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Und wie geht es weiter?

… das fragen sich schlussendlich auch die Rektoren, die vergangenen Montag, dem 22.11., zum lang verlangten Gespräch mit der Regierungsspitze geladen waren. Denn der Termin brachte keine Lösung für die zukünftige Finanzierung der Universitäten. Es gab abermals keine verbindliche Zusage, dass die Universitäten mit mehr Unterstützung und Budgetmitteln rechnen können.

Die in den Medien nun viel zitierte Zusage der Einführung einer Studienplatzfinanzierung (in einem solchen System würde den Universitäten ein bestimmter Betrag pro Studierendem zur Verfügung gestellt) durch die Regierung wird nun, nach dem sogenannten „Unigipfel“, in den Vordergrund gespielt. Das ist zwar nichts Neues (das steht nämlich schon im Regierungsprogramm), aber an sich sehen wir die Umstellung des Finanzierungssystems positiv. Allerdings habe ich ernsthafte Zweifel, dass dies die Lösung der Budgetprobleme sein wird. Denn eigentlich sollte auch der Regierung klar sein, dass eine Studienplatzfinanzierung ohne Regelung des Zugangs nicht durchführbar ist.

Ein Beispiel dazu: Rechnet man das Budget der WU auf die Studierenden um, haben wir derzeit pro Student/in aus dem Globalbudget des Bundes einen Betrag von jährlich € 2.900.- zur Verfügung. Im Vergleich dazu verfügen Österreichs Fachhochschulen (und diese verfügen eben zum Unterschied von den Unis über eine Studienplatzfinanzierung)über € 6.510 pro Student/in und Jahr. Werden die Mittel der Fachhochschulen wiederum auf die derzeitige Situation an der WU umgelegt, fehlen uns jährlich über 300 Mio. Euro Budget, da die Universitäten auch Forschungsverpflichtungen haben und bei den Fachhochschulen überdies die Infrastrukturkosten nicht aus den genannten Geldbeträgen finanziert werden müssen. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass nur deshalb, weil man ein neues Finanzierungssystem einführt, auf einmal für eine einzige Universität 300 Mio. Euro jährlich mehr verfügbar sind. Im internationalen Vergleich sind Beträge um die € 8.000 pro Studierenden üblich. Die Unis haben also, gemessen an der Studierendenzahl, vom Bund schon immer viel zu wenig Geld zur Verfügung gestellt bekommen.

Verhandlungen über eine Studienplatzfinanzierung machen daher nur dann Sinn, wenn gleichzeitig über Kapazitäten diskutiert wird, deren Finanzierung der Staat verbindlich zusagt. Wenn dies nicht geschieht, dann kann es sich bei der vollmundigen Ankündigung der Bundesregierung lediglich um eine Verzögerungstaktik handeln, die der Bevölkerung das Gefühl geben soll, dass alles erdenkliche geprüft und unternommen wird.

Und noch etwas wurde im Gespräch mit der Regierung deutlich. Es fehlt das Verständnis für die Dringlichkeit der (Budget-)Situation an den Unis. Es muss seitens Regierung eine verbindliche Zusage für das Bundesfinanzrahmengesetz (Budgets ab 2013) geben. Ist dies bis Ende April 2011 nicht der Fall, dann müssen die WU, und auch alle übrigen Unis, SOFORT mit dem bereits angekündigten Sparprogramm (Aufnahmeverzögerungen beim Personal, Rückbau von Lehrkapazitäten, etc.) beginnen! Das ist keine leere Drohung der Rektor/inn/en, sondern leider eine absolut notwendige Maßnahme, um die Zahlungsfähigkeit der Universität aufrecht erhalten zu können. Darunter werden vor allem Studierende, Forscher/innen und Mitarbeiter/innen zu leiden haben.

Offensichtlich sind die zahlreichen Wortmeldungen der Budgetkritiker/innen in den vergangenen Wochen bei den Entscheidungsträger/inne/n in ihrer Dringlichkeit noch immer nicht verstanden worden. Die Sicherung der Finanzierung von Universitäten und Forschung in Österreich ist absolut notwendig und muss oberste Priorität haben. Dazu benötigt es Zugeständnisse und verbindliche Aussagen der Regierungsspitze. Ansonsten wird es bereits im kommenden Frühjahr zu schmerzhaften Einschnitten im Betrieb kommen. Eine vollkommen absurde Situation! Wir stehen kurz vor einem wissenschaftlichen Supergau, der eine über Jahre gewachsene Infrastruktur zerstören und die wissenschaftliche Leistung aus dem Land abziehen wird. Die Verantwortung tragen aber nicht die Universitäten, sondern die Bundesregierung und das Parlament.

16 Diskussionen über
“Und wie geht es weiter?”
  • Bei allem nötigen Respekt, aber es zeigt eigentlich nur,dass die seit dem Universitätsgesetzt 2002 vollrechtsfähige juristische Personen des öffentlichen Rechts NICHT fähig sind zu wirtschaften (und das an einer Uni die das wirtschaften lehrt!?!?!).

    • Diese scheinbare „Logik“ ist tatsächlich hanebüchen und naiv: 1) die Vollrechtsfähigkeit wurde den Universitäten mehr oder weniger aufgezwungen; 2) wer meint, Universitäten würden sich damit nach rein privatwirtschaftlichen Geschäftsmethoden führen lassen, weiß nicht, was Universitäten sind – oder besser – sein sollten. Und schließlich: Wer sich „Guru“ nennt, sollte auch über Grundbegriffe der Grammatik bescheid wissen.

      • das übliche Bla Bla war zu erwarten: es muss immer einen Beschützer geben : „uns wurde alles aufgezwungen, wir müssen nicht nach privatwirtschaftlichen methoden wirtschaften“, gegen Ende hin ein wenig persönlich werden und als Sahnehäubchen dann noch eben seine eigene Unwissenheit stolz präsentieren (Def. Guru)…GRATULATION, jetzt fühlen wir uns richtig stark, nicht wahr?

        • Du weißt, was es bedeuten würden, wenn die Unis privatwirtschaftlich vorgehen würden?

          Sie würden sich den oben genannten Fehlbetrag (3.610 € pro Jahr) von jedem Studenten holen.

          Vllt kannst du dir das leisten, aber damit bist du bestimmt eine Ausnahmen…

          • Ein hochwertiges Hochschulwesen ist leider ueberall teuer und es ist nicht moeglich /ceteris paribus/ ohne Zugangsregeln die WU zu finanzieren. Mit freien Hochschulzugang kann leider die Qualitaet nicht gewaehrleistet werden. Auch die Privatwirtschat wuerde nie die 80% Drop-out Raten finazieren wollen.

  • @ Azram: Danke für den ersten gescheiten Kommentar hier, der auf einer Ebene kommt auf der man einen Dialog weiterführen kann.

    Es ist nicht zwangsläufig so,dass die Uni den Fehlbetrag nur von den Studenten holen müssten, und genau hier habe ich mit der Kritik angesetzt (nicht wirtschaften können). Es gibt andere möglichkeiten an Geld zu kommen. Man könnte einen Sponsor finden, im Extremfall könnte man sogar die Namensrechte verkaufen ( ich würde voller Stolz sagen,dass ich auf der Coca Cola Wirtschaftsuniversität Wien studiere, wenn dementsprechend der Standard der Lehre weiterhin hoch gehalten wird). Aber es gibt noch unzählige andere Möglichkeiten an Geld zu kommen, mann muss sich einfach nur mal Gedanken zu dem Thema machen.

    Eins möchte ich auch noch klar stellen. Ich bin bei weitem nicht reich, wohlhaben oder Onkel Dagobert, bei mir heißt es, so wie bei vielen anderen Studenten: Am Ende des Geldes ist noch zu viel Monat übrig und das trotz meiner Arbeit, der ich neben dem studieren nachgehe. Ich bin einfach nur realist und weiß, dass man nicht nr fordern kann.

  • was du da von dir gibst ist ja ein trauerspiel.

    erstens einmal kannst du, wenn du eine coca-cola-wu willst, ohnehin gleich deine bildung via itunes als hörbücher herunterladen, oder bei der google-akademie einsteigen. Oder aber bei der Beatrix-Karl-Stiftung für neoliberal-durchgeformte-Günstlinge. Also viel spass damit.
    Eine von der Wirtschaft gesponserte, und damit abhängige Universität wird nie unabhängig forschen und lehren, desweiteren ist nicht zu erwarten, dass das sponsering sehr der lehre zu gute kommt, diese nämlich für die sponsoren relativ unwichtig ist….

    es geht nicht darum nur zu fördern. aber defacto wird nur immer von den studierenden genommen, statt etwas zu geben.

  • Du darfst nicht vergessen, dass schon viel über die Privatwirtschaft finanziert wird (zB Raiffeisen Sprachlabor / Sommer- und Winteruni).

    Es gehört auf alle Fälle vermieden, dass sich die Universität in die Abhängigkeit eines privatwirtschaftlichen Unternehmens begiebt. Aus einer anderen Sicht gesehen… welches Unternehmen würde Geld dafür zahlen, dass zB das Bibliotheksgebäude nach ihm benannt wird?

    Vergesst bitte nicht, dass die Universitätsleitung schon wirtschaftlich denkt, und ihr bestmögliches tut. Unseren Herrn Rektor für irgendwelche Maßnahmen verantwortlich machen, ist der falsche Weg.

    Sollte irgendjemand brauchbare und konkrete Vorschläge haben, was du Universität noch unternehmen kann -> nur raus damit! Gerade von Seiten der ÖH vermisse ich dergleichen. Mir fällt beim besten Willen keine bessere Möglichkeit als die alte Studieneingangsphase ein. (Die neue / vorgelagerte finde ich etwas zu unflexibel, mir gefällt es besser, wenn man nur 2/3 von bestimmten Vorlesungen erfüllen muss, aber schon die Möglichkeit hat, alle zu besuchen und bei allen anzutreten)

    mfg

  • “78.308 Dollar investieren Österreichs Steuerzahler in einen Hochschüler, bis dieser seinen Abschluss in der Tasche hat. Eine Menge Geld, mit der sich einiges bezahlen ließe. Ein Studium an einer Elite-Uni zum Beispiel. Hohe Kosten bei gleichzeitig schlechten Ergebnissen/ In Wharton teilen sich 4000 Studenten 250 Professoren, an der WU „kümmern“ sich 72 Professoren um 28.000 Hochschüler + die80%Drop=Out Raten …/ Hohe Kosten bei gleichzeitig schlechten Ergebnissen scheinen laut OECD überhaupt die auffälligste Eigenheit des österreichischen Bildungssystems zu sein.“ Der ganze Artikel ist hier zu finden:http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/supermarkt/413916/Studieren_Harvard-fuer-alle

    • Ja, und wieviele junge Amerikaner kommen in den Genuss dieser Hochschulbildung? 4000 von 250 Millionen sind halt nicht besonders viele?
      Abgesehen davon sind in den angloammerikanischen Ländern durch ein nicht durchlässiges System die Leute in Ihrer sozialen Schicht eingemauert.

      Wirklich sehr anstrebenswert.

      Warum man die Unis immer aus der gesamtgesellschaftlichen Sicht reißt verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Es zeugt – ganz egal ob man sich Politiker, Universitätsbedienstete, Studenten anschaut – von einem gewissen Ich-Horizont. Aber von nichts weiterem.

      Ich empfinde es auch sehr traurig, Hr. Badelt, dass sie in Ihrem Statement oben, in keinster Form dazu bekennen, dass es eigentlich im Interesse der Gesellschaft sein müsste, möglichst viele Studierende und gebildete Mitbürger zu haben – sondern sich vor allem die Frage stellen, wie sie die offenbar in ihren Augen unvermeidlichen Zugangsbeschränkungen (doch noch) realisieren können.

      Denken Sie einmal darüber nach, was mit dem Wissenschaftsstandort Österreich passiert, wenn alle Unis nun ihre Studentenzahlen auf 1/3 senken… dann wird nach ihrer Pensionierung, vielleicht erst eine Generation später die österreichische universitäre Landschaft der Haitis, Bangladesch oder Nicaraguas gleichen. Ich finde das nicht anstrebenswert.

      Wie schön wäre es, wenn man sich von diesen elenden, nichtsagenden Zahlen und Rankings mal verabschiedet, und in Betracht zieht, dass wir im 21. Jahrhundert langsam aber sicher – wo auch die Welt durch unser Tun am Rande des Abgrundes in vielfacher Hinsicht steht – von so Werten wie „Wie kann ich besonders gut im Vergleich zu allen anderen sein“ verabschieden, und kooperativ versuchen neue Ziele zu erreichen?

      • Soviel zum Thema, wer alles in den Genuss von tertiärer Bildung kommt in den USA vs. Österreich. Erst denken, dann schreiben!

        „US-Eliteuniversitäten befreien sozial Schwächere zudem nicht nur von den Gebühren, sie reservieren für sie auch zehn Prozent der Studienplätze. Mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Uni-Absolventen aus dem Arbeitermilieu in den USA weit höher ist als im Wohlfahrtsstaat Österreich. Auch, wenn das hierzulande niemand gerne hört.“

        • und die 90% anderen plätze sind für vermögende.

          das ist etwa so, wie wenn man sagt, damit in zukunft alle gebäude in österreich energieeffizient werden, dürfen neubauten nur mehr passivhäuser sein.

          jährl. neubaurate: 0,5% des gesamtgebäudeanstiegs.
          in 200 jahren haben wir dann also nur energieeffiziente häuser.

          überhaupt: 10% das kann viel sein, aber auch wenig. 10% durchkommende bei einer wu prüfung ist ein skandal.
          10% steuersatz st etwas wovon jeder träumt.

          sie können mich noch ein paar mal beleidigen, a la denken und posten, leider ändert das aber trotzdem nichts daran, dass die üerkommerzialisierte hochschulbildung in den usa etwas seltsam anmutet…. trotz 10% „armer leute“…

          • Wo liegt der Vergleichswert für Kontinentaleuropa? 2,3,4,5% ? Wenn Sie Relationen betrachten, dann bitte richtig.

            Eindeutig ist, dass die US-amerikanischen Universitäten weltspitze in der Grundlagenforschung sind. Und das liegt einzig und alleine an der Finanzierung. Masse statt Klasse ist dagegen Programm in deutschen Sprachraum. Hier lässt man lieber die Nicht-Studenten für den akademischen Nachwuchs blechen. Sinnfrei…

  • technic,

    es ist kaum zu glauben, dass Sie Wirtschaftswissenschaften studieren. Vergleichen Sie einfach die Statistiken.
    http://www.bls.gov/opub/ted/2010/ted_20100428.htm

    http://www.statistik.at/web_en/statistics/education_culture/index.html

    Gute Uni ist nicht billig, und Wharton ist einfach nicht ueberlaufen und/oder unterfinanziert.

  • trau keiner statistik die du nicht selbst gefälscht hast

    …sie wissen aber schon was der unterschied zwischen einem amerikanischen college und einer österreichischen universität ist, oder?

    und undergraduate und graduate universities?

    aber hauptsache alles ist „höhere bildung“. dann ist über den kamm scheren ja kein problem.
    am besten wir gliedern uns als amerikanischer bundesstaat ein, dann bekommt fr. karl ihre elite universitäten aus den 21 unis, und die fhs, htls und haks machen wir dann zum college.

    Ad überlaufen oder unterfinanziert – Wharton, wie könnte das in folge dieses satzes auch so sein: „Die Studiengebühren pro Jahr belaufen sich auf etwa 50.000 USD.“ (wikipedia).
    Das streben sie für die WU an? Dann erwarte ich mir aber auf jedem Klo einen butler, und goldene individualisierbare WC-Sitze, die man freilich mitnehmen darf…

    Ob das dann mit sinnvollen investements in höhere bildung zu tun hat, wage ich gelinde gesagt zu bezweifeln. Vor allem die österreichische Ausformung von ich bezahle für meine höhere bildung lässt sich gut an den diversen postgraduate-lehrgängen ablesen => Die leute blechen 10000 oder mehr euro, dafür ist das leistungsdenken in diesen lehrgängen nur rudimentär vorhanden – weil jeder komischerweise zum titel kommt. Da frage ich mich doch tatsächlich, ob das die höhere Bildung ist, die wir brauchen, denn dann könnten wir gleich ein paar thailändische Dokumentenfälscher von der Khao San Road holen, die gegen Bezahlen eines geringen Betrags den Leuten fertige Diplomas ausstellen.

  • Man sollte nur eines ganz gründlich verstehen. Die Aussagen von Hrn. Rektor Badelt stellen eine Warnung und Vorankündigung dar. Kein normal funktionierendes System würde ohne Grund solche Aussagen treffen.
    Der Grund wird wohl sein, dass sich die derzeitige Studiensituation ohne Einwirkung von außen ändern muss. Anders formuliert, der gesellschaftliche Auftrag Top Ausbildung und Forschung zu betreiben wird nicht mehr so wie in der Vergangenheit zu erfüllen sein. (Zumindest besteht die große Angst davor.) Wie denn? Das kann man noch im Detail abwarten. Aber sind hier die StudentInnen überhaupt auf _irgendeine_ Veränderung gefasst?

    Anstattdessen alles von manchen hier klein geredet wird, sollten man sich tatsächlich Gedanken machen wie eine Änderung ausschauen könnte. In der Privatwirtschaft können Sie trotz repitetiver Warnsignale aus Ihrer Organisation auch nicht einfach so lange zuschauen und sagen „naja, früher iss a gegangen, wird schon ned so schlimm sein, kümmerts euch selbst darum“… Außer natürlich Sie sind ein schlechter Vorgesetzter.

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