WU Blog

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„Ein Wahnsinn…

… aus Sicht einer überlasteten Uni“, war meine erste Reaktion zum Entwurf der neuen UG-Novelle. Formal könnte zwar mit Zugangsregeln auf Kapazitätsengpässe, wie den derzeit 375 Studierenden pro Professor, reagiert werden, die Berechnungsbasis des Entwurfs bezieht sich aber auf die durchschnittliche Anzahl der Studierenden der vergangenen fünf Jahre. Für die WU würde dieser Gesetzesentwurf überhaupt keine Verbesserung bewirken, da der Betreuungsschlüssel vor fünf Jahren bereits unglaubliche 282 Studierende pro Professor/in betrug und damit weit über den vorhandenen Kapazitäten lag. Sollte die UG-Novelle in dieser Form in Kraft treten, würden die Kapazitätsprobleme an der WU nicht nur nicht gelöst, es käme sogar noch schlimmer: Die bestehende Überbelastung würde auch noch gesetzlich als eine Art Minimalnorm verankert. Die einzige Möglichkeit zur wirklichen Problemlösung wäre die Festsetzung einer Studierendenzahl anhand tatsächlich vorhandener Kapazitäten, kombiniert mit einer kräftigen Finanzspritze zum Ausbau der Kapazitäten.

Mit dem Antrag im Frühjahr dieses Jahres, den sogenannten „Notfallparagraphen“ 124b für die WU in Anwendung zu bringen und so den Andrang von Erstsemestrigen an der WU zu regulieren, starteten unsere jüngsten Bemühungen, die inakzeptablen Betreuungsverhältnisse an der WU zu normalisieren. Mit dem Paragraphen 124b sollten Studienrichtungen, die in Deutschland von einer Numerus Clausus Regelung betroffen sind, ein qualitatives Aufnahmeverfahren einführen können, gesetzt den Fall, dass „durch die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen in diesen Studien unvertretbar sind“. Das trifft bei beiden Bachelorstudien an der WU besonders zu. Genehmigt wurde unser Antrag damals leider nicht.

Auch als Reaktion darauf, und weil die Zustände einfach unzumutbar sind, haben wir an der WU mit Herbst eine neu strukturierte Eingangsphase eingeführt, die es uns ermöglicht, mit den Kapazitätsengpässen besser umzugehen und die knappen Ressourcen vor allem jenen Studierenden zukommen zu lassen, die auch Prüfungen absolvieren. Das ist natürlich keinesfalls eine Ideallösung, allerdings zeigt sich, dass die Maßnahme in die richtige Richtung wirkt. Nach einem Jahr intensiver Aufklärungsarbeit über die realen Zustände an heimischen Universitäten stellt sich nun die Frage, welches Resümee wir für dieses Jahr ziehen können und wie es nun weitergehen wird?

Allen Bemühungen zum Trotz sind die Resultate gering: Die versprochene Zusatzfinanzierung von jährlich 80 Mio. Euro bis 2013 ist natürlich zu begrüßen, aber wie der Sektor darüber hinaus finanziert werden soll, ist noch immer offen. Abgesehen davon, dass nicht alle 80 Mio. Euro wirklich den Universitäten zufließen werden.

Die erwähnte Novellierung des Universitätsgesetzes, die Zugangsregelungen für überlaufene Fächer zulassen würde, ist in Planung, aber ob der Gesetzesentwurf im Jänner wirklich beschlossen wird, ist aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Und im Falle einer weiteren Verzögerung wäre eine Umsetzung für das Wintersemester 2011/12 gar nicht mehr möglich. Die nun von BK Faymann aufgeworfene Idee, man müsse sich gegen den Zustrom ausländischer Studierende schützen, bringt für die WU gar nichts, da das Auseinanderklaffen zwischen Kapazitäten und Studierendenzahlen auch ohne ausländische Studierende existieren würde, das Problem wäre nur ein wenig kleiner. Abgesehen davon, dass die vom Kanzler lancierte Lösung aus europarechtlicher Sicht gar nicht umsetzbar wäre.

Insgesamt ist eine langfristige und nachhaltige Strategie für den Wissenschaftsbereich auch am Ende dieses Jahres nicht erkennbar, trotz aller verbalen Beteuerungen, wie wichtig doch Bildung und Wissenschaft für die Zukunft Österreichs sei. Das bildungspolitische Jahr 2010 war bewegend, bewegt hat sich aber leider nichts.

Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle eine ruhige Weihnachtszeit. Tanken wir Energien, um uns 2011 mit neuer Kraft für eine Verbesserung des österreichischen Bildungssystems einzusetzen. Ich werde es tun und hoffe auf Ihre Unterstützung.

22 Diskussionen über
“„Ein Wahnsinn…”
  • Ich bin schon gespannt wie das nächstes Jahr wird, wenns in Deutschland zwei Abi-Jahrgänge gibt, dazu dann noch das Wegfallen der Wehrpflicht… ich bezweifle irgendwie, dass unsere Regierung da rechtzeitig was unternehmen wird.

  • >>gesetzt den Fall, dass “durch die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen in diesen Studien unvertretbar sind”. Das trifft bei beiden Bachelorstudien an der WU besonders zu.<>sich gegen den Zustrom ausländischer Studierende[r zu] schützen, bringt für die WU gar nichts<<

    Werter Rektor Badelt! Sie widersprechen sich selbst. Wer oder was ist denn Ihrer Meinung nach nun genau für die katastrophalen Studienbedingungen verantwortlich? Mir scheint, die Studierenden, egal welcher Herkunft, sind hier nur ein Spielball und bekommen immer dann die Schuld zugewiesen, wenn es gerade politisch opportun scheint. Ein wenig mehr Sachlichkeit würde der Debatte nicht schaden.

  • wieder einmal die frage!

    Hr. Rektor, was sollen die tausenden 18 jährigen machen, die von der ahs kommen, wenn jetzt alle unis zu machen?

    • Wieso denn „zumachen“? Wer macht denn zu nur weil knappe Kapazitäten auf die polarisiert werden sollen, die auch tatsächlich Gebrauch davon machen und fähig sind, dieses Studium auch abzuschließen?

      Ich verstehe den Aufschrei „unsozial“ generell nicht, wenn es um Zugangsbeschränkungen geht.

      • schön. gesetzt den fall sie wollen mediziner werden. gehen gut vorbereitet zum ems-test. und schaffens nicht.
        hmm…
        wie ist das für sie?
        und keiner kann ihnen vorwerfen, sie hätten nicht das Zeug zum Mediziner….

        Zugangsbeschränkungen schön und gut, aber dann bitte mit genügend Plätzen. und die gibt es auch jetzt schon nur für österreicher nicht mehr…

        • Tja, das ist dann wohl Pech. Wenn man den Test nicht schafft bzw. nicht gut genug war, dann hat man sich auch nicht gut genug vorbereitet (und/oder etwas Pech gehabt, was aber immer passieren kann). Was bringts, wenn man der doppelten Anzahl von Studenten ein Medizin-Studium ermöglicht und die meisten im Turnus eh jetzt schon so schnell nichts finden? Schon mal daran gedacht, dass der Bedarf in der Wirtschaft nicht unbegrenzt ist?

          Und wie definieren wir „genügend Plätze“? Ein Platz auf der Uni für jeden, der irgendwo ne Matura hinterhergeschmissen bekommen hat?
          Eine BHS muss auch nicht jeden dahergelaufenen Schüler aufnehmen der irgendwie acht Schuljahre hinter sich gebracht hat, also wieso gibt’s jetzt so nen großen Aufschrei bei den Unis? Ich find’s unverständlich, warum die Unis und die wirklich guten Studenten darunter leiden sollen, dass in Österreich eine Matura schon beinahe Standard ist und das größte Hindernis zur Matura wohl die Wahl der richtigen Schule ist, damit die Anforderungen für einen persönlich passend sind. Im Hinblick auf das Studium ist dann eh egal, auf welcher Schule man die Matura gemacht hat.

          Ich habe nichts gegen Chancengleichheit, aber meiner Meinung nach führt kein Weg an Zugangsbeschränkungen vorbei. Hauptsache es bleibt halbwegs fair…

          • @thomas & @martin

            schön – wie gesagt – was sollen die übergebliebenen jungen menschen machen.

            statt immer nur auf ressourcen und kapazitäten zu pochen – wäre ein etwas humanistischer Blickpunkt vielleicht eine idee.

            darüberhinaus:
            6000 anfänger bedeuten nicht 6000 absolventen.
            drop out ist nämlich – in form von anspruchsvollen inhaltlichen prüfungen – durchaus nichts verkehrtes, wie uns die politik laufend weiss machen mag.

            oder sind die hier anwesenden wirklich der meinung, dass eine bestandene aufnahmeprüfung dann ein fertiges studium bedeutet?

            glaubt wirklich irgendwer, dass die Prüfungen auf der WU „leichter“ werden, oder vom Multiple Choice System weggehen, wenn es statt 7000 anfängern nur mehr 500 oder meinetwegen 1000 gibt.

            das ist naiv.

        • technic,
          das beste waere, wenn alle Interessenten einen Platz an MedUni Wien finden wuerden; und noch besser waere ,wenn alle Bewerber fuer das Beruf gleich gut geeignet sein wuerden. So wuerden heuer in Wien 6016 Interessenten (laut Der Standard) an der MedUni Wien angenommen und nach sechs Jahren steht 6000 Absolventen fuer den Arbeitsmarkt zur Verfuegung. …
          So einfach ist es aber nicht. Gerade in der Medizin ist ein Studienplatz weltweit sehr teuer. Vielleicht kann sich die oesterreichische Gesellschaft mehr Plaetze leisten, aber das ist eine gute Frage fuer die Politik. Es kann aber sicher nicht moeglich sein, dass eine „Uni“, mit der Kapazität von 1000 Plaetzen, +/-6000 Interessenten annehmen muss.

    • hmm, naja, dann schlag was vor, lieber mike.
      wie sollen junge menschen eine adaequate finanzierbare ausbildung bekommen?

      dafür dient ja der blog hier.

  • Bildung ist ein sehr komplexes Thema, mit dem sich auch Milton Friedman in Free To Choose Serie auseinandergesetzt hat . Ich empfehle Ihnen sich Volume 6 – What’s Wrong with our Schools anzuschauen- http://www.freetochoose.tv/

  • @technic:
    Das ist schon klar. Allerdings darf man meiner Meinung nach vor allem auf der WU bzgl. Schwierigkeitsgrad nicht unbedingt meckern, so schwer ist ein Wirtschaftsstudium im Vergleich zu anderen nun wirklich nicht.
    Und ja, ich bin der Meinung, dass bei nur mehr 500-1000 Studienanfängern durchaus die Möglichkeit besteht, dass die STEP sinnvoll genützt wird. Und nein, die Prüfungen sollten dann eigentlich eher schwieriger werden, weil dann kann man sich’s (als Uni) im zweiten Abschnitt auch leisten, Leute durchfallen zu lassen, weil dann die Kapazitäten vorhanden sind, Leute auch ein zweites Mal in bestimmte LVs zu schicken.
    Das Problem ist halt, durch die fehlenden Zugangsbeschränkungen muss die STEP herhalten, was de facto zwei Semester verbraucht, in denen man inhaltlich nicht wirklich viel lernt, außer wie man Dinge auswendig lernt…
    Meiner Meinung nach wärs primär wichtig, die Zugangsbeschränkungen fair zu gestalten.

    • Lieber Thomas,

      erstens: was sollen die jungen menschen ohne ausbildungsplatz in Ö machen. Lehrstellen gibt es wenige, studienplätze wären dann beschränkt, und wie leicht aus (ö) Maturantenzahlen ablesbar ist, auch nicht mehr genug vorhanden, wie uns die naseweise trixi vormachen mag…

      zweitens: zugangsbeschränkungen im qualitativen sinne sind in ordnung. rein als maßnahme um mangelverwaltung zu lindern, sind sie ein unfug. Nichts kann eine angebrachte Finanzierung von Forschung und Lehre ersetzen

      drittens: Deine Kindern sollen doch mal die möglichkeit haben das mit ihrem Leben anfangen zu können was sie wollen? Es gibt ja Studenten die arbeiten, oder teilzeit studieren, oder auch einfach da und ort hineinschnuppern. Wieso nimsmt du der neoliberal-rechten Politik ab, das solche menschen dann nichts wert wären bzw. aus den studien ausgesiebt werden sollen?

      Das ist wohl fern vom 21. Jahrhundert, findest du nicht?

  • hmm, na meine lieben in diesem Forum – jetzt habt ihr das, was ihr haben wolltet. Zugangsbeschränkungen mit Knock-Out-Phase mit 1 heißen Wiederholungsmöglichkeit. Gratulation, allen die das wollten. Hoffentlich triffts nicht mal den Sohn eines ÖVP-Mandatars…ansonsten müssen wir eine neue Universität in NÖ errichten.

    Gratulation zum Einschlagen des Sargnagels im österreichischen (höheren) Bildungswesen. Von zusätzlichen Geldern für die Unis brauchen wir jetzt nicht mal mehr reden, denn für die Regierung ist es damit erledigt – jetzt hama ja eh Zugangsbeschränkungen…

    Congrats.

  • Das ist vieles, aber Zugangsbeschränkungen sind das sicher keine. Bin eh schon gespannt wie unsere Uni darauf reagiert, weil wenn die Prüfungen so bleiben, dann dürfte sich die Zahl der Studenten relativ rasch und deutlich reduzieren…
    Bei uns kann man in der STEP aber wenigstens noch drei Antritte rausholen und das sind ja auch nicht so wenige find ich…

  • lieber thomas – es ist so, dass die unis das gesetz umsetzen müssen, d.h. selbst wenn der senat hier einen zusätzlichen prüfungsantritt bewilligt, sind die WU-Studenten um 2 Antritte umgefallen… (4. und 5., die kommissionellen halt).

    Offenbar ist Dir die Tragweite dieses „Verbrechens “ noch gar nicht bewusst.

  • In dieser „Orientierungsphase“ zum Studium sollen Studenten nicht mehr so oft zu Prüfungen antreten dürfen wie bisher. Die Zahl möglicher Wiederholungsprüfungen soll von bisher drei auf nur mehr eine sinken. Die Unis können autonom eine weitere Wiederholung (bisher unbeschränkt) erlauben.

    Das wären dann drei Antritte, inkl. WiRe in der STEP somit fünf.
    Es mag ja wohl sein, dass die armen WU-Studenten um ein paar Antritte umfallen, aber wenn man mal die Leute abzieht, die beim ersten Mal einfach zum Spaß hingehn und rein gar nichts gelernt haben und die Leute die Prüfungen wirklich ernst nehmen, da sollten drei Antritte genügen. Und mit WiRe hat man fünf, so viel Pech mit „blöden Prüfungen“ kann man gar nicht haben…
    Im zweiten Abschnitt sollte man sowieso keine drei Antritte brauchen, da man die halbe Zeit sowieso „durchgedrückt“ wird, da einfach die Kapazitäten fehlen, um Leute PIs wiederholen zu lassen.
    Die kommissionellen Antritte sind in der STEP sowieso irrelevant…

  • hä? was heißt 5 antritte?
    vielleicht hast du etwas mehr wissen als ich, aber es ist relativ eindeutig, dass das studienspezifisch ist, und nicht einfach studienübergreifend wirken kann.

    darüberhinaus ist es höchst unwahrscheinlich, dass der studienplan so bleiben wird, in anbetracht dieser tollen gesetzesänderung.

    ich fürchte, dass allen unkenrufern, die unbedingt zugangsbeschränkungen wollten, dass noch auf die zehen fallen wird…

    aber gut. ändern lässt sich das ganze jetzt, nach dieser „demokratischen“ entscheidungsfindung eh nicht mehr.

  • Man hat in der STEP drei Antritte je Studienrichtung (WiSo und WiRe), einen Antritt braucht man zur Anrechnung, dh. für die Prüfung selbst hat man fünf Antritte. Zumindest für die STEP hat/hätte man also derzeit weiterhin fünf Antritte zur Verfügung und wenn man dann wirklich nur dann hingeht, wenn man auch was gelernt hat, dann sollte das hoffentlich genügen. So unmenschlich sind die Prüfungen nun auch wieder nicht…

  • lieber thomas – du unterliegst einem irrtum. lies dir den gesetzestext der novelle durch – 2 antritte, das wars.

  • Ich rede von Antritten, nicht Wiederholungen. Einmal darf man logischerweise sowieso antreten, dazu eine Wiederholung und eine weitere Wiederholung kann die Uni genehmigen, wären also drei Antritte. Ich kann mir schwer vorstellen, dass unsere Uni die zusätzliche Wiederholung nicht genehmigt, wofür gibt’s denn die ÖH…

  • @thomas: du bist ein naivling.
    die uni schreit nach weniger studenten…
    da sollen sie sichs künstlich schwerer machen?
    oder um es wirtschaftlich zu formulieren: ressourcen in „unwahrscheinliche“ potentiale investieren…. haha…

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