ins Ausland und das wird dadurch ermöglicht.

    Des Weiteren finde ich den hohen Internationalisierungsgrad mancher WU Masterprogramme befruchtend für die Studenten, da der Ideenaustausch und der Dialog viel mehr gefördert wird und einfach mehr voneinander gelernt werden kann. Die Freiheit ausländischer Studierender in Österreich zu studieren, falls sie die Aufnahmenhürden meistern, beruht ja auch auf Gegenseitigkeit. Wir können uns ebenfalls im Ausland bewerben und werden dort auch durchaus aufgenommen. Ich habe Freunde die für ihren WU Bachelorabschluss 8, 9 Semester gebraucht haben und jetzt in Stockholm, Kopenhagen oder sonst wo ihren Master machen, an guten Unis. Diese Internationalisierungsstrategie macht Sinn so wie sie betrieben wird. Und die Idee, Studienplätze präferiert an Österreicher zu vergeben ist nicht nur widersinnig im Sinne der späteren Chancen am Arbeitsmarkt, sondern auch europarechtlich nicht problemlos realisierbar.

    Ein WU Student

  • ad F.

    du scheisnt entweder övp gebrainwasht worden zu sein, oder denkst nicht sehr weit.

    fragen wir mal so: soll dein sohn / deine tochter einmal das mit dem leben anfangen können, was er/sie will? Und wie würdest du als Mutter/ Vater dann reagieren, wenn dein Nachwuchs, trotz bester Noten, trotz hoher Motivation, und trotz Hochsteuerquote (die dann wahrscheinlich statt jetzt 43% dann 50% sein wird) keine tertiäre Ausbildung im eigenen Land konsumieren kann? (alle Plätze weg?, wie bei der EMS-Lotterie der Medizin)

    Ach ja, das ist Dir ja egal, weil Du ja mal Vorstandsboss wirst, und froh bist, dass dein Kind nicht mit dem Pöbel gemeinsam studieren muss, sondern Du einen sechsstelligen Betrag für eine Eliteuniversität aufwenden kannst.

    Was Du nicht verstanden hast, ist das das Einführen von zugangsbeschränkungen (bzw. das weitere Implementieren, da wir defacto eh schon welche haben) und Studiengebühren nur ein erster Schritt für den Weg ins 17. Jahrhundert ist. Viel spass am weg dorthin.

    Außerdem: es ging hier ja darum, dass trotz zu wenig Budget das vermutlich nicht billige Anwerben im Ausland zusätzlich noch bezahlt wird.

    Und nochwas: Die Unis zahlt der österr. Steuerzahler, daher ist eigentlich nicht einzusehen, warum hier eine Inländerdiskriminierung durchgeführt wird.

      • Achja, der Polemiksager… ist ein Anzeichen dafür, dass einem die reaktiven Kommentare ausgehen, auch Argumente genannt.

        Aber wenn schon Kritik an Polemik, dann doch eher an folgendem Sager:
        „An Geld fehlt es definitiv an jedem Ende der Republik …“

        Geld, um das Hemterl zu stärken, damit man dann die Polemik des Gegenarguments kritisieren kann, ist aber wohl immer da ;)?

  • Hallo allerseits,

    Also mal alles der Reihe nach: Zunächst, schade Technic, dass du das Niveau dieser Diskussion mit deiner Wortwahl so herunterziehst, mich als angehenden Vorstandsboss ohne Skrupel diffamierst und mir in den Mund legst, ich wolle meine Kinder nicht mit dem „Pöbel“ studieren lassen. Aber das macht eben die Anonymität des Webs, dass du dich hier Technic nennen kannst (Ich weiß, ich verwende auch ein Pseudonym, kann aber sachlich diskutieren) und deshalb nicht mehr manierlich diskutieren musst, sondern deine Sprüche in die Tastatur hämmern kannst.

    Also, bin ich nun ein elitärer Schnösel, weil ich gesagt habe, dass ich Leute kenne, die sehr wohl mit einem Bachelorabschluss über Mindestzeit an einer Uni im Ausland angenommen wurden? Wie genau kann ich es dir recht machen? Das Argument war, dass man mit dem WU Bachelor ja keine andere Möglichkeit hätte, als in Österreich zu studieren, da man anderswo damit nicht punkten kann. Das stimmt nicht. Wie mich das zum reichen Schnösel macht sehe ich nicht. Dass das eine Frage der Finanzierung ist, zweifellos. Ich selbst könnte es mir ohne Studentenfinanzierungsmodell nicht leisten! Aber die Möglichkeit gibt es, auch mit Rückzahlung nach dem Abschluss. Und wenn mein Sohn/Tochter die besten Noten hat und hochmotiviert ist, wird er/sie auch einen Platz für einen Master an der WU bekommen. Ich kenne niemanden, auf den das zutrifft und der trotz alledem keine Chance auf einen Platz hätte.

    Weiters, ich weiß was hier die Frage war, habe nur prinzipiell die Vorgeschichte meinerseits erläutert. Dass es hier hauptsächlich um die Vergebung von Plätzen an ausländische Studierende geht, weiß ich, habe ich auch in vorigem Kommentar erwähnt.

    Ich habe auch gesagt, dass Studiengebühren keine Ideallösung sind. Vor allem nicht, wenn das Geld nicht zweckgebunden den Universitäten zu Gute kommt, sondern damit Budgetlöcher in anderen Sektoren als der Bildung gestopft werden. Aber deiner Ansicht nach also, sind Zugangsbeschränkungen aufgrund limitierter Kapazitäten eine Praktik des 17. Jahrhunderts?? Ich denke eher, dass sie die einzige Möglichkeit sind, mit limitierten Kapazitäten umzugehen (die es nun mal gibt, akzeptieren wir das und führen damit die Diskussion fort). Ohne Zugangsbeschränkungen passiert genau das, was mit dem WU Bachelor momentan passiert und die Lehrqualität einfach schädigt: Denn eine Erweiterung der Lehrkapazitäten um das 5-Fache um allen Studierenden ein WU Studium hoher Qualität zu ermöglichen, ist einfach unrealistisch und wird nicht passieren. Und da es diese Einschränkungen einfach gibt, ist ein Studium ohne Zugangsbeschränkungen von Undergrad bis PhD, kostenlos, ohne Leistungsanforderungen und Studiengeschwindigkeitsregulierungen, egal wieviel gebummelt wird, etc., einfach nicht durchführbar (und auch nicht wünschenswert, auch nicht für den Arbeitsmarkt). Und fändest du das etwa auch dem österreichischen Steuerzahler gegenüber fair und zumutbar??

    Ich weiß was du jetzt denkst: Was für ein elitärer, unsozialer Schnösel! Aber warum? Ich sage nichts mehr als dass eine Lösung für limitierte Kapazitäten her muss. Und Zugangsbeschränkungen sind eine sozial faire Lösung, da sie Qualifikation und nicht das Bankkonto abfragen. Ich selbst studiere an der WU. Namen wie LSE oder HEC Paris wirst du in meinem Lebenslauf nicht finden! Das dazu. Prinzipiell verstehe ich nicht, warum das in Österreich so ein Theater ist (verzeihe die Ausdrucksweise): Von welcher anderen Uni weltweit verlangt man, das 5-Fache ihrer Kapazitäten unter Aufrechterhaltung der Qualität ohne Anforderungen, Studienbeiträgen oder Zugangsbeschränkungen aufzunehmen?

    Ich sehe bei der Auswahl für die Masterstudienplätze auch keine Diskriminierung von Inländern (der ich selbst bin). Das hieße ja, dass man Inländer bewusst benachteiligt und Ausländer bevorzugt. Ist definitiv nicht der Fall. Ich habe viele österreichische Studienkollegen und -Kolleginnen. Soll man etwa keine Plätze an ausländische Studierende vergeben oder nur dann, wenn die/der letzte/r österreichische Bewerber/in, unabhängig der Qualifikation einen Platz hat? Das wäre der Rückschritt ins 17. Jahrhundert, den du vorhin so theatralisch ins Spiel gebracht hast (und ist, nochmals, europarechtlich so nicht machbar)..Genauso wenig werden österreichische Bewerber/Innen im Ausland bevorzugt oder benachteiligt. Oder werden Ausländer bei der Bewerbung für ein Masterstudium an der WU schon allein dadurch bevorzugt, weil im Ausland beworben wird? Die Werbung, die die WU auf diversen Messen wie der QS Grad World Tour u.ä. macht, ist, wie schon erwähnt, überaus bescheiden. Das fällt wohl auch finanziell nicht sehr ins Gewicht.

    Was mich aber interessieren würde: Du warst schnell mit Urteilen über mich und hast deine Meinung zu meiner Meinung zum Ausdruck gebracht. Was aber sind deine Lösungsansätze. Was würdest du tun unter Anbetracht knapper Ressourcen? Deine Aussage „Was Du nicht verstanden hast, ist das das Einführen von zugangsbeschränkungen (bzw. das weitere Implementieren, da wir defacto eh schon welche haben) und Studiengebühren nur ein erster Schritt für den Weg ins 17. Jahrhundert ist. Viel spass am weg dorthin.“ ist ja nicht sehr spezifisch.

    Ps. Von welcher EMS-Lotterie sprichst du? Der Grund warum sich so viele Deutsche qualifizieren ist der, dass es in deutschen Schulen Vorbereitungen in Form unverbindlicher Übungen in sekundären Bildungseinrichtungen gibt, während man für solche Kurse in Österreich viel bezahlen muss und sich parallel zur Matura dann für den EMS Test im Juli vorbereiten muss. (Deutschland ist da ganz offensichtlich schlauer als wir) Ist wirklich jedes Auswahlverfahren eine Lotterie deiner Ansicht nach?

    PPs. Ich sehe die Polemik in der Aussage „An Geld fehlt es definitiv an jedem Ende der Republik“ nicht. Wieso soll das polemisch sein und inwieweit willst du genau über diese Aussage mit mir diskutieren? Da ist wohl dein Vorstandsboss und Pöbel-Spruch provokant polemischer und billiger.

  • schau, lieber f.

    bei uns beiden prallen weltbilder aufeinander.

    aber wenns so sein soll, dann diskutieren wir über die ausgangslage:
    – junge menschen machen die matura, viele in ahs. Diese Ausbildung berechtigt zum Besuch einer Universität, wird mit „allgemeiner“ Universitätsreife bezeichnet (im ggs. dazu existiert auch eine spezielle Universitätsreife, die aber – wenn du im Gesetz nachliest – auch keine quantitative Zugangsschranke ist). Es gibt aber für diese jungen Menschen mit Matura, wenn es nach Töchterle, oder auch dir geht, in Hinkunft keine ausreichende Zahl an tertiären Bildungsmöglichkeiten… Das ist meiner Ansicht nach – wenn wir es schon bwl-mäßig formulieren wollen – ein Potentialverlust. Ein großer. Mal abgesehen davon, dass es sich um Menschen handelt, und nicht um Schuhschachteln.

    Das problem liegt also woanders – wozu bringt man möglichst viele menschen ins schulsystem, das nur sinnvoll ist mit anschließender tertiärer Bildung, ermöglicht dann aber nicht ausreichend Kapazitäten in solchen Bildungseinrichtungen. Als Bürger käme ich mir gefrotzelt vor. Auch das eine Zwangsmobilität damit provoziert wird, und von Seiten der EU noch als gewünscht dargestellt wird. Ich habe auch gerne meine Auslandssemester gemacht, freiwillig, aber ich werde ungern von „höherer“ Stelle dazu genötigt. Darüberhinaus weise ich auf das von C. Tafert in den letzten Wu-Aktuells angeführte Problem mit den schlechteren Notenverhältnissen hin…

    Du siehst keine Inländerdiskriminierung und schreibst dann solcherartiges über den EMS – Test? Das ist nichts anderes als Inländerdiskriminierung… wenn die Deutschen besser auf so etwas vorbereitet werden, unentgeltlich dazu, während bei uns die leute bangen oder teure nachhilfe löhnen müssen.

    Meine Argumentation mit dem österr. Steuerzahler ist übrigens schon wieder ganz untergegangen – nachdem der öst. Steuerzahler die Unis finanziert, kann er wohl davon ausgehen, dass seine Kinder eine faire, vernünftige und fundierte Ausbildung erhalten bzw. ermöglicht bekommen. Das ist im Moment eine Farce.

    Weiters: Die Schweiz – universitätstechnisch bekanntermaßen ein Entwicklungsland, nicht wahr 😉 ? – hat für Schweizer Bürger keine Zugangsschranken. Nicht mal an der ETH Zürich… und die ist ja bekanntermaßen eine der schlechteren Unis, nicht wahr?

    Lieber starfish, lieber f., ich würde gerne eure langen gesichter sehen, wärt ihr nochmals 18, 19, 20 Jahre alt, und würde euch euer Wunschstudium verwehrt werden…. dann wäre bei euch vermutlich auch meinungstechnisch eine geringe Abweichung von der Parteilinie drin. Aber solange die eigenen Pfründe im sicheren sind…

    Ad deinem letzten Absatz: Solange Geld für sinnlose Infrastrukturprojekte, überzogene Politikergehälter, korrupte Politikpfründe, massivst überzogene Parteienförderungen und dergleichen vorhanden ist, kann wohl von “An Geld fehlt es definitiv an jedem Ende der Republik” keine Rede sein. Oder gewichten die lieben Vorredner das alles wichtiger als die Förderung der Bildung der eigenen Jugend, des eigenen Nachwuchses? Ich bin gespannt, mit welchen Winkelzügen ich jetzt wieder als Polemiker beschimpft werde…

  • ad lösungsansätze:
    erstens:
    Unigebäude ins eigentum der Unis, statt der Big moantlich Miete aufs aug zu drücken, und dann noch selbst alle Infrastrukturbaumaßnahmen bezahlen müssen.
    Historsch gehören die Unigebäude den Universitäten
    zweitens: Verwaltung einsparen. Wozu benötigen neun Wiener Unis neun Rechtsabteilungen, Neun PRAbteilungen, neun Studienabteilungen… hier geht potential verloren
    drittens: Anpassung der Unidotierung an die Inflation, und einmaliger Ausgleich des Realgeldverlusts seit – sagen wir 1990. Gleiches übrigens auch mit den gehältern der uni bediensteten. Keine andere Beschäftigtengattung ist in den letzen 20 Jahren so dermaßen heruntergehungert worden. Die Metaller oder auch die Lehrer hätten es wohl nie zugelassen, so im Regen stehen gelassen zu werden.
    viertens: Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Peanuts, nicht wahr, wolferl Schüssel? Als Studiengebühren aber plötzlich nicht mehr…=> Diese Steuern als Replacement für Studiengebühren
    fünftens: Weg mit der Steop oder austausch in eine richtige Orientierungsphase. Diese darf am Anfang einer Sequenz stehen, aber muss die gleichen Antrittsbedingungen (d.h. min 4. Antritte bieten), und darf keine quantitative Schranke, maximal eine qualitative sein (was rein vom universitären Niveau früher von selbst gewährleistet war…)
    sechstens: die konservative fraktion in opposition. das ist das allerwichtigste.
    siebtens: paradigmenwechsel in der österr. bevölkerung: statt studierende als faule gfraster zu betrachten, sollte man beginnen, sich international anzupassen: sich nämlich darüber zu freuen, dass die jungen Menschen in dem Land lern- und studierwillig sind.

    Damit könnte man mal anfangen.
    Kostet vielleicht alles ein wenig.
    Aber bringt sicher eine höhere Rendite als jeder Volkswirtschaftsrettungsschirm (der wohl eher ein komplett abschreibposten werden wird).

    • Das sind alles politische Forderungen, mit denen eine Universitätsleitung schlicht nichts zu tun hat. Was kann das Rektorat für eine allgemeine Studentenfeindlichkeit, oder – noch absurder – für das Fehlen einer ErbSt? Die UniKo fordert seit Jahren höhere Budgets, kein Rektor würde sich der totalen Ausfinanzierung jedes einzelnen Studenten verschließen, sie ist schlicht unrealistisch, in einem Land, in dem glaubwürdige Unipolitik nur von der zweitgrößten Oppositionspartei gemacht wird, die in Detailfragen dazu auch noch uneins ist.

      Dazu kommt eine teils völlig unpolitische, teils völlig unrealistische Studentenschaft, deren Beiträge sich in einem resignativen „Ma wurscht!“ respektive einem beleidigenden „Ich will, ich will, ich will!“ erschöpfen und die jede Veränderung außer mehr Geld ohnehin ablehnen. Mir persönlich wäre zu meinem Studienbeginn die Aussicht auf eine gute Betreuungssituation und entsprechende sowie international vergleichbare Lehrqualität bei Absolvierung einer Eingangsprüfung lieber gewesen als ein Gemurkse wie es sich zur Zeit darstellt, wo die Aussiebephase ein Drittel des Studiums ausmacht und die Noten international schwer vergleichbar.

  • Gibt es eigentlich irgendwo echte Zahlen über Inskribierte und tatsächliche STudenten? Natürlich machen „Karteileichen“ ein wenig Aufwand, aber definitv belegen sie keinen Platz, Prüfer, oder sonstige ressourcen. Die Vergleiche von reinen „Studierenden“ ist wenig aussagekräftig. An Universitäten mit Zugangsbeschränkungen, STudiengebühren oder Ähnlichem wird sv. der Anteil der „Aktiven“ höher sein. Gibt es irgednwo ordentliche (wissenschaftlich korrekte) Studien und Messungen oder nur jene die für das politische Hick-Hack verwendet werden? Danke für die Info

    • Die Unterscheidung zwischen studienaktiven und studieninaktiven Studierenden finden Sie in den Wissenbilanzen der Universitäten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Wissensbilanz (http://www.wu.ac.at/press/about/structure/about/publications/wissensbilanz) informiert über die Leistungen der WU in Form eines für alle österreichischen Universitäten einheitlichen Kennzahlensets, auch über prüfungsaktive bzw. –inaktive Studierende.

      Nach unserer Erfahrung ist die in der Wissensbilanz festgelegte Unterscheidung zwischen prüfungsaktiven (>als 16 ECTS Punkte/Studienjahr=positiv absolvierte Prüfungen im Ausmaß von 8 Semesterwochenstunden) und prüfungsinaktiven (<als 16 ECTS Punkte/Studienjahr) allerdings problematisch. Denn prüfungsinaktive Studierende besuchen ebenso Lehrveranstaltungen an der WU und nehmen damit selbstverständlich auch die entsprechenden Ressourcen in Anspruch. Sie erreichen lediglich weniger als 16 ECTS Punkte im Studienjahr.

      • und man will doch hoffentlich keine berufstätigen studierenden – die durch andere und mehrfache belastungen nicht so viel zeit investieren können – diskriminieren. oder täusche ich mich da etwa.

        dann wirds aber lächerlich, wenn in recruiting-announcen dann auch berufserfahrung gefordert wird.

        studium ist wichtig, darf aber nicht alles werden…

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