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Der wachsende Engpass in den Masterstudien – die logische Konsequenz einer verfehlten Hochschulpolitik

An der WU leiden immer mehr Studierende unter den Knappheiten beim Masterstudium. Es gibt zu wenige Plätze für zu viele Bewerber/innen. Diese Situation ist für alle Beteiligten unerfreulich. Leider habe ich als Rektor für die frustrierten Bewerber/innen keine wirklich gute Nachricht. Wir haben einfach zu geringe Kapazitäten und unsere Aufforderung an die politisch Verantwortlichen, diesen unwürdigen Zustand durch Zuweisung von mehr Mitteln zu beenden, ist leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Dabei hat sich das Problem über die letzten Jahre vorhersehbar aufgebaut. Zunächst wurde durch die Umstellung der Diplomstudien auf das Bachelor /Masterstudium („Bologna Architektur“) eine Reform eingeleitet, die zwar inhaltlich sinnvoll ist, die aber jedenfalls Mehrkosten verursacht. Denn da ein großer Teil der Bachelor Absolvent/innen auch eine Fortsetzung der Studien in einem Masterprogramm anstrebt, bedeutet das für eine an sich schon überlastete Uni wie die WU, dass de facto die Studienlänge von vier auf fünf Jahre verlängert wird, ohne dass es dafür auch nur einen Cent mehr an Mitteln gegeben hätte – unsere wütenden Proteste gegen diese Vorgangsweise wurden – wienerisch gesprochen – „nicht einmal ignoriert“.

In den letzten Jahren wurde der größte Teil der Lehrkapazitäten der WU, die durch das auslaufende Diplomstudium frei geworden sind, in die Bachelorstudien geleitet. Dazu gab es kaum eine Alternative, weil ja dort der wirklich große Studierendenansturm angesiedelt ist. Derzeit befindet sich der größte Anteil dieser Studierenden noch in der Studieneingangsphase. Mehr als 4.000 Anfänger/innen pro Jahr müssen dort betreut werden, unsere Kapazitäten betragen aber nur knapp 1.300 Plätze – gemessen an den möglichen Absolvent/inn/enzahlen. In den vergangenen Jahren war das Missverhältnis sogar noch krasser.

Die WU hat daher schon im letzten Jahr den Antrag an die Bundesregierung gestellt, den Zugang zum Bachelorstudium zu regeln, um eine faire und transparente Auswahl der Studierenden, die sich an den Kapazitäten orientiert, vornehmen zu können. Doch dieser Antrag wurde abgelehnt. Der Effekt ist, dass wir auch weiterhin viel mehr Studierende aufnehmen müssen, als wir Plätze haben. Dies führ zu den bekannten Missständen im Bachelorstudium – aber auch dazu, dass von Semester zu Semester mehr Personen ihr Bachelorstudium abschließen, als wir langfristig in den Masterstudien versorgen können.

Bachelor- und Masterstudien sind daher hinsichtlich der Lehrkapazitäten verbundene Gefäße. Die einzig sinnvolle Lösung bestünde darin, eine Gesamtkapazitätsplanung vorzunehmen, die für jeden Studienplatz entsprechende Mittel zur Verfügung stellt. Davon wird zwar in den letzten Monaten unter dem Schlagwort der  „Studienplatzfinanzierung“ viel geredet, Geld gibt es aber dafür keines. Dafür ist unsere hohe Politik stolz, den „freien Hochschulzugang“ aufrecht zu erhalten. Mit anderen Worten: Jede/r darf an die Uni kommen, nur gibt man den Unis nicht die Mittel, um die Menschen zu betreuen – den Frust müssen dann die Studierenden ausbaden, denen man vorgaukelt, der Zugang sei frei, sie müssen dann aber erkennen, dass es eben zu wenig Personal, Räume, Seminarplätze, etc. gibt. Auch für die Lehrenden ist die Situation frustrierend. Denn die Aufgabe einer Universität ist es, jungen Menschen zu mehr Bildung – und auch zum Studienabschluss zu führen! Nicht aber, durch immer schärfere Prüfungen Studierende zu „selektionieren“, weil der Staat nicht ausreichende Kapazitäten finanziert.

In den nächsten Wochen wird das Problem auf der gesamtpolitischen Ebene wieder einmal mehr aktuell: Bis 30.4. beschließt zuerst die Regierung und dann der Nationalrat das neue Budgetrahmengesetz. Dem Vernehmen nach wird dort der Mittelzufluss für die Unis nicht nur nicht ausgebaut, sondern sogar real zurückgefahren! Was dies für die WU bedeutet, können wir uns leicht ausrechnen. Nicht eine Beseitigung, sondern eine Verstärkung der Engpasssituation wird die Folge sein – das ist wirklich unglaublich, aber doch der Stand der Planungen. Ich bitte Sie daher, in den nächsten Wochen mit uns gegen diesen inakzeptablen Plan der Bundesregierung und der Koalitionsparteien im Nationalrat zu kämpfen.

15 Diskussionen über
“Der wachsende Engpass in den Masterstudien – die logische Konsequenz einer verfehlten Hochschulpolitik”
  • Weder Studienbeschränkungen noch Studiengebühren, sowas gibt es wohl nur in Österreich. Dass diese Situation auf lange Sicht unhaltbar ist, muss langsam allen bewusst werden.

    Ich muss zugeben, dass ich auch von der Umsetzung der Masterstudien an der WU enttäuscht bin. Habe in Mindestzeit mit gutem Durchschnitt studiert -aber leider zwei „falsche“ (Marketing) SBWLs gewählt. Darum gibt es für mich bis dato leider kein weiterführendes Masterstudium an der WU. Denn der Marketingmaster wird schon seit Jahren nur nach hinten verschoben. Da man für die anderen Master noch bestimmte ECTS aus den SBWLs braucht, die ich nicht habe, kam dies auch nicht in Frage. Die letzte Alternative war für mich die Uni Wien. Wobei einem hier durch Auflagen auch noch Steine in den Weg gelegt werden.

    Ähnlich wie mir ging es vielen motivierten Kolleginnen und Kollegen (Mit denen ich zum Teil nun in den selben Kursen auf der Hauptuni sitze).

    Die WU tut sich nichts gutes damit ihre gut ausgebildeten und motivierten Absolventen zu vergraulen und zu frustrieren. Sowie die Neuzugänge durch Knock-out-Prüfungen zu jagen und rauszuekeln. Zwar mag sie derzeit noch eine Uni mit einem Top Ruf sein, auf Lange sicht schießt sie sich mit dem „Fast-food Bachelor“ nur selbst ins Bein. Die Absolventen von heute sind nämlich die Führungskräfte und Uni-Mitarbeiter von morgen.

    • Du sprichst mir aus der Seele. Danke vielmals… 😉

      Hier vielleicht noch ein Video-Beitrag der mir untergekommen ist – und wie ich meine – seeehrrr gut passt:


      … spätestens ab 37:45 Min. sollten dann die Ohren gespitzt sein.

      Liebe Grüße
      ein WU-Student

      …der laut WU-Ranking zwar unter „den Besten“ 15% flaniert, jedoch aufgrund von EBC1 (inzwischen Knockout-Prüfung Nr. 1) – seinen Master in Wirtschaftspädagogik… vielleicht… nicht beginnen kann.

    • Deine Erfahrung(en) sowie die Tatsache, dass Du für die von Dir gewünschte Weiterbildung im Rahmen eines Master an die Uni Wien ausweichen musstest, sind mE sehr bedauerlich. Gerade ein Master für Marketing an der WU wäre sehr naheliegend. Leider ändern sich die Studienpläne und die Angebote für Masterstudien an der WU wie die Jahreszeiten, andererseits bietet die WU Studien an, die mit wirtschaftswissenschaftlichen Studien weniger gemein haben und an anderen Unis in Wien (auf qualitativerem Niveau) angeboten werden. Der „gute Ruf“ der Wu Wien bröckelt schon seit längerem aus der Sicht der Arbeitgeber…

  • PS: Ob die Autonomie der Universitäten so eine gute Idee war? Die Regelung der Studien durch den Gesetzgeber hatte doch einige Vorteile…

  • http://www.independent.co.uk/news/education/higher/should-european-universities-follow-americas-lead-417746.html

    Die Politik wird nie eine Wille haben in Hochschulbildung signifikant zu investieren. Da die europaeische Hochschulen hauptsaechlich von Staat finanziert sind, wird sich die Misere auch nicht in Zukunft aendern. Bereits jetzt gibt Europaeische Union viel weniger fuer Unis aus als die USA oder Kanada . Die oestereichische Unis sind leider Geiseln der verfehlten Politik geworden. Ich hoffe, dass die WU schrittweise neue Finanzierunguellen finden/ausbauen wird und bin ueberzeugt davon, dass das neue Institut von strategischen Kapitalmarktforschung dabei sehr wichtige Rolle spielen wird.

  • Ich warte seit 6 Monaten auf die Benotung der bereits abgesegneten Masterarbeit. Hat das mit der Knappheiten beim Masterstudium zu tun? Und warum hat eine so „gute“ Uni (lt. Ranking) mit solchen Zustände zu kämpfen? Warum sollen die Studenten für so etwas kämpfen was ja nur elitär werden will?

  • Sehr geehrtes Blog-Betreuungs-Team der WU Wien,

    gerade bemerkt… und schon muss ich ein paar Zeilen zu ihrem Web2.0-Verhalten tippen. Verflixt.

    Sie haben den Eintrag von „Leon Galba“ einfach gelöscht. Tja… kann passieren. Nimmt er sicher auch nicht persönlich…

    Mich würde allerdings interessieren: Wieso?

    Herzlichen Dank für ein paar Zeichen
    @Rektorat
    @DieSichAngesprochenFühlendenAbteilungen

    … Können Sie mir bitte eine digitale Kopie seines Eintrages zukommen lassen? … PDF, HTML, TXT, PPT… ganz egal welches Medienformat sie verwenden. Da war ein guter Link dabei. Herzlichen Dank im Voraus!

    Liebe Grüße,
    Stefan Wurzer, WU Student

    • Lieber Stefan,

      hier muss es sich um ein Missverständnis handeln, denn wir löschen grundsätzlich keine Kommentare, außer sie widersprechen unseren Richtlinien (siehe: http://blog.wu.ac.at/impressum/). Wann wurde denn der angesprochene Kommentar gepostet?

  • Zu Beginn meines Studiums hatte ich hinsichtlich der Engpässe, der Knock-out Prüfungen und der notwendigen „Kämpfer“ Mentatlität, die für ein Wu-Studium sicher notwendig ist, noch einen sportlichen Ehrgeiz.

    Nachdem ich mein BWL Bachelor-Studium nun in Mindestzeit und unter den besten 5 % der Studierenden abschließen sollte (WiRe habe ich nebenbei auch noch belegt, dies scheint mir aber aufgrund der unannehmbaren Verhältnisse als nicht weiter erstrebenswert, die Kosten-Nutzen bzw. Aufwand-Ertrags Kalkulation ist hier einfach nicht gegeben) werd‘ ich schön langsam etwas müde, dass mir die WU ständig nur Hürden in den Weg stellt.

    Die Master Situation stellt einer dieser mühsamen Barrieren dar. Nicht nur, dass das Angebot an sich wirklich unbefriedigend ist, ist auch das Aufnahmeverfahren (die Aufnahme für Management erfährt man erst im Oktober, bei Nichtaufnahme ist es de facto ein „verlorenes Jahr“, da man sich anderweitig nicht mehr bewerben kann; über Strategy und CEMS wollen wir gar nicht reden) wohl als Witz zu verstehen. Keine andere Universität stellt ihren eigenen Bachelor Studenten so massive Schranken auf.

    Mein persönliches Fazit:
    Ohne mich hier selbst beweihräuchern zu wollen, aber nach einem WU Bacc Studium in Mindestzeit, einem Vollzeit-Job im Finanzbereich und einer Teamleiter Position mit nur 21 Jahren, stellt sich für mich ernsthaft die Frage nach einem Master Studium an einer FH (was ich natürlich hinsichtlich Qualität sehr bedauere).

    Kann das wirklich das Ziel der WU sein? Dass gute Leute den Weg auf eine FH oder ins Ausland gehen? Gerade für Studenten, die weder die Zeit noch die finanziellen Mitteln für ein 15-jähriges WU-Studium haben, wird die WU zunehmend uninteressanter. Was sehr schade ist, da ich die Qualität und den Ruf der WU grundsätzlich sehr positiv empfinde.

  • „ …..werd’ ich schön langsam etwas müde, dass mir die WU ständig nur Hürden in den Weg stellt“. Ja, Sie haben recht. Was für Sie wie Hürden aussieht, sind aus der Warte der Universitätsleitung verzweifelte Versuche, mit dem Mengenproblem zu Rande zu kommen. Ich nehme an, Sie kennen die Situation der WU: ca. 6000 Studienbeginner/nnen in den Bachelorstudien bei einer Kapazität von ca. 1500 Absolvent/inn/en; im demnächst zu erwartenden Vollbetrieb bei den Masterstudien ca. 3500-5000 Studienwerber/innen bei einer Kapazität von ca. 750.

    Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen muss ich Ihnen nicht erläutern.
    Was tut man daher als Universitätsleitung? Das Problem ist ja nicht unbekannt, seit Jahren weist die WU die Politik und das Ministerium darauf hin. Sie kennen das Ergebnis; bzw. Sie kennen es nicht, weil es kein brauchbares Ergebnis gibt. Was tut daher die Universitätsleitung? Sie baut – mangels brauchbarer Alternativen – Hürden (s.o.).

    Zu Ihrer persönlichen Situation. Falls Ihre Selbstbeschreibung zutrifft, was ich annehme, so zeigt die bisherige Erfahrung, dass Sie in keinem der von Ihnen angeführten Masterprogramme Probleme haben sollten, aufgenommen zu werden bzw. die Eingangsphase zu überstehen. Die WU ist harsch, aber so harsch ist sie dann auch wieder nicht.

    Beste Grüße & viel Erfolg
    K. Sandner
    Vizerektor für Lehre

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