WU Blog

Herzlich willkommen auf dem WU-Blog! Hier findet ihr eine Reihe an Blogbeiträgen von Studierenden, ForscherInnen, Lehrenden, Alumni und MitarbeiterInnen – mach mit!

Von Unis, Unternehmen und rebellischen Bildungsexpertinnen und -experten

Univ.Prof. Dr. Peter Berger ist Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Vorsitzender des Betriebsrats für Universitätslehrer/innen. Er war außerdem jahrelang Vertreter des sogenannten „Mittelbaus“ im Senat.

Was haben Hannes Androsch, Gundi Wentner (Deloitte) und Christoph Badelt gemeinsam? Sie befürworten ein Bildungvolksbegehren, das im Mai 2011 stattfinden und den Hohen Schulen nicht nur mehr Geld, sondern endlich jene öffentliche Wertschätzung bringen soll, um die es im Lande des Musikantenstadels, der Dancing Stars und der endlosen Debatten um böse Immigrantinnen und Immigranten katastrophal schlecht bestellt ist. Die Galionsfigur des Aufstands der Bildungsfreundinnen und -freunde ist J.W. von Goethe, der, wie im Standard vom 6./7. November (Seite 9) nachzulesen, sein Leben mit dem aufklärerischen Appell „mehr Licht“ –  ist gleich mehr Bildung – ausgehaucht haben soll. Pech nur, dass Goethe nach dem letzten Erkenntnisstand etwas ganz anderes gesagt haben könnte, nämlich: „Mehr nicht!“

Der Schreiber findet, dass auch dieser Ausspruch gehöriges aufklärerisches Potenzial in sich birgt, vorausgesetzt, er wird auf die verkorkste österreichische Hochschulpolitik der letzten zweieinhalb Jahrzehnte angewandt: davon brauchen wir in der Tat nicht noch mehr. Die Frage ist: würden die Proponentinnen und Proponenten eines Bildungsvolksbegehrens auch folgende Postulate unterschreiben?

Nicht noch mehr von der „unternehmerischen Universität“!

Es steht außer Frage, dass eine Hochschule mit den ihr anvertrauten materiellen Ressourcen sorgsam umgehen und ihren Geldgeberinnen und -geber Rechnung legen muss. Sie soll ihre Administration im Griff haben, und sie sollte ihr administratives Personal leistungskonform honorieren (können). Insofern, und nur insofern ist eine Universität mit Unternehmen der Privatwirtschaft vergleichbar. Was sonst noch an krampfhaft herbeigeredeten Analogien zum Markt herumgeistert, ist schlichtweg ein Unsinn. Nur ein Beispiel: die Studierenden sind nicht die Kunden der Uni (ebenso wenig wie Absolventinnen und Absolventen ihre „Produkte“ sind) – und die Uni ist kein Dienstleister an den Studierenden. Wäre dies so, stünde es um den Fortschritt der Wissenschaft denkbar schlecht, einen Fortschritt, der aus wechselseitigem Respekt und dem Willen, von einander zu lernen, geboren wird und mit einschließt, dass Lehrende sich ein Urteil über die ihnen anvertrauten Jungen anmaßen. Eine verpatzte Prüfung – oder der Vortragsstil einer Professorin oder eines Professors –  kann nicht genauso beeinsprucht werden wie dreckige Bettwäsche in einem Hotel (das in der Tat ein Dienstleister ist).

Als „Unternehmen“ müsste die Universität Profit machen, oder zumindest dem ökonomischen Prinzip gehorchen, das da lautet: entweder mit einem gegebenen Mitteleinsatz den Output maximieren, oder einen vorgegebenen Output mit einem Minimum an eingesetzten Mitteln erreichen. Kurioserweise interpretiert der Staat die ökonomische Rationalität, die er den Hohen Schulen überstülpen will, heute auf eine kreative dritte Art, nämlich im Sinne der Devise maximaler Output mit minimalem Einsatz. Das ist natürlich jenseitig, aber ich behaupte: ohne die von Teilen der Universität begeistert mitgetragene Öffnung der akademischen Welt für den Wirtschaftsjargon und eine – egal wie falsch verstandene – wirtschaftliche Logik wären wir nie in die heutige argumentative Bredouille angesichts der  budgetären Sparzwänge geraten. (Das Gedicht vom Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht loswird, ist übrigens auch von Goethe.)

Nicht noch mehr „Flexibilität“ auf dem wissenschaftlichen „Arbeitsmarkt“!

Der Autor gehört einer Generation von WissenschafterInnen und LehrerInnen an, die zwar nicht allzu leicht einen universitären Job gefunden hat, die aber – einmal von der Alma Mater angestellt – redliche Aussichten auf eine planbare Karriere besaß. Dieses Glück ist dem heutigen wissenschaftlichen Nachwuchs nicht vergönnt. Das Ticket einer wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter-Stelle ist mit einem unbarmherzigen Ablaufdatum versehen, und das (wieder einmal) im Namen einer falsch verstandenen ökonomischen Rationalität: Jobsicherheit wird vom Gesetzgeber und von vielen Dienstvorgesetzten an der Uni, die selbst unbefristete Jobs haben, mit Beamtenschlendrian und der Einladung zur Arbeitsscheu gleichgesetzt. Wer unter existenziellem Druck steht, der bringt hingegen, so der allgemeine Tenor, etwas worauf die moderne Universität höchsten Wert legt: Publikationen im Fließbandtakt, im Idealfall in reputierlichen (referierten) Journalen und auf Englisch. So kann die Universität ihre Leistungsvereinbarungen mit dem Staat erfüllen, das Department des Jungwissenschaftlers/der Jungwissenschaftlerin steht vor dem Rektorat gut da und wo der Nachwuchs nach Vertragsablauf hinkommt, fällt in die Zuständigkeit des Lieben Gottes und des Personalentwicklungsplans, der ja vielleicht ein Einsehen hat und eine HabilitandInnenstelle bereit hält, auf die man sich allenfalls neu bewerben kann. Man höre, was Friedrich Nietzsche 1873 (!) zu so einer „Nachwuchspflege“ gesagt hat:

„Glaubt es mir: wenn die Menschen in der wissenschaftlichen Fabrik arbeiten und nutzbar werden sollen, bevor sie reif sind, so ist in kurzem die Wissenschaft ebenso ruiniert wie die allzu zeitig in dieser Fabrik verwendeten Sklaven. Ich bedaure, dass man schon nötig hat, sich des sprachlichen Jargons der Sklavenhalter und Arbeitgeber zur Bezeichnung solcher Verhältnisse zu bedienen, die an sich frei von Utilität, enthoben der Lebensnot gedacht werden sollten; aber unwillkürlich drängen sich die Worte Fabrik, Arbeitsmarkt, Angebot, Nutzbarmachung – und wie all die Hilfszeitwörter des Egoismus lauten – auf die Lippen, wenn man die jüngste Generation der Gelehrten schildern will. Die gediegene Mittelmäßigkeit wird immer mittelmäßiger, die Wissenschaft im ökonomischen Sinne immer nutzbarer…“ (Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, S.71 der Reclam-Ausgabe.)

Nicht noch mehr freier Hochschulzugang, der keiner ist!

Niemand möge mich falsch verstehen: so wie ich seinerzeit für SchülerInnenfreifahrt und Gratis-Schulbuch war, bin ich für einen freien Universitätszugang, vorausgesetzt es handelt sich nicht um Etikettenschwindel. Erstens muss die frei zugängliche Uni in der Tat Universität sein, will sagen: sie darf sich nicht allein als Fachwissensvermittlerin, sondern muss sich als aufklärerische Anstalt mit Universalbildungsanspruch verstehen. Welchen Sinn sollte die Parole „Freier Zugang zu Business Schools“ haben? Da könnte man ebenso gut rufen: Freier Zugang zur Bäckerausbildung. (Nichts gegen die Bäckerlehre!)

Der andere Punkt mit der Freiheit ist der: wo man Tore öffnet, sollte sich dahinter etwas Begehbares, vielleicht sogar Bewohnbares befinden. Sonst endet die Sache wie in dem von Friedrich Torberg beschriebenen Lissabonner Hotel, in dessen viertem Stock eine Milchglastüre mit „Toilette“ beschriftet ist, aber statt ins Örtchen ins Freie führt. Auf den Türen der österreichischen Unis steht „offen“. Dahinter fallen die Eingelassenen durch den Fußboden in den Keller. Um dies zu verhindern, könnte der verantwortliche Staat Estriche verstärken (was Geld kosten würde). Stattdessen überlässt man es der Uni selbst, vor den Türen Hindernisse aufzutürmen, um nur so viele Leute weiter zu lassen, wie der Boden hinter der Tür verträgt.

In der postindustriellen Ära kann kein Land zu viele Akademikerinnen und Akademiker haben. Um aber festzustellen, wer zur Akademikerin bzw. zum Akademiker geeignet ist (nicht jeder ist es, und Ehre dem, der andere Talente hat!), sind Knockout-Prüfungen in einer Eingangsphase das untauglichste Mittel. Es braucht inhaltlich sinnvoll aufeinander abgestimmte Orientierungslehrveranstaltungen samt Prüfungen, die von jedem mit Erfolg bestanden werden können, der oder die sich darum bemüht. Und für alle, die weiter studieren, muss ausreichend Betreuungskapazität gesichert sein.

Verweigert sich die Politik diesen Argumenten, möge man die Rede vom freien Hochschulzugang vergessen. In diesem Fall plädiere ich für so weit wie möglich kostendeckende Studiengebühren, und für großzügigste Stipendien an diejenigen, deren intellektuelles Potenzial den Inhalt ihrer Geldbörsen übersteigt.

Nicht noch mehr Potemkinsche Dörfer!

Das Wissen um die sozialistische Planwirtschaft ist heute weitgehend verschüttet, sogar bei Studierenden aus dem früheren Ostblock. Aber die planwirtschaftliche Logik lebt noch – nicht in Russland oder den Ex-Satelliten der UdSSR, sondern an den österreichischen (westeuropäischen) Unis. Dort wird auf Teufel komm’ raus gemessen, gewogen und (leistungs-)vertraglich festgeschrieben. Wie viel Forschung betreiben wir in den nächsten drei Jahren? Wie hoch wird die Zahl der erfolgreich abgeschlossenen Projekte – publizierten Journal-Artikel – betreuten Bachelor- oder Masterarbeiten sein? Honni soit qui mal y pense. Der Sowjetmensch wusste: versprech’ ich zuviel, dann steht’s im Plan. Verfehle ich mein Planziel, gibt’s Sanktionen. Ergo versprech’ ich nur, was ich sicher halten kann – und das ist blutwenig. (Ich weiß ein Lied davon zu singen. Als Kind bekam ich in Ungarn ein paar Langlaufskier; die Bindung gab’s erst drei Jahre später, dar war der Ski schon viel zu kurz…)

Mögen uns Universitätsangehörigen solche Praktiken nicht aufgenötigt werden. Schon jetzt berichten wir so viel darüber, was wir tun, dass uns zum Tun beinahe keine Zeit mehr bleibt. Wer sich da ins Potemkinsche Dorf der geschönten Rapporte flüchtet, wird vielleicht sogar mit kollegialem Verständnis rechnen können. Dem Standort, wie man im ökonomischen Unijargon sagt, wird’s sicher nicht nützen….

Man könnte noch Vieles schreiben…

…aber das ist ein Blog und kein Traktat. Die Volksbegehrens-Initiative, von der oben die Rede war, ist ein Hoffnungsschimmer. Ich wünsche mir, dass sie sich nicht darin erschöpfen wird, dringend benötigte Finanzmittel für die Hohen Schulen zu fordern, sondern umfassende Bildungsreformen anvisiert. Was die Universitäten angeht, ist von vielen berufenen Federn (auch solchen von SozialwissenschafterInnen) viel Kluges zur Gegenwarts-Misere geschrieben worden. Vielleicht findet das eine oder andere im Volksbegehrenstext seinen Niederschlag? Fein wär’s!

1 Diskussion über “Von Unis, Unternehmen und rebellischen Bildungsexpertinnen und -experten”
  • Wahre Worte. Die differenzierte Auseinandersetzung die Prof. Dr. Peter Berger in seinem Blogeintrag fordert und selbst vornimmt, lässt in Regierungskreisen wohl ewig auf sich warten. Problematisch ist nicht nur die extreme Unterauslastung bei der Beschäftigung mit Themen wie Bildung, Humanität, Forschung und Gesellschaft in den Reihen jener, die für deren Finanzierung verantwortlich wären, sondern beginnt bereits in den Kreisen derer, die für die eigentliche Revolution im Universitätsbereich und im Bildungsbereich im Allgemeinen verantwortlich sein sollten: die Studentinnen und Studenten. So manch abendländischer Philosoph hat der Studentenschaft seit jeher die Rolle des Revolutionärs zugeschrieben, ein Kreis an – im besten Falle – angehend intellektuellen Personen, die vor dem Schlund des Müßiggangs, der Verniedlichung und Verharmlosung durch die post-universitäre Gesellschaft noch verschont bleibt. Statt sich überhaupt Gedanken über eine gesellschaftliche Rolle als Student, über Werte in der Gesellschaft und Humanität zu machen, zeigt sich ein Spalt auf wie zu Zeiten der Rezeption der „kritischen Theorie“ von Theodor W. Adorno. Adorno als jener, der die Studentenschaft veranlasst hat ihren Protest zu verdeutlichen und zu zuspitzen, wurde schließlich selbst Opfer – wenn man der Ursache seines Todes glauben schenken möchte – seiner Lehre. Wenn sich protestierenden Studenten Kommilitonen gegenüber stellen, die diese verschwinden sehen wollen, kann es nur daran liegen, dass etwas Falsches gefordert wurde oder daran, dass eine Wertedebatte gar nicht erst mehr möglich ist, aufgrund einer Ökonomisierung der gesamten Bildung im Sinne einer Ausbildung und späteren gesellschaftlich wertschöpfenden Verwertung. Dazu beitragen wird höchstwahrscheinlich auch der Zeitdruck, der auf viele Studenten ausgeübt wird; Studiengebühren androhen und Familienbeihilfen zu streichen führt nur eben folgerichtig dazu, eine theoretisch revolutionäre Rolle der Studentenschaft zu verhindern, schlichtweg Studenten keine Zeit für einen gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu lassen. Aber anstatt gegen diese zusätzliche Repressionen zu verhandeln, ordnen sich zu viele Studenten genau dieser Verwertbarkeit und Berechenbarkeit unter. Das ist nicht unbedingt den einzelnen Seelen anzulasten, sondern der fehlenden Aufklärungsarbeit im gesamten Bildungsapparat unseres Landes. Wenn an einer Universität von 15.000 prüfungsaktiven Studenten gerade eine Hand voll für Verbesserungen ihrer eigenen Situation auf die Straße gehen, kann das nur an dem liegen, dass die Studenten und Studentinnen nicht oder nur teilinhaltlich für die Punkte eintreten, die von den Initiatoren gefordert werden, oder einfach nur ein großes Desinteresse und Unverständnis für die Problematik an sich besteht, wobei letzteres wohl ausschlaggebend für das fast komplette Fernbleiben der Studentenschaft der Grund sein dürfte. Wenn selbst die Rektoren und die Universitätsvertretung den Forderungen der Universität als Ganzes Ausdruck verleihen, müssten die vermeintlichen „Kunden“ der Bildungseinrichtung jene sein, die dem Zustimmen und dafür sorgen, dass ihnen ebendieser Titel „Kunde“ wieder aberkannt wird und die Universität wieder Platz für Bildung und Diskussion bietet. Eine kritische Werte-Auseinandersetzung beginnt als Denkprozess sehr bald, vielleicht nicht unbedingt aktiv in der Volksschule, aber zumindest in dem Alter, in dem eine Entscheidung zwischen einer Hauptschule und Gymnasium gefällt werden soll. Da sich die Hauptschule als Ausbildungsstätte versteht, die auf das Berufsleben einer Lehre vorbereiten soll, fällt dieser Teil für eine Wertedebatte bereits zu einem großen Teil weg, zumindest der allgemeinen Ansicht nach. In der Unterstufe eines Gymnasiums könnte man das Glück haben eine humanistische Bildung im Sinne einer Einführung in die Terminologie einer Wertedebatte zu erfahren. Zu dem Zeitpunkt, an dem es um einen erstmals aufflammenden Diskurs mit gesellschaftspolitischen Zielen geht – dem Alter zum Zeitpunkt des Übertritts in eine weitere Schulbildung anstelle einer Berufsausbildung – teilt sich der immer kleiner werdende Strom an Auszubildenden in Allgemein Höhere Schule und Berufsbildende Höhere Schulen. Rein vom Wortlaut her, dürfte man hier nun im zweiteren Fall davon ausgehen, Diskurse und Philosophien von vornherein auszuschließen, da eine BHS an der Verwertbarkeit im Sinne einer Berufsbildung gemessen wird. Jene, die in der Oberstufe der AHS übrig bleiben, sind somit der einzig kleine Teil, denen offiziell noch Allgemeinbildung gelehrt wird. Allerdings ist spätestens nach der Matura und mit Beginn des Studiums (falls ein solches überhaupt aufgenommen wird) damit auch Schluss. Studiert man nicht unbedingt Philosophie oder ähnliche geisteswissenschaftliche Studien, wird man auch nicht mehr in den Genuss einer allgemeinen Bildung kommen. Wenn man nun den durchschnittlichen Bildungsweg eines WU-Studenten verfolgt, Volksschule-Gymnasium-BHS hat man, falls man nicht vielleicht das Glück hatte außerordentliche Kompetenzen eines Lehrers oder Lehrerin im Sinne einer Wertebildung erfahren zu haben, an wenigen Diskursen erst teilnehmen können. Wenn man diese theoretischen und inhaltlich tiefen Auseinandersetzungen mit allgemein bildenden Themen nun in den Räumen der heutigen Universität erwartet, stößt man genau an die Grenzen, die Prof. Dr. Peter Berger ausführlich dargelegt hat. Dies liegt wiederum nicht unbedingt an den Professuren, die sich dafür nicht mehr verantwortlich sehen, sondern an dem zunehmenden allgemeinen drohenden Verfall an Werten in unserer Gesellschaft. Die Universität hat zum großen Teil ihre Rolle als Diskursinitiator bereits verloren. Die tragende Rolle von Lehrpersonal und Professuren wurde verkannt und durch outputbezogene Messgrößen wie Verdienst, Steuerleistung und Wertschöpfung ersetzt. Die Universität muss wieder dorthin zurück kehren, wo sie große Denker bereits zu sehen geschätzt hatten, um dem Zitat von Nietzsche nur noch mehr Bedeutung bei zu messen.

    Daher der Aufruf an die Studentenschaft und an die Lehrenden den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern und die unmissverständliche Aufforderung an die Regierung diese einzigartige Form der Bildung nicht nur aufrecht zu erhalten sondern zu fördern und eine viel höhere Bedeutung bei zu messen.

    Wenn sich die Volkspartei christlich und die SPÖ sozial auf die Stirn schreibt, sollten sie zumindest für diese Werte auch wirklich eintreten. Auch wenn sich darüber streiten lässt, ob Bildung ein christlicher Wert ist – im von der ÖVP überlieferten Verständnis bedeutet es sozial, gerecht und sollte auch Aufklärungsarbeit im Sinne von Bildung bedeuten. Ob man Aufklärungsarbeit geschichtlich gesehen unbedingt positiv mit „christlich“ in Zusammenhang bringt sei dahingestellt, für die Zukunft sollte der Kurs allerdings allen klar sein. Die SPÖ verhält sich in dieser Diskussion so, als hätte es in der Parteilinie nie ein Übereinkommen mit Studenten gegeben und als wären diese auch für die Zukunft einer Wissensgesellschaft eigentlich zu vernachlässigen; man könnte meinen, es wird die These vermittelt, dass Universität und Wissensgesellschaft im Grunde doch gar nichts miteinander zu tun haben und was der Begriff „sozial“ hier zu suchen hat, dürfte in der SPÖ den meisten nicht wirklich klar sein. Die Studentenvertretungen reagieren teils richtig, teils falsch, einerseits, in dem sie sich von ihrer „Mutterpartei“ los sagen, wie die VSStÖ und auf der anderen Seite, in dem sie es nicht fertig bringen überhaupt von ihrer „zugehörigen“ Partei Punkte zu verlangen, die eigentlich jedem Studenten logisch erscheinen müssten. Die Studentenvertretungen sollten sich von der Linie der Regierungsparteien komplett abgrenzen und einen harten Gegenblock zu dem bilden, was hier von ihren „sympathisierten“ Parteien verunstaltet wird. Beobachtet man die Spitzenpolitiker der letzten Jahre, wird einem das Gefühl vermittelt, dass nahezu alle ehemaligen durch Wissen und Werte glänzenden Größen der Politszene durch intellektuelle „Nackerpatzl“ ersetzt wurden und das mit einer Konsequenz die eine gewisse Absicht dahinter vermuten lässt. Von welchen Personen die rede ist dürfte uns allen klar sein.

    Wird die geforderte Finanzierung nicht eintreffen, werden wir in einigen Jahren an die maximale Grenze einer (tatsächlich wichtigen) Wertschöpfung in unserem Land stoßen und selbst Studenten werden größten Teils nicht mehr fähig sein Texte wie jene von Prof. Dr. Peter Berger zu lesen ohne sich zu fragen wer Goethe eigentlich war, was das alles mit einem Bundesbudget zu tun hat und was das Wort Humanität über die Bedeutung von Menschlichkeit hinaus noch alles zu bieten hat.

    Ein verärgerter und beschämter WU-Student!

Kommentar verfassen

This blog is kept spam free by WP-SpamFree.