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Hochschulzugang und Budget: Die WU ergreift nun rechtliche Schritte

Aufgrund der nach wie vor ungelösten Problematik der unzureichenden Kapazitäten unserer Universität vor allem in den Bachelorstudien hat das Rektorat mit Unterstützung des Universitätsrats beschlossen, nun mehr den Rechtsweg einzuschlagen.  Nach dem Scheitern mehrmonatiger Verhandlungen mit dem Wissenschaftsministerium über eine Abänderung der Leistungsvereinbarungen für den Zeitraum 2010 – 2012 sehen wir uns gezwungen, ein Schlichtungsverfahren anzustrengen, um die unhaltbare Situation zu beseitigen.

Leistungsvereinbarungen halten Kapazitäten fest

Zur Erklärung: In den Leistungsvereinbarungen, die zwischen dem BMWF und den Universitäten für einen Zeitraum von 3 Jahren abgeschlossen werden, ist in unserem Fall festgehalten, dass es an der WU Kapazitäten für 1.300 Absolvent/inn/en bzw. 3.700 Anfänger/innen im Bachelorstudium gibt. Tatsächlich begannen im Durchschnitt der letzten drei Jahre mehr als 6.000 Personen ein Bachelorstudium an der WU.

Zahlen bereits weit überschritten

Da diese Grenze bereits zum Zeitpunkt der Unterzeichnung weit überschritten war, wurde der WU die Regulierung des Zugangs im Rahmen einer Verordnung nach § 124b Abs. 6 UG in Aussicht gestellt. Ein entsprechender Antrag der WU wurde jedoch nicht bewilligt. Gleichzeitig wird in der Leistungsvereinbarung auf die ungünstigen Betreuungsrelationen (damals 323 Studierende pro Professor/in) hingewiesen, die nur durch eine massive Ausweitung der Ressourcenausstattung und eine Festlegung verbindlicher Ausbildungskapazitäten verbessert werden können. Die WU hat daher in den letzten Monaten in zahlreichen Gesprächen eine entsprechende Erhöhung des Budgets gefordert. Dazu sieht sich das Ministerium aber nicht im Stande.

Abänderung der Leistungsvereinbarung

Gemäß Universitätsgesetz (UG) kann eine Leistungsvereinbarung bei gravierenden Veränderungen der ihr zugrunde liegenden Rahmenbedingungen abgeändert werden. Kommt es diesbezüglich zu keiner Einigung, dann kann die Schlichtungskommission angerufen werden. Da dem Antrag der WU auf Zugangsregeln nicht stattgegeben wurde und unserem Drängen auf eine Anpassung des Budgets, um den Studierenden akzeptable Ausbildungsbedingungen bieten zu können, nicht nachgegeben wurde, rufen wir nun in einem letzten Schritt die Schlichtungskommission an.

Gesetz schreibt unhaltbare Zustände vor

Es kann einfach nicht sein, dass der Gesetzgeber in einem Gesetz (nämlich dem UG) vorschreibt, dass eine Universität alle Studierenden aufnehmen muss, im Bundesfinanzgesetz aber nicht die Mittel dafür vorsieht, diese auch auszubilden. Die Schlichtungskommission könnte dem Ministerium nun vorschreiben, einer Universität die für die Ausbildung ihrer Studierenden notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Letzter Schritt

Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, da die WU mittlerweile alle Möglichkeiten, zu Lösungen beizutragen – wie etwa die im Wintersemester 2010/11 eingeführte verkürzte Studieneingangsphase -, umgesetzt hat. Die Anfänger/inn/enzahl ist aber immer noch um ein vielfaches größer als die Kapazitäten für jene Studierenden, die ein Studium auch abschließen können. Auch die ab Wintersemester 2011/12 neu eingeführte Studieneingangsphase kann für die WU keine Lösung bringen: Denn auch dort wird das Auseinanderklaffen von Kapazitäten und Studierendenzahlen nicht gelöst.

Präzedenzfall?

Da ein derartiges Schlichtungsverfahren in Österreich noch nie geführt worden ist, könnte das Verfahren auch zu einem Präzedenzfall für andere Universitäten werden. Viele Universitäten haben ähnliche Probleme mit den Massenstudien: dramatisch zu wenig Budget, um die entsprechenden Kapazitäten für die Studierenden bereit stellen zu können. Es herrscht einerseits politischer Stillstand bei der Regelung des Hochschulzugangs, andererseits hat das Parlament im Budgetrahmengesetz klargestellt, dass eine Lösung des Problems auch von der finanziellen Seite her nicht angegangen wird. So kann es nicht weitergehen. Wir wehren uns und hoffen, dass wir nun auf diesem Weg eine Lösung bewirken können.

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8 Diskussionen über
“Hochschulzugang und Budget: Die WU ergreift nun rechtliche Schritte”
  • es ist auch klar, wer die verlierer dieser episode sein werden: (angehende) studierende, die dann vor zusätzliche barrieren gestellt werden.

    bravissimo.
    die schlechteste aller lösungen wirds werden, wir sind ja in österreich.

    • Es ist auch klar, wer die Gewinner dieser Episode sein werden: angehende Studierende, die dann vor zusätzliche Barrieren gestellt werden, diese überwinden, weil sie für ein Wirtschaftsstudium an der WU geeignet sind, und dafür höhere Qualität und ein besseres Betreuungsverhältnis bekommen, als es derzeit der Fall ist.

      Man darf ja hoffen. Obwohl wir in Österreich sind.

  • „Die WU (Wirtschaftsuniversität Wien) ist die größte Wirtschaftshochschule in Österreich und mit 78 Professoren[1], 435 wissenschaftlichen Mitarbeitern, ca. 25.900 Studierenden[2] und jährlich ca. 2100 Absolventen[3] die größte Wirtschaftsuniversität in Europa.“ Wikipedia

    So hat sich die WU bis vor kurzem auch auf eigener Webseite profiliert.
    Tatsaechlich ist die „Größe“ der WU auch ihre grosste Schwäche, da das Betreungsverhaeltnis im internationalen Vergleich katastrophal ist. Die WU hat eine finanzielle und personelle Kapazitaet fuer ca.6000 Studenten. Ich finde das Schlichtungsverfahren legitim und notwendig. Die Frage ist natuerlich warum so spaet? Die WU hat mit dem Auseinanderklaffen zwischen Kapazitäten und finanziellen Möglichkeiten schon laengst Probleme gehabt.

  • Auf jeden Fall wird die Lösung so oder so die zukünftigen Maturanten und Studienwerber massivst gegenüber der jetztigen Studentenschaft benachteiligen.
    Alle die das negieren, dürfen sich mit dem eigenen Ego ein bisschen im Detail auseinandersetzen.

    Danke Bundesregierung, danke ÖVP – als ein Zeichen dafür, dass ein Pensionist mehr wert ist, als ein junger Mensch…

    • irgendwelche egoprobleme zu konstruieren, weil sich jemand für eine sinnvolle und nachhaltige universitätspolitik einsetzt, ist ja fast lachhaft.

      inwiefern wären maturanten/studienwerber bei einer der studentenzahl entsprechenden studienplatzfinanzierung benachteiligt?

      selbst wenn es zu zugangsbeschränkungen kommt, stellt sich schon die frage, inwiefern dies für die jetzige studentenschaft ein vorteil ist, durch teils intransparente und im schwierigkeitsgrad stark schwankende prüfungen in der step, mangelnden plätzen in den entsprechenden sbwls, knock-out-zugangsprüfungen in den masterstudien und dementsprechend schwierig zu planenden studienverläufen schrittweise von der uni geekelt zu werden.

      an der wu ist es zur zeit ja leider so, dass der freie hochschulzugang sich darauf beschränkt, dass man ohne weiteres die zulassung zum studium bekommt. ausgesiebt wird halt über die prüfungen in der step.

      wo der nachteil liegt, wenn dieser selektionsprozess vor die zulassung gelegt wird, schneller und ökonomischer abgewickelt wird, erschließt sich mir zwar nicht ganz, lasse mich aber gerne aufklären.

  • @ragazzo: Sie haben natürlich recht, insoferne, dass jetzt ausgesiebt wird, und die bedingungen für jetztige wu-ler nicht besonders sind.

    allerdings haben sie wenigstens die chance zu studieren.
    wenn die dinge jetzt so weitergehen, und nicht mhr budget ausgeschüttet wird, wird allerdings begrenzt werden, und dann haben sie zwar studienplatzfinanzierung, aber sicherlich nicht – mit bestehenden mitteln – für die zahl der jetzt inskribierten studierenden.

    Da Österreich aber – im Vergleich zu vielen anderen Staaten der Welt – ohnehin zu wenig Akademiker, und auch zu wenige Studienanfänger hat (ich möchte jetzt nicht über den überstrapazierten terminus drop-out sprechen, da könnens auf der.standard.at im moment einen wunderbaren artikel über teilzeitstudenten/teilzeitarbeitende und deren anteil an der studentenschaft lesen, nur so als anregung) – wird hier an der österreichischen Bevölkerung bewusst durch die ÖVP bzw. unter Nicht-Verhinderung der SPÖ systematischer Zukunftsraub begangen.

    • @technic

      1. Ein freier Hochschulzugang gekoppelt mit massiver Unterfinanzierung der WU kann man nicht als eine Chance sondern als einen Betrug an den Studenten bezeichnen!

      2. Offensichtlich hat der freie Hochschulzugang versagt mehr Absolventen am Arbeitsmartk zu bringen. Es gibt aber sicher keinen Mangel an WiWi Absolventen. Stark betroffen sind vor allem die MINT Faecher.

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