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Herzlich willkommen auf dem WU-Blog! Hier findet ihr eine Reihe an Blogbeiträgen von Studierenden, ForscherInnen, Lehrenden, Alumni und MitarbeiterInnen – mach mit!

Lernbuddy – mehr als klassische Nachhilfe

Karin Dobernig ist seit Oktober 2010 im Doktorratsstudium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der WU inskribiert und arbeitet zudem als Forschungsassistentin am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft. Wir freuen uns sehr, dass sie ihre Erfahrungen als Lernbuddy im Rahmen des Freiwilligenprogramms der WU auch auf diesem Weg mit uns teilt.

Bis 31. Juli kann man sich noch für das Freiwilligenprogramm Volunteering@WU bewerben und so Personen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen unterstützen. Alle Informationen zur Bewerbung finden Sie hier.

Bereits in jenem Moment als ich zum ersten Mal auf das Volunteering@WU-Programm aufmerksam wurde wusste ich – da möchte ich mitmachen! Genau diesen Aspekt hatte ich nämlich schon lange vermisst – dass Studierende im Zuge ihres Universitätsstudiums angehalten und gefördert werden, sich sozial zu engagieren. Dabei sollte gerade in der Studienzeit nicht nur fachliches Wissen angereichert, sondern auch die eigene Persönlichkeit und das Wertesystem gestärkt werden.

Die Ausbildung zum Lernbuddy

Umso schöner war es für mich, die Lernbuddies die ich im Zuge meiner Ausbildung kennenlernen durfte als eine Gruppe von engagierten, warm‐ und offenherzigen jungen Menschen zu erleben. Nach den ersten Seminartagen wurde deutlich, dass die Organisator/inn/en ungemein bemüht sind, alle Teilnehmer/innen so gut wie möglich auf die Tätigkeit als Lernbuddy vorzubereiten. Es wurde auch klar, dass es um mehr gehen sollte als klassische Nachhilfe – vielmehr sollten wir Ansprech- und Bezugspersonen für junge Menschen werden, die in schwierigen und für unsereins manchmal kaum vorstellbaren Lebensumständen aufwachsen.

Meine „Schützlinge“

Gegen Ende des Seminars habe ich erfahren welche Kinder ich im kommenden Semester betreuen würde – zwei 8-jährige aufgeweckte Buben aus Tschetschenien. Natürlich war ich mehr als aufgeregt vor dem ersten Treffen. Einerseits verspürte ich kindliche Neugierde aber auch bereits ein gewisses Verantwortungsgefühl hinsichtlich meiner neuen Rolle. Andererseits war ich auch ein bisschen unsicher. Würden sie mich als neue Bezugsperson überhaupt akzeptieren? Wusste ich denn eigentlich was Jungs in diesem Alter interessant und cool finden? Schließlich wollte ich nicht völlig unwissend und langweilig daherkommen.

Überraschungseier und UNO als Eisbrecher

Letztendlich hab ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen und im Supermarkt zu den Überraschungseiern gegriffen, die schon mich in meiner Kindheit begeistert haben, und das gute, alte UNO Kartenspiel aus dem Regal hervorgekramt. Das erste Treffen mit den beiden Buben war gezeichnet von anfänglicher Schüchternheit, vorsichtigem Abtasten aber auch Offenheit und Neugierde. Als ich jedoch meine Mitbringsel ausgepackt hatte, wurden die Kinderaugen und das Lächeln ganz groß – Volltreffer!

Üben und Ausflüge

Seit jenem Tag sind mir die beiden Buben mit jedem Treffen mehr ans Herz gewachsen. Wir haben nicht nur Multiplizieren und Dividieren geübt und uns über die Unlogik der deutschen Artikel gewundert, sondern vor allem unglaublich viel Spaß gehabt. Sei es der Spaziergang zum nahegelegenen Eissalon, der sich fast schon zum wöchentlichen Ritual entwickelt hat, ein gemeinsamer Ausflug in den Klettergarten oder ins Schwimmbad, ein erster Kinobesuch oder die geteilte Begeisterung für StarWars und Superhelden – die Ideen und die Freude sind uns nicht ausgegangen.

Erweiterung der eigenen Perspektive

Auch wenn ich hoffe, als Lernbuddy ein bisschen positive Energie und Abwechslung in das Leben der beiden Kinder bringen zu können, so sehe ich unsere wöchentlichen Treffen dennoch nicht als altruistischen Akt. Ich nehme selbst viel mit aus der Zeit die wir gemeinsam verbringen, habe viel Spaß und erfreue mich an der Unbeschwertheit und Ehrlichkeit der beiden Buben. Außerdem lässt sich die eigene Perspektive wieder erweitern und zurechtrücken– ist man im Studium und der Arbeit doch oftmals mit Problemen und Herausforderungen konfrontiert deren Wichtigkeit und Bedeutung sich zumindest teilweise relativieren wenn man das Leben durch Kinderaugen und –herzen wahrzunehmen vermag.

Ich werde meine Teilnahme an dem Volunteering@WU Programm auch im kommenden Semester fortsetzen und freue mich schon auf viele weitere lustige und bereichernde Momente. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei Steffi, Paul und Margit für die tolle Unterstützung bedanken!

Wie schon Johann Wolfgang von Goethe so treffend bemerkt hat, sollten Kinder sowohl Wurzeln als auch Flügel mit auf den Lebensweg bekommen. Führt man sich die Geschichten und Alltagssituationen vieler Flüchtlingskinder vor Augen, so wird schnell deutlich, welch wichtige und schöne Rolle man als Lernbuddy im Leben dieser jungen Menschen spielen darf.

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