WU Blog

Herzlich willkommen auf dem WU-Blog! Hier findet ihr eine Reihe an Blogbeiträgen von Studierenden, ForscherInnen, Lehrenden, Alumni und MitarbeiterInnen – mach mit!

Antworten auf oft gestellte Fragen

Der WU-Blog füllt sich mit Leben. Das freut uns sehr. Ich möchte diesmal zu einigen Argumenten, Fragen und Diskussionspunkten, die seit Bestehen des Blogs aufgeworfen wurden, Stellung nehmen und Ihnen dazu meine Sicht darlegen.

Warum fordert die WU mehr Geld UND Zugangsregeln?

Das Ausmaß des Auseinanderklaffens der Kapazitäten und Ressourcen mit dem Andrang an Studierenden ist gewaltig und kann in der Form einfach nicht mehr bewältigt werden. An der WU haben wir schon auf der Ebene der Bachelor Studien mehr als vier- bis fünfmal so viele Studienanfänger/innen als Kapazitäten! Unzweifelhaft benötigt es daher mehr Lehrpersonal, mehr Lehrveranstaltungen, mehr Räume etc. Nur: Die vollständige Erfüllung dieser Forderung würde für die WU eine Verdreifachung des Budgets nach sich ziehen. Das ist schon rein praktisch nicht in kurzer Zeit zu erreichen. Daher müssen wir auch eine Regelung des Zugangs fordern. Diese Regelung könnte umso weniger streng bzw. einschränkend sein, je höher das Budget ist.

Insgesamt geht es also immer darum, dass endlich die Kapazitäten der WU festgelegt werden und diese Kapazitäten auch wirklich finanziert werden. Diese Kapazitätsfestlegung müsste sich auf die Bachelor UND die Masterstudien beziehen. Wenn wir nämlich alle Kapazitäten in die Bachelorstudien stecken, haben wir keine Reserven für die Masterstudien mehr. Daher habe ich auch darauf hingewiesen, dass sich bei der gegenwärtigen budgetären Ausstattung der WU auch Engpässe im Masterstudium abzeichnen. Nicht, weil wir keine Studierenden wollen, auch nicht, weil wir ihnen keine Masterplätze anbieten wollen, sondern einzig und allein darum, weil wir die benötigten finanziellen Mittel, um allen Studierenden bestmögliche Betreuung bieten zu können, nicht zur Verfügung haben!

Warum ist es politisch klug, beides zu fordern?

In mehreren Blogbeiträgen wurde die These aufgestellt, dass man sich mit der Einführung von Zugangsregeln jeglicher Argumentation und Forderungsgrundlage für eine Ausweitung des Budgets beraubt. Diese Sichtweise teile ich aufgrund meiner Erfahrungen mit der Finanzpolitik keineswegs. In der politischen Diskussion wird von vielen Gruppen für alle möglichen Zwecke mehr Geld vom Staat verlangt. Hätten wir eine klare Studienplatzfinanzierung, dann müssten wir eben nicht mehr einfach „mehr Geld“ verlangen – wie das so viele tun. Vielmehr könnten wir mit der sehr konkreten Forderung an die Politik herantreten, z.B. 300 neue Studienplätze (oder wie viele auch immer) zu finanzieren. Das ist wesentlich plastischer und lässt sich viel schwerer abwehren als die bloße Forderung nach mehr Geld.

Warum bedeuten Zugangsregeln nicht automatisch weniger Absolvent/inn/en?

Nicht die Anzahl der Studienanfänger/innen, sondern die Qualität der Betreuung führt dazu, dass mehr Studierende ihr Studium erfolgreich abschließen können. Durch eine transparente und faire Auswahl am Beginn eines Studiums könnte die WU Lehrkapazitäten besser planen. Die dadurch frei werdenden Kapazitäten könnten für eine Verbesserung der Studienbedingungen und für eine Erweiterung der (Diplomarbeits-)Betreuung in den Masterstudien verwendet werden. Weiters wissen wir, dass die schlechten Studienbedingungen einer der wichtigsten Gründe sind, dass Studierende das Studium abbrechen. Insgesamt würden Zugangsregeln daher zwar zu einer Senkung der Zahl der Studierenden führen, mit hoher Wahrscheinlichkeit würde die Zahl der Absolvent/inn/en aber steigen. Das ist auch international empirisch belegt: Systeme mit geregeltem Zugang produzieren viel bessere Erfolgsraten als Systeme ohne geregelten Zugang. Das gilt übrigens auch für die soziale Durchmischung. International haben Systeme mit geregeltem Zugang eine weit bessere soziale Durchmischung der Studierenden als wir das in Österreich haben. Und auch in Österreich gibt es ein gutes Beispiel: Die Fachhochschulen mit ihrem strikten Auswahlsystem haben viel mehr Studierende aus bildungsfernen Schichten als die Universitäten mit ihrem sogenannten „freien“ Zugang.

Warum will die WU prüfungsaktive Studierende fördern?

Es ist uns ein Anliegen, allen Studierenden eine gute (Aus-)Bildung und einen erfolgreichen Studienabschluss zu ermöglichen. In Zeiten der Ressourcenknappheit müssen wir aber differenzieren. Daher wollen wir jene Studierende, die auch tatsächlich Prüfungen ablegen fördern und sie so bei einem erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben unterstützen. Das heißt nicht, dass wir anderen Studierenden die Möglichkeit zu Bildung verwehren wollen – in der Situation der Knappheit aber scheint uns unsere Entscheidung die bessere zu sein.

Wie lässt sich Beruf und Studium an der WU vereinen?

Die neu strukturierte Studieneingangsphase stellt für Berufstätige kein unüberwindliches Problem und in keinem Fall eine Verschlechterung gegenüber dem Status quo dar. Wir haben bei den vier Lehrveranstaltungen, die zu Beginn mittels Prüfung absolviert werden müssen, keine Anwesenheitspflicht. Alle Lehrinhalte sind spätestens 24 Stunden nach Abhalten der LV in Form von Lecture Casts (Video des Vortrags) auf unserer e-Learning-Plattform abrufbar. Zur optimalen Prüfungsvorbereitung finden sich auf unserer Plattform auch Beispielfragen. Die vier Prüfungen des 1. Halbsemesters belaufen sich auf 8 Wochenstunden. Diese Prüfungen müssen nicht sofort und alle auf einmal erledigt werden. Die WU bemüht sich, Berufstätige und Studierende mit (Kinder-)Betreuungspflichten zu unterstützen. Daher finden zahlreiche Lehrveranstaltungen am Abend und am Wochenende bzw. durch Blockveranstaltungen statt. Zusätzlich bietet die WU auch in den vorlesungsfreien Zeiten gefragte Lehrveranstaltungen in Blockform an.

Ich hoffe, Ihnen damit ein paar Fragen beantwortet zu haben. Ich möchte Ihnen nochmals sagen, dass wir uns sehr über Ihre Diskussionsbeiträge und Fragen freuen. Wir nehmen Ihre Anregungen ernst und danken Ihnen für die rege Beteiligung.

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25 Diskussionen über
“Antworten auf oft gestellte Fragen”
  • Sehr geehrter Hr. Rektor,

    vorne einmal Dankeschön, dass sie sich mit diesen Belangen auseinandersetzen, ich denke damit sind sie vermutlich der einzige Rektor einer (öffentlichen) österreichischen Universität, der auch einmal die Studenten, Mitarbeiter und Allgemeinheit mit einbezieht. Die Sichtweisen sind dabei – naturgemäß – verschiedene.

    Zu ihrem Post möchte ich folgendes anmerken:
    – Zugangsregeln und Studiengebühren werden – ungewünschte – Umlenkungseffekte erzielen. Vor allem erstgenanntes wird andere Universitäten belasten – die natürlich nachziehen werden. Die fadenscheinige Mint-Kamapgne aus dem Wissenschaftsministerium macht hier auch keinen Sinn. Denn weder wird der Jobmarkt für technische Physiker dermaßen expandieren, noch sind dort die Studiengebühren so wunderbar wie uns glaubhaft gemacht werden soll (Referenz: offener Brief der Fachschaft Informatik der TU Wien)

    Jetzt ist es aber nicht nur so, dass in Österreich die Zahl der Absolventen zu gering ist, sondern im Verhältnis zu anderen OECD-Ländern auch die der Studierenden. Daher ist die Lösung mit dem Herunterfahren der Studentenzahlen vermutlich nicht optimal, auch in Anbetracht dessen, dass der Bund weder den Willen zeigt, noch das Geld springen lässt um weitere Universitäten und FHs aus dem Boden zu stampfen.

    Zugangsregeln mögen aus Ihrer Sicht, oder aus der Universitätssicht wünschenswert sein. Aus Sicht Gesamtösterreichs bzw. gesamtgesellschaftlich sind sie das aber – auch wenn viele Menschen das fälschlicherweise meinen – sicher nicht. Denn nicht nur wünscht sich jede Großmutter, dass das Enkerl studieren kann und darf (was im genannten Szenario wohl wenig realistisch wäre), und jeder Patient, dass es nicht nur einen gutausgebildeten Arzt gibt, sondern man in der Ambulanz auch irgendwann drannkommt, sondern entsprechen zu wenige Studienplätze (und so wäre es ja dann wohl) auch dem Betrug an einer oder mehrerer Generation junger Menschen. AHS-Maturanten können ohne Weiterbildung in FH oder Universität relativ wenig am Arbeitsmarkt punkten. Und ich denke – dass das sicher nicht im Interesse Gesamtösterreichs ist – schließlich macht sich eine hohe Jugendarbeitslosigkeit nicht besonders im Portfolio einer Regierung.

    Sie werden einwenden, es gibt auch genug arbeitslose Akademiker, oder junge Menschen die Ihr Studium abbrechen. Nun letzteres liegt sicher zum Teil an den Bedingungen (die ja Sie und die Studentschaft ja vollkommen zu recht kritisieren), allerdings ist ein junger Mensch, der auch nur die Hälfte eines Studiums absolviert hat, sicher für den Arbeitsmarkt (durch eine gewisse Persönlichkeitsentwicklung) interessanter, als jemand der mangels Möglichkeiten überhaupt keine Erfahrung gesammelt hat.
    Denn je mehr Bildung, desto mehr Chancen.

    Arbeitslose Akademiker sind ebenfalls leichter zu vermitteln als arbeitslose Nicht-Akademiker.

    Um zu schließen: Ich verstehe Ihre Sichtweise, und hoffe, dass sich in irgendeiner Form ein Kompromiss ergeben wird, der Studenten und Ihnen dient. Allerdings würde ich mir wünschen, dass alle beteiligten auch das „Big Picture“ nicht aus den Augen verlieren. Gemeinsamer Wunsch aller hier Postenden ist es ja, dass die Damen und Herren Politiker ein wenig mehr Engagement für die Universitäten zeigen, ohne dabei auf die Falle des ewigen Herunterleierns der immer gleichen Worte „Zugangsbeschränkung“, „Studienbeiträge“, „Ich will die Besten“ hereinzufallen. (zu letztem Zitat sei übrigens auf Hrn. Prof. Kratky vom FWF verwiesen, der jüngst in einem Interview für den offenen Hochschulzugang eintrat).

  • @technic: Dein Wunsch wird ganz offensichtlich auf der falschen Seite veröffentlicht. Er behandelt Schritt 2, der erst eingeleitet werden kann, wenn das Feuer einmal gelöscht ist, was eben Schritt 1 wäre. Momentan geht es darum, überhaupt noch ein Hochschulstudium zu ermöglichen, das man auch in einem gegebenen Zeitraum absolvieren kann. Wenn das umgesetzt ist, kann man darüber nachdenken, wie man die Kapazitäten so erweitert, dass man im internationalen Schnitt die Akademikerquote von Entwicklungsländern endlich erreicht und – mit etwas Glück – gar überholt 🙂 Aber das ist eine Sache, die in ferner Zukunft liegt, und momentan ist es einfach wichtiger, dass die WU überhaupt noch Studierende durch das Studium bringen kann.

    • Lieber Sterro,

      Du bist hier in Österreich, dem land wo Provisorien (vulgo Schritt 1) für immer sind.
      Daher sollte es gar nicht erst so weit kommen.

      Mir erscheint das Einführen von Zugangsbeschränkungen (oder wer will „Regeln“, damit es nicht so schlimm klingt) und Studiengebühren nicht unbedingt so unbeliebt bei den Universitätsverwaltern zu sein.
      Das kann aber nie und nimmer der richtige Weg sein.

      Wenn jetzt wer mault – ja aber international ist es auch so… nun gut, die USA und Grossbritannien sind auch im Irak und in Afghanistan einmarschiert – und das macht ihnen hoffentlich jeder halbwegs bei Sinnen befindliche Österreicher nicht nach.

      Die österreichischen Universitäten wären schon gut, so gar mit offenem Zugang und dafür (moderaten) Studienbeiträgen (so wie sie etwa früher waren als Maximum), wenn sie das notwendige und erforderliche Kapital vom Bund bekämen, das ihnen zusteht.

      Diese ganze Diskussion um Zugangschranken und absurd hohen Studienbeiträgen (zB 10.000 € lt. Hrn Skalicky von der TU im IV – Magazin) führt am Ziel meilenweit vorbei.

      • Weiss ich nicht welche ungewünschte Umlenkungseffekte es gibt, wenn schon jetzt die Verteilung suboptimal ist. Das Wichtigste was die Unis brauchen ist die Studieplatzfinanzierung, damit die derzeitige Armut der Hochschulen noch deutlicher werden koennte /die FHs bekommen viel mehr pro Student als manche Unis/. Ich verstehe auch nicht wie kann die WU mit dem Student-Prof. Verhältnis von 1:400 ueberhaupt eine Akkreditierung erreichen? Entweder spielen diese Kennzahlen in diversen Rankings oder Akkreditierungen nur untergeordente oder gar keine Rolle. In vielen Laendern ist dieses Verhaeltnis sogar gesetzlich vorgeschrieben /z.B. in der Slowakei-1:20!/, damit sich eine tertiäre Bildungseinrichtung als Universitaet bezeichnet koennte.

    • Ich frage mich halt auch, liebe(r) sterro,

      warum der Bund bzw. die ÖVP unbedingt eine „verlorene“ Generation (wenn es bei nur einer bleibt, was ich sehr stark bezweifle!) produzieren will?

  • Ich finde, dass Akkreditierungen zwar ein nettes Zuckerl für die Universitäten snd, aber dennoch sollte hier nicht vergessen werden, dass der durchschnittliche student von dieser Reputation wenig spürt. Weder während des Studiums, noch (zwangsläufig) danach.

    Ad Verteilung: wenn alle Studienrichtungen jetzt herunterfahren, findet die Umverteilung zum AMS statt. Das ist dann wohl noch eine Spur suboptimaler.
    So oder so – der Bund muss was springen lassen, ansonsten steuert Österreich in eine fatale Zukunft.

  • Sehr geehrter Herr Rektor!

    Ich habe mir die heutigen Vorträge (und zum Teil auch die anschließende Diskussion) zur Unterfinanzierung der WU angehört. Vorweg: Unbestritten ist, dass die WU derzeit dramatisch unterfinanziert ist. Unbestritten ist auch, dass es durch den Anstieg der Studierenden zu Kapazitätsproblemen gekommen ist. Umstritten ist, ob es Zugangsbeschränkungen geben muss; meiner Ansicht nach sind sie aber ein notweniges Übel, um den Status Quo im Lehrbetrieb halten zu können.

    Nun aber meine Frage: Ist es erstrebenswert, den Status Quo zu halten? Ich glaube nicht. Was jetzt gefragt ist, sind Ideen, wie man die vorhandene Situation verbessern kann; und nicht Schuldzuweisungen, weil die Situation inakzeptabel ist (ich will nicht bestreiten, dass es so ist, allerdings bringt uns die Erkenntnis nicht weiter). Gerade von WU-Absolventen wird Kreativität bei der Lösung von Problemen gefordert; diese Kreativität vermisse ich derzeit jedoch bei den leitenden Strukturen der WU massiv (Studenten in der STEP rauszuprüfen ist für mich jedenfalls kein Zeichen großer Kreativität, sondern ein Zeichen von Machtlosigkeit in Kombination von Ideenlosigkeit).

    Sie haben in ihrem Artikel schon die e-Learning-Plattform angesprochen. Eine großartige Sache. Und vor allem so vielfältig einsetzbar. Leider wird sie derzeit sehr ineffizient eingesetzt. Es klingt zwar toll, wenn sie schreiben: „Die WU bemüht sich, Berufstätige und Studierende mit (Kinder-)Betreuungspflichten zu unterstützen.“ In der STEP mag das auch zutreffen, es gibt kaum Vorlesungen mit Anwesenheitspflicht. Im weiteren Verlauf des Studiums ist aber ein zügiges Vorankommen praktisch ausgeschlossen, wenn man berufstätig ist.

    Daher habe ich eine Bitte an sie: Gestalten sie die Vorlesungen nach der STEP so, dass man nicht zwangsweise einer Anwesenheitspflicht ausgesetzt ist. Es gibt massenweise Studierende, die sich den Stoff einer Prüfung im Selbststudium aneignen können (und wollen), allerdings im Studium aufgehalten werden, weil sie keinen Platz in einer PI ergattern konnten oder durch ihren Job keine Zeit für die PI aufbringen können. Prüfungsimmanent kann man die Vorlesung ja weiterhin gestalten, indem man zum Beispiel jede Woche die Ausarbeitung eine Hausübung mit Verständnisfragen zum Thema bereitstellt. Die Strukturen dafür (Learn@WU) sind längst vorhanden, sie werden nur nicht eingesetzt.

    Der positive Nebeneffekt: Studenten können sich über das Forum zur LV bei Unklarheiten gegenseitig unterstützen, außerdem müssen Studenten, die sich die LV-Themen im Selbststudium beibringen, nicht in einem Raum untergebracht werden. Das Kapazitätsproblem könnte also auf diese Weise zumindest verkleinert werden.

  • Lieber John Doe,

    ich denke, dass deine Ideale nicht einer universitären Einrichtung entsprechen. Du kannst dich gleich fuer einen online degree bei der „University“ of Phoenix inskribieren oder dich mittels iTunes „University“ weiterbilden. Ein Studium an einer wissenchaftlichen Universitaet kann nichr eine Fernbildung sein. Ich plädiere sogar fuer mehr Anwesenheitspflicht und engeren Kontakt zu Lehrenden.Unter diesen Rahmenbedingnegen kann leider nur sehr eingeschrenkte Kreativitaet vorhanden sein.

  • Ich sage nicht, dass die Fernbildung des Rätsels Lösung ist; ich sage nur, dass es damit möglich wäre, zumindest kurzfristig Kapazitätsprobleme abzubauen. Dass langfristig andere Lösungen her müssen, will ich nicht abstreiten. Dass Fernlernen einer wissenschaftlichen Universität nicht würdig ist, lass ich jetzt einfach mal so stehn 😉

  • Wirtschaftsfaktor Bildung

    Gerade wir, als größte wirtschaftswissenschaftliche Einrichtung Österreichs sollten diesen Aspekt in der Debatte hervorkehren. Wir sprechen oft darüber, wie viel Geld wir benötigen, vergessen jedoch dabei den Wert unserer Arbeit zu betonen.
    Bildung als Investition zu betrachten ist in diesem Fall sehr sinnvoll. Denn die Unmengen an Studiumswilligen sind ja kein schlechtes Zeichen. Sie zeigen, dass die Jugend den Weg zum Forschungs- und Innovationsstandpunkt Österreich beschreiten will. Denn das ist wohl unbestritten der Gewinnträchtigste Weg für Österreich. Doch um diesen Weg zu beschreiten benötigen wir genau diese Unmengen auch als Hochschulabsolventen.
    Warum soll also die Produktion –auch wenn dieser Begriff im Bezug auf Menschen immer kritisch ist- von Forschern und Wirtschaftstreibenden gehemmt werden? Genau diese Bevölkerungsschicht bringt doch das meiste Geld ins Staatsbudget. Jede Person im Studium ist eine sichere Investition.
    Zudem beugt genau dieses, für uns durchaus Mögliche, hohe Bildungsniveau auf breiter Ebene Arbeitslosigkeit vor. Denn wir als Bildungselite sind ja auch die, die Unternehmen in Österreich ausbauen und hier halten. Österreich ist kein beliebter Standort, weil er so billig wäre. Aber stabil, gebildet und zentral gelegen, das sind wir allemal. Oder sollen die Maturanten, derer es ja offensichtlich genug gibt, jetzt alle als Hilfskräfte ohne Qualifikation auf den Arbeitsmarkt? Das wäre eine Ressourcenverschwendung ohne gleichen. Warum also nicht davon Gebrauch machen?
    Sogar der Zustrom Studierender aus dem Ausland kann hier positiv betrachtet werden. Denn wenn jemand sein gesamtes Studium in Österreich verbracht hat und mit den Strukturen vertraut ist, ist es wohl wahrscheinlich, dass ebenjene Person, wenn sie dann eine Führungsposition in ihrem Heimatland einnimmt, Österreich als Forschungsstandort zu schätzen gelernt hat. Wo wird dann wohl die Forschungsabteilung der Firma errichtet werden? Zudem entwickelt sich Österreich so weiter zu einem zentralen Knotenpunkt elitärer Netzwerke.
    Summa summarum sollten gerade wir der Regierung eine simple (um die Verständlichkeit zu sichern) Kosten/Nutzen-Rechnung der Bildung präsentieren. Mit diesem Bewusstsein werden sich die Parteien dann wohl um die Investitionsmöglichkeit streiten.

  • Liebes Rektorat,

    ich habe eine Frage und ich weiss, dass ich mich gleich unbeliebt machen werde. Aber ich kann nicht anders.

    Die Premisse ist ja erfreulich: Ich habe auf den Unis viele Freundschaften mit deutschen Staatsbürgern geschlossen. Leider werden diese nicht auf Dauer sein, denn viele werden nach dem Studium wieder das Land verlassen.

    Meine Frage:
    – Angesichts der Differenz zwischen den Ausbildungskosten pro Student/in und der *nicht erbrachten* Umwegrentabilität, wenn der/diejenige nach dem Studium wieder das Land verlässt, und
    – angesichts des deutschen Ansturms (Zitat Spiegel.de!), und
    – angesichts der dramatischen Zustände, wo jede Finanzierungsunterstützung hilfreich ist:

    Was halten Sie von Ausgleichszahlungen um Kostentragungsfairness herzustellen wie sie zB auch zwischen skandinavischen Ländern gang und gäbe sind?

    PS: wären Sie so nett den Versammlungs-Vortrag von Prof. Eberhartinger online zu stellen? Danke!

    • Die beiden Präsentationen von Vizerektorin Eberhartinger und Rektor Badelt finden sich bereits unter: http://www.wu.ac.at/press/info/ bzw. http://www.wu.ac.at/press/info/pressinfo2010/2010/Finanzlage_der_WU.pdf und http://www.wu.ac.at/press/info/pressinfo2010/2010/WU-Probleme.pdf

    • Erstens, warum sollte Deutschland fuer die NC Flüchtlinge zahlen?Zweitens, deutsche Studenten sind nicht die einzige EU Burger die in Oesterreich studieren. In Skandinavien ist es anders. Dort gibt es Studienplatzfinanzierung und Aufnahmeverfahren/NC vor Beginn des Studiums.

      • Ganz einfach, Österreich produziert für Deutschland quasi gratis Studienabsolventen. Es gab auch schon Anträge in der EU (keine Ahnung gerade welches Gremium), dafür Geld zu verlangen. Momentan ist das, zumindest im Bezug auf Deutschland ein absolutes Verlustgeschäft, da wir die Studenten ja auch nicht abweisen dürfen. Und Deutsche sind (verständlicherweise) trotz allem mit großem Abstand die größte Gruppe an Auslandsstudenten.

        • Warum sollen die Deutschen die Ausgleichszahlungen lestein, wenn doch der Numerus Clausus nur exisitiert um diese NC Fluechtlinge am Studieren zu hindern?! In Deutschland gibt es ganz einfach Zugangsregeln, die es in Oesterreich nicht gibt. Oesterreich hat sich dieses Problem eingebrockt und du erwartest, dass alle anderen Laender dafuer aufkommen? Ich will nicht wissen was in deinem Kopf vorgeht.

          • Dir ist schon bewusst, dass Deutschland (besonders der Osten) z.B. nach Mediziniern aus Österreich sucht, da sie selbst schlichtweg zu wenige Absolventen haben? Die bieten den Absolventen, die sie ja laut dir nicht brauchen, so manches Schmankerl, wenn sie nur in den Norden ziehen. Der Sinn im NC liegt dort wie hier an dem Versäuminis genügend Studienplätze zu schaffen. Sonst wären die Quoten ja fix, und würden sich nicht daran orientieren, wie die Noten der Bewerber im Gesamten aussehen. Oder gehst du davon aus, dass jemandem mit einem Schnitt von 1,2 nicht zuzutrauen ist, ein Medizinstudium zu absolvieren?

          • Ob NC ein gutes oder schlechtes Auswahlverfahren ist, war keine Rede . Mangel an Medizinern gibt es fast ueberall in Europa- sehr viele Absolventen wandern aus /die Deutsche in die USA,Norwegen, GB/. Dafuer gibt es aber verschiedene Grunde und es kann ein eigenständiges Thema sein. Das Thema war, ob es sich ein kleines Land wie Oesterreich leisten kann, ohne Zugangsregeln/Studiengebuehren und Studienplatzfinanzierung defacto unendlich viel Studenten auszubilden…. Auch in Skandinavien gibt es Zugangsregeln.

          • Nein, du hast kritisiert, dass es nicht realistisch ist Ausgangsleistungen innerhalb der EU einzuführen. Du hast gerade selbst einige gute Gründe angeführt, warum das sinnvoll wäre. Bildung ist nunmal ein internationales und somit auf jeden Fall auch ein europäisches Thema. Daher ist ein Ausgleichssystem auch absolut sinnvoll und für Österreich wäre es sogar ein Gewinngeschäft. Oder würde dir Österreich in der Position eines Bildungszentrums innerhalb der EU nicht gefallen? Dazu muss man aber genau das unterstützen. Nur weil andere Länder zu wenige Akademiker produzieren müssen wir es ihnen gleichtun und unsere Bildungseinrichtungen verkleinern? Das wäre dann ja eine Orientierung am Minimum. Kann das gewünscht sein? Besonders da wir ja durch unsere ehemaligen Strukturen eine recht niedrige Akademikerquote haben.

  • hab mal auf der wu seite die ausgaben gesucht ohne erfolg, gibt es keine bilanz welche ich einsehen kann ?,

    bin dann auf eine liste gestoßen welche zeigt, dass die wu 2800 € pro student ausgibt die boku beispielsweise aber 10.000 €, sollte die regierung da nicht froh sein wenn jeder auf der wu studiert ? und dies entsprechend auch fördern ?? bzw. sollte die wu sich nicht einfach freuen und entsprechend ausbauen, jeder unternehmer wär doch froh wenn er so einen ansturm an kunden hätte 🙂

    (link:http://www.ag-sbg.at/news/3-allgemeines/264-kosten-fur-einen-studenten-an-der-uni-salzburg]

    • Lieber Bernhard,

      das Problem ist denke ich, dass dem Unternehmen Universität ja durch die Kunden kein „Gewinn erwächst, bzw. nicht einmal ein Umsatz erwächst, sondern eigentlich nur Aufwände bzw. Kosten. Der Bund zahlt nur eine bestimmte Menge Geld an die Unis, und je mehr Studierende kommen, desto weniger bleibt für den einzelnen über.

      In Wirklichkeit muss man aber sagen, fair wäre es, wenn der Bund für jedne Studenten einen gewissen Betrag an die Unis überweist (zB diese 2800 bzw. 10000 €).

      Einmal mehr muss man sagen, dass aber das was der Bund zahlt, jetzt (in Zukunft gilt das noch stärker) zu wenig ist. Auch die hukdvollen und gleichwohl dümmlichen immer gleichen Leiern nach Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren werden das (zumindestens nicht signifikant) verändern.

      Daher ist sowohl die forderung nach mehr Geld, wie auch nach offenem und freiem Hochschulzugang bei ausgebauten Ressourcen aktuell und sollte von jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen unterstützt werden.

  • Ich frage mich, ob man nicht die guten wirtschaftlichen Kontakte, die ja wohl bestehen, in irgendeiner Art nutzen könnte, sei es um Druck auf die Politik auszuüben und/oder um Förderungsmittel zu Bitten….

    • Es wäre naiv zu vermuten, die WU würde nicht bereits allerhand Anstrengungen in Richtung Fundraising unternehmen….

      • Ich sehe das nicht so als naiv an…
        schließlich sind viele ÖVP Parteigänger Wirtschafter, und die wollen die uni sicher supporten, aber erstnachdem die övp sie in ein eliteinstitut verwandelt hat…

  • Das Budget für 2011 ist nun fixiert.
    Die Universitäten dürfen sich immerhin über eine Erhöhung i. H. v. 80 Millionen Euro freuen.

    Quelle: http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/604659/index.do?_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/596245/index.do&direct=596245

    • Ob das so erfreulich ist, bleibt jetzt mal dahingestellt.

      Dieses Geld wird nicht ausreichen, und der Kauf von zugangsbeschränkungen war für die ÖVP ein Schnäppchen.

      Sehr geehrter Rektor Badelt,

      Ich wäre gespannt, wie sie das sehen: Ob ihrer Meinung nach, der Preis, den jetzt viele junge Menschen zahlen werden müssen, nämlich keine höhere Bildung genießen zu dürfen, für lächerliche 80 Millionen Euro, die bei weitem nicht reichen werden, um die Unis ab 2013 zu stützen, ausreichend war. Die Unis werden Personal entlassen müssen. Allerdings werden die paar Arbeitslosen im Vergleich zu denen, die nach einem halben Jahr Willkürstudieneingangsphase vulgo Knock-Out-Kriterium dann letzlich auch beim AMS landen werden, wenige sein.

      Jedem dem das höhere Bildungswesen Österreichs am Herzen liegt, ob Rektor, Universitätslehrer oder Student, kann mit diesem Pseudokompromiss nicht zufrieden sein.

      Ich hoffe es formiert sich ein Protest.

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